1:1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei GOtt, und GOtt war das Wort.
1:2 Dasselbige war im Anfang bei GOtt.
1:3 Alle Dinge sind durch dasselbige gemacht, und ohne dasselbige ist nichts gemacht, was gemacht ist.
1:4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
1:5 Und das Licht scheinet in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen.
1:6 Es war ein Mensch, von GOtt gesandt, der hieß Johannes.
1:7 Derselbige kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugete, auf daß sie alle durch ihn glaubeten.
1:8 Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugete von dem Licht.
1:9 Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet die in diese Welt kommen.
Johannes redet von dem ewigen „Wort“, das im Anfang bei Gott war und in der Fülle der Zeit Fleisch geworden ist. Dieses Wort nennt er das wahrhaftige Licht, das alles, was Mensch ist, erleuchtet. Aber nachher sagt er, die Welt habe es nicht erkannt, d. h. der Mensch - insofern als er „Welt“ wurde, sich außer und ohne Gott stellend - ließ es unbeachtet und verdunkelte es in sich durch sein Sondertreiben. So war das Licht im Menschen wie vergraben. Wenn man fragen will, worin sich doch noch das Licht äußerte, wenn es „alle Menschen erleuchtet“, so ist’s schon sein Leben, von dem es vorher hieß, dass es das Licht der Menschen sei. Dieses Leben war immerhin nicht wie das Tierleben. Es spiegelte sich in ihm etwas von dem wahrhaftigen Licht, dem ewigen“ Wort“, ab: Der Mensch war seiner selbst und Gottes bewusst; er hatte ein Gewissen, konnte wenigstens Gutes und Böses unterscheiden und zeigte schon dadurch ein Bedürfnis nach dem Guten; er hatte auch etwas von Liebe und Bedürfnis nach Liebe; und ganz besonders war er von Sehnsucht durchdrungen nach dem von ihm nicht erkannten Verlorenen. Insofern als von diesem allen noch Spuren da waren, war das Leben noch das Licht der Menschen. Und dieses kam vom „wahrhaftigen Licht, dem ewigen Wort“. Das erleuchtet soweit alle Menschen, d. h. es lässt wenigstens noch soviel vom wahren Licht an ihnen sehen. Ist der Mensch auch immerhin durch die Sünde in die Finsternis gekommen, so scheint doch das Licht auch in der Finsternis, wie Johannes sagt. Er setzt aber hinzu: „Die Finsternis hat’s nicht begriffen“, sie ließen’s nicht zum Durchbruch kommen.
Wir sehen daraus, in welch trauriger Gefangenschaft der Mensch war, wenn sein Edelstes, das sich nicht ganz von ihm abstreifen ließ, in ihm also gebunden war. Und wir mögen es denn auch begreifen, wie das „Wort“ - das wahrhaftige Licht, von dem alles Licht der Menschen ausgeht - von Anfang an eine Hinneigung zu den Menschen, so möchte ich sagen, behielt.
Daraus kam der Drang, ihnen zu helfen und sie zu befreien, und endlich der Entschluß zur Menschwerdung, zur Einkehr bei den Menschen, um als ihr Bruder ihrer Einer zu sein. Große Gedanken kann das in uns anregen: dass wir doch nun trachten mögen, uns aus der Finsternis ins Licht herauszuarbeiten! Denn dazu ist uns jetzt Gelegenheit und Macht dargeboten durch Christus, das Mensch gewordene Licht. Nur das, was wir vom ewigen „Wort“ in uns haben - teils ursprünglich in uns liegend, teils durch den Glauben an Christus in uns zur Freiheit gebracht -, ist wahrhaftiges Licht. Alles andre, dem wir den Wert eines Lichts geben wollen, ist kein wahres, sondern ein immer wieder verlöschendes Licht; es fällt dem Tod an heim wie das äußere Leben selbst. Nur jenes ist ewiges Leben nach dem Wort des HErrn: „Wer an Mich glaubt, der hat das ewige Leben.“
Zusatz zu Johannes 1,9 - „Das wahrhaftige Licht“
Wenn das ewige „Wort“ so bestimmt „das wahrhaftige Licht“ genannt wird, so ist es damit einem andern Licht gegenübergestellt, das als Licht scheint - und doch nicht das wahre Licht ist. So glaubten die Menschen wohl auch Licht zu haben, ehe das „Wort“ Mensch wurde; sie vergaßen dabei des in ihnen wohnenden wahrhaftigen Lichts. Wie waren sie so klug, so verständig und mehr und mehr so geschickt geworden in allerlei Künsten und Wissenschaften! Man denke daran, wie solches Licht leuchtete bei den Ägyptern, Griechen und Römern, bei den Hindus und ganz besonders bei den Bewohnern von Japan bis auf den heutigen Tag. Man muss staunen, zu welcher Größe ihr Geist aufgeweckt war! Aber sie hatten dies Licht so, dass es sie - mit äußerst geringen Ausnahmen - nicht zu Gott hinführte, sondern eher von Ihm wegführte. Sie meinten, sie hätten da etwas, an dem sie genug hatten. Sie fragten nicht weiter nach Gott und Seiner Heiligkeit und trachteten nicht danach, in das, was ihnen auch hierin klar war, tatkräftig einzugehen. Genaugenommen war’s und ist’s auch ein Ausfluss vom wahrhaftigen Licht - aber gleichsam nur ein Abfall von ihm: insofern als es nicht im Zusammenhang mit seinem Ursprung blieb. Es war ein Abfall, der nicht die Kraft in sich hatte, fortzuglänzen, sondern immer wieder dem Erlöschen anheimfiel. Ist es uns doch jetzt mit aller Anstrengung nicht mehr möglich, uns zu der Geschicklichkeit und Kunst der Alten emporzuschwingen. Und wir erscheinen ihnen gegenüber nun selbst als arm, obgleich wir nach außen hin wieder ähnliches Licht haben in großartigem Maßstab - das sich aber handgreiflich auch nicht als das wahrhaftige Licht darstellt. O Kunst, O Bildung, wie weit bist du mit deinem Lichte von dem wahrhaftigen Lichte entfernt!
Dieses unwahrhaftige Licht macht zwar in etwas zufrieden mit diesem Leben; es weiß demselben Annehmlichkeiten zu verschaffen, bietet auch Hilfe zum Durchkommen dar. Es gibt aber wenig oder nichts, was an das ursprüngliche wahrhaftige Licht kettet; sondern es stellt sich wie von diesem abgetrennt dar. All dieses Licht sieht sich wie eine Lampe an, deren Öl nach und nach verbrennt, bis das Licht erlischt. So ist alles Licht in dieser Welt, das nicht im engsten Zusammenhang bleibt mit dem wahrhaftigen Licht, dem ewigen Wort und Seiner Heiligkeit: Es kann prächtig brennen und lange fortbrennen - aber der Brennstoff verzehrt sich mehr und mehr, und dann ist’s aus! Auch wenn man den letzten Öltropfen sammeln will, so geht er eben drauf, wenn man ihn benützt - und Nacht folgt!
Nur das, was sich durch Streben nach göttlicher Liebe und göttlicher Heiligkeit und Gerechtigkeit an die Person des wahrhaftigen Lichtes kettet und hält, hat ewige Dauer. Solches Licht leuchtet fort und verbraucht sich nicht; es bleibt sich gleich, ist etwas Sicheres und Dauerndes, ein Licht von oben, ein Stück von der Ewigkeit. Dieses Licht, das das liebende Herz Gottes in sich schließt, kam mit dem Heiland persönlich in die Welt. Es will unsre Herzen aufs neue entzünden und dem wahrhaftigen Lichte in aller Herzen Bahn machen, damit es sich wieder mit seinem Ursprung vereinige und mit ihm verschmelze.
Wenn, wie Johannes sagt, das wahrhaftige Licht alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen, so muss man sich denken, dass es bei allen wohl in etwas da ist. Aber bei denen, in welchen es nicht durch Christus erneuert wird, ist es nur verborgen da, gleichsam verschlossen und verdeckt. Es ist ein Gefangener im Menschen, mit Finsternis umhüllt, und mag sich je und je nur durch einen matten Schimmer erkennbar machen. Nun ist freilich der HErr Jesus gekommen, „zu predigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen die Loslösung“ (Jes. 61, 1). Wer Ihn im Glauben aufnimmt, bei dem wird der ganze Mensch licht und hell und verklärt sich in die göttliche Art. Die Hülle, die das Licht in ihm verdunkelte und die göttliche Heiligkeit nicht zur Geltung kommen ließ, fällt weg. Schon darum fühlt sich der Mensch als eine ganz neue Kreatur. Wohl dem, der sich freimachen, der sich erleuchten lässt vom wahrhaftigen Licht! Der geht dadurch selbst wieder helleuchtend unter den Finsternissen der Welt dahin mit dem vom Himmel stammenden Licht! Dieses wird zur Ehre Gottes durch den Glauben in einem einzigen Nu entzündet, so wie sich der Gasstoff im Nu entzündet. Wie gar neu und anders muss die ganze Erscheinung eines also entzündeten Menschen werden!
Indessen sagt der HErr: „Lasset euer Licht leuchten!“ Damit deutet Er an, dass man zwar im Glauben stehen, also innerlich erleuchtet sein könnte - ohne sein Licht leuchten zu lassen. Allerdings verstehen’s viele, auch das ihnen neu zuteil gewordene Licht unter den Scheffel, statt auf den Leuchter zu stellen. Dann scheint es den Leuten nicht. Dies ist der Fall, wenn die göttliche Art an ihnen nicht offenbar wird. Da brennt es wohl etwa innen, so dass man einen hellen Verstand in allem Göttlichen hat und wohl auch Genuss davon; aber es leuchtet niemandem, insofern als ihre Art von der der unerleuchteten Menschen sich kaum unterscheidet. Sie sind mit jenen Laternchen zu vergleichen, die Klapptürchen haben, die man auf- und zumachen kann. Wenn diese Türchen geschlossen werden, so scheint das in der Laterne brennende Licht nirgendwohin; und solch ein Licht hilft zu nichts. So erscheinen viele Christen gleich zugedeckten Laternen. Sie kennen und haben das Evangelium, kennen das wahrhaftige Licht, wissen alles und ergötzen sich daran - aber sie verschließen das, was sie haben, hinter Klapptürchen und geben keine Helle.
Statt es verschlossen zu halten, sollten sie aber ihr Licht leuchten lassen, um den Vater im Himmel zu ehren. Das geschieht durch Liebe, Freundlichkeit, Herzlichkeit, Sanftmut, Geduld, Friedfertigkeit, reine Gesinnung gegen jedermann in himmlischer, göttlicher Art, die von dem ungöttlichen Treiben der Welt geschieden ist. Wenn das bei Christen hervortritt, so sind die Klapptürchen offen. So wird man auch „das Licht der Welt“, wie es der HErr von Seinen Jüngern wünscht (Matth. 5,14).
Ach, was wäre es doch, wenn also das wahrhaftige Licht bei allen, in welchen es sich neu entzündet hat, wirklich auch in hellen Flammen leuchten würde.
Was kostet es aber, bis das, was - wie Johannes bezeugt - in der ursprünglichen Natur des Menschen liegt, sich herausgearbeitet hat aus der Finsternis, die immer wieder darüber herfällt!
Wir warten neuer Gnaden von oben! Endlich wird doch das Licht siegen! (Christoph Blumhardt)
1:10 Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbige gemacht, und die Welt kannte es nicht.
1:11 Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf.
1:12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, GOttes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben.
1:13 Welche nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines Mannes, sondern von GOtt geboren sind.
1:14 Und das Wort ward Fleisch und wohnete unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
1:15 Johannes zeuget von ihm, ruft und spricht: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher denn ich.
1:16 Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.
Welche Gnade haben wir zuerst empfangen? Den Glauben. Im Glauben wandelnd wandeln wir in die Gnade. Denn womit haben wir dieses verdient? Mit welchen vorhergehenden Verdiensten? Verstocke sich Niemand, sondern Jeder gehe in sein Gewissen zurück, suche die Schlupfwinkel seiner Gedanken und kehre wieder zur Reihe seiner Thaten. Er beachte nicht, was er sei, wenn er schon Etwas ist, sondern, was er gewesen sei, damit er etwas würde. Er wird finden, daß er nur des Todes würdig gewesen. Bis du aber des Todes würdig gewesen, und es ist Der gekommen, welcher die Sünden nicht strafte, sondern verzieh: so ist dir Gnade, nicht Lohn gegeben. (Aurelius Augustinus)
1:17 Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch JEsum Christum worden.
1:18 Niemand hat GOtt je gesehen. Der eingeborne Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat es uns verkündiget.
Es ist dieses einer der Sprüche, die zu erkennen geben, daß bei dem HErrn, wenigstens in den Tagen, da Er aufgetreten war, eine besonders fühlbare Gemeinschaft mit Seinem Vater stattfand. Er fühlte Sich im Schoß des Vaters, weswegen es heißt: „Der in des Vaters Schoß ist.“ Es fand bei Ihm eine Art Sehen Gottes statt, wie es bei keinem sonstigen Menschen möglich war, auch bei Mose nicht, der hintennach sehen durfte. Dadurch unterscheidet sich der HErr nicht nur als der allergrößte, sondern auch als der einzige Prophet von den anderen, wie Er auch sonst (Hebr. 1,1.2) als der Sohn, durch welchen Gott zuletzt geredet habe, allen andern Propheten gegenübergestellt wird. Andere bekommen es nur bruchstückweise und als Brosamen; Er aber, der Sohn, bekam es nicht nach dem Maß (Joh. 3,34), sondern als Einer, der in des Vaters Schoß ist. Darum heißt es jetzt von Ihm (Kol. 2,9), daß „in Ihm wohne die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“
Es ist merkwürdig, wie sie in unsern Tagen das Leben Christi so überaus und rein menschlich aufzufassen und zu erklären sich bemühen, meinend, daß sie damit erst den rechten Christus gefunden hätten, wenn er ganz und nur Mensch wäre, und ganz menschlich sich entwickelnd gedacht werde. Aber so viel sie sich auch abmühen und krümmen, - mit der Schrift kommen sie nicht zurecht; und so können sie sich, - ein böses Zeichen wider ihre Weisheit, - nicht anders helfen, als daß sie von der Schrift gar absehen, und diese entweder als unecht wegkritisieren, oder die Verfasser auf den Stuhl der Unwissenheit oder Schwärmerei oder Irrbildung setzen. Denn die Schrift, schon obiger Spruch, will’s durchaus anders, und ist eben damit dem Menschen, der Trost und Hilfe und Gewißheit des ewigen Lebens sucht, ein willkommenes Evangelium. Darum sagen wir mit Luther : „Das Wort sie sollen lassen stah’n.“ Wie groß wird doch in ihr und nur in ihr, nicht in der Scheinweisheit der Neuerer, die Barmherzigkeit Gottes, mit welcher Er durch Christum uns nahe gekommen ist! (Christoph Blumhardt)
1:19 Und dies ist das Zeugnis Johannes, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du?
Die Frage des heutigen Evangeliums: “ Wer bist du?“ ist offenbar die wichtigste an uns selbst, die wahre Adents- und Rüstfrage auf Weihnachten. Johannes, der größte Mensch unter allen, die vom Weibe geboren, antwortet: „Ich bin nicht Christus, ich bin nicht werth, Ihm die Schuhriemen aufzulösen, ich bin nur die Stimme des Predigers in der Wüste. Er ist das Wort, ich bin nur die Stimme des Worts. Er ist der Erlöser, ich bin nur ein armer Sünder. Er ist von oben her, ich bin von unten. Er muß wachsen, ich muß abnehmen.“ Ist das nicht auch unser Bekenntniß, wenn wir wahrhaft uns selbst prüfen? Und kommt uns dies Bekenntniß nicht lebendig zum Bewußtsein, wenn wir uns gegen Christum halten? Wie Feuer und Wasser, wie innere Reinigung von den Schlacken und äußere Reinigung vom Schmutz sich unterscheiden: so unterscheidet sich Sein Werk von unserm Werk. Wir können nur erquicken, Er aber heilt. Und wie Gott und Mensch, der Heilige und der Sünder, der Ewige und der Sterbliche sich unterscheiden, so unterscheidet sich Christi Person und unsere Person. Er ist der Ewige, der nach Johannes kam und doch vor ihm gewesen ist, der da war, ehe Abraham war, der als das Wort unbekannt das Licht und Leben der Menschen war in der alten Zeit, der von Ewigkeit her bei Gott war und Gott war; Er ist der Heilige, den die Cherubim und Engel allein würdig loben, - und wir sind befleckte Sünder, Kinder der Finsterniß und des Verderbens, unfähig Ihm den geringsten Dienst zu leisten, ja nicht werth, daß Er uns Festtage bescheert und in unseren Herzen seine Wohnung aufschlagen will. Wir sind nicht Christus, nicht unsere Selbsterlöser: aber Gottlob! - wir kennen Ihn, der mitten unter uns getreten ist, kennen seine Person, den Zweck seiner Ankunft, seine Erlösung und Erhöhung. Wie das die größte Niedrigkeit für den Menschen ist, Christum nicht zu kennen, und Sünde, Weltsinn, Leichtsinn nicht so tief erniedrigt, als solche Unwissenheit: so ist das unsere wahrhafte Erhöhung und Beseligung, von Ihm zu wissen und mit Ihm in Gemeinschaft zu stehen; ja, das der wahre Adel und die höchste Würde unserer Natur. Und haben wir Ihn erst erkannt, so ist unseres Lebens Aufgabe auch klar und nahe, es ist die, Ihm den Weg zu bereiten, sowohl zu uns als zu Andern! Und zwar durch Buße, Glauben und völlige Hingebung. Haben wir das gethan und thun wir das heute und morgen immer gründlicher: dann brich an, heilige Nacht; dann singet ihr Engel: „Ehre sei Gott in der Höhe!“ und du, Gemeinde: „Hosianna dem Sohne Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“ (Friedrich Arndt)
1:20 Und er bekannte und leugnete nicht; und er bekannte: Ich bin nicht Christus.
1:21 Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elia? Er sprach: Ich bin's nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: Nein.
1:22 Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst?
1:23 Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den Weg des HErrn! wie der Prophet Jesaja gesagt hat.
1:24 Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern
1:25 und fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Christus bist noch Elia noch ein Prophet?
1:26 Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet.
1:27 Der der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, des ich nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse.
1:28 Dies geschah zu Bethabara, jenseit des Jordans, da Johannes taufete.
1:29 Des andern Tages siehet Johannes JEsum zu ihm kommen und spricht: Siehe, das ist GOttes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!
1:30 Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, welcher vor mir gewesen ist; denn er war eher denn ich.
1:31 Und ich kannte ihn nicht, sondern auf daß er offenbar würde in Israel, darum bin ich kommen, zu taufen mit Wasser.
1:32 Und Johannes zeugete und sprach: Ich sah, daß der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm.
1:33 und ich kannte ihn nicht; aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, derselbige sprach zu mir: Über welchen, du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, derselbige ist's, der mit dem Heiligen Geist taufet.
1:34 Und ich sah es und zeugete, daß dieser ist GOttes Sohn.
1:35 Des andern Tags stund abermal Johannes und zwei seiner Jünger.
1:36 Und als er sah JEsum wandeln, sprach, er: Siehe, das ist GOttes Lamm!
1:37 Und zwei seiner Jünger höreten ihn reden und folgeten JEsu nach?
1:38 JEsus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was suchet ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi (das ist verdolmetscht, Meister), wo bist du zur Herberge?
1:39 Er sprach zu ihnen: Kommt und sehet es! Sie kamen und sahen's und blieben denselbigen Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde.
1:40 Einer aus den zwei, die von Johannes höreten und JEsu nachfolgeten, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus.
1:41 Derselbige findet am ersten seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias funden (welches ist verdolmetscht: der Gesalbte).
1:42 Und führete ihn zu JEsu. Da ihn JEsus sah, sprach er: Du bist Simon, Jonas Sohn; du sollst Kephas heißen (das wird verdolmetscht: ein Fels).
1:43 Des andern Tags wollte JEsus wieder nach Galiläa ziehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach!
1:44 Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus.
1:45 Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den funden, von welchem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben, JEsum, Josephs Sohn, von Nazareth.
1:46 Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann von Nazareth Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und siehe es!
1:47 JEsus sah Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm: Siehe, ein rechter Israelit, in welchem kein Falsch ist.
1:48 Nathanael spricht zu ihm: Woher kennest du mich? JEsus antwortete und sprach zu ihm: Ehe denn dich Philippus rief, da du unter dem Feigenbaum warest, sah ich dich.
1:49 Nathanael antwortet und spricht zu ihm: Rabbi, du bist GOttes Sohn, du bist der König von Israel.
1:50 JEsus antwortete und sprach zu ihm: Du glaubest, weil ich dir gesagt habe, daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum; du wirst noch Größeres denn das sehen.
1:51 Und spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, von nun an werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel GOttes hinauf - und herabfahren auf des Menschen Sohn.
2:1 Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter JEsu war da.
2:2 JEsus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen.
2:3 Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter JEsu zu ihm: Sie haben nicht Wein.
2:4 Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht kommen.
2:5 Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch saget, das tut.
2:6 Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen in je einen zwei oder drei Maß.
2:7 JEsus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis obenan.
2:8 Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun und bringet's dem Speisemeister. Und sie brachten's.
2:9 Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam (die Diener aber wußten's, die das Wasser geschöpft hatten), rufet der Speisemeister den Bräutigam
2:10 und spricht zu ihm: Jedermann gibt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken worden sind, alsdann den geringern; du hast den guten Wein bisher behalten.
2:11 Das ist das erste Zeichen, das JEsus tat, geschehen zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
2:12 Danach zog er hinab gen Kapernaum, er, seine Mutter, seine Brüder und seine Jünger, und blieben nicht lange daselbst.
2:13 Und der Juden Ostern war nahe. Und JEsus zog hinauf gen Jerusalem
2:14 und fand im Tempel sitzen, die da Ochsen, Schafe und Tauben feil hatten, und die Wechsler.
2:15 Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Ochsen und verschüttete den Wechslern das Geld und stieß die Tische um.
2:16 Und sprach zu denen, die die Tauben feil hatten: Traget das von dannen und machet nicht meines Vaters Haus zum Kaufhause!
2:17 Seine Jünger aber gedachten daran, daß geschrieben stehet: Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen.
2:18 Da antworteten nun die Juden und sprachen zu ihm: Was zeigst du uns für ein Zeichen, daß du solches tun mögest?
2:19 JEsus antwortete und sprach zu ihnen: Brechet diesen Tempel, und am dritten Tage will ich ihn aufrichten.
2:20 Da sprachen die Juden: Dieser Tempel ist in sechsundvierzig Jahren erbauet, und du willst ihn in dreien Tagen aufrichten?
2:21 Er aber redete von dem Tempel seines Leibes.
2:22 Da er nun auferstanden war von den Toten, gedachten seine Jünger daran, daß er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift und der Rede, die JEsus gesagt hatte.
2:23 Als er aber zu Jerusalem war in den Ostern auf dem Fest, glaubten viele an seinen Namen, da sie die Zeichen sahen, die er tat.
2:24 Aber JEsus vertrauete sich ihnen nicht; denn er kannte sie alle
2:25 und bedurfte nicht, daß jemand Zeugnis gäbe von einem Menschen; denn er wußte wohl, was im Menschen war.
3:1 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden.
3:2 Der kam zu JEsu bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer, von GOtt kommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn GOtt mit ihm.
3:3 JEsus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich GOttes nicht sehen.
3:4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?
3:5 JEsus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich GOttes kommen.
3:6 Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist.
ES sind an und in uns/ alle krefften/ beide des Leibs und der Seelen verderbet. Da her spricht Christus / Was vom Fleisch etc. Und S. Paulus Ephe. ii. Wir sind kinder des Zorns von Natur etc.
Und so wir nicht werden newe Menschen/ durch den glauben an Jhesum Christum/ das ist/ new geboren kinder Gottes/ durchs Wasser und den heiligen Geist / So sind und bleiben wir nichts anders denn Fleisch/ wir nemen für und thun gleich was wir wöllen. (Johannes Bugenhagen)
3:7 Laß dich's nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden.
3:8 Der Wind bläset, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er kommt und wohin er fähret. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.
3:9 Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen?
3:10 JEsus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel und weißt das nicht?
3:11 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wir reden, was wir wissen, und zeugen, was wir gesehen haben, und ihr nehmet unser Zeugnis nicht an.
3:12 Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde?
3:13 Und niemand fähret gen Himmel, denn der vom Himmel herniederkommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist.
3:14 Und wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden,
3:15 auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
3:16 Also hat GOtt die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
3:17 Denn GOtt hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde.
Wir feiern heute das liebliche Christfest. Da müssen wir vor allem es recht an uns kommen lassen, dass Gott, Gott Selbst, etwas getan hat; Er, der Himmel und Erde gemacht hat und Der eine große Liebe hat zu Seinen Kindern - wenngleich sie alle jetzt„ Welt“ heißen, d. h. sich so gegen Ihn gestellt haben, als gehe Er sie nichts an! Was hat Er denn getan? Er hat Seinen Sohn gesandt in die Welt. Mit Ihm hat Er Sein eigenstes Ich hingegeben für sie. Besinne dich doch, lieber Christ, was das ist!
Wenn aber Gott Sich Selbst gibt, so denke auch daran, was Er ist und wie Er von dir genannt sein will. Er will heißen: „Barmherzig, gnädig, geduldig, von großer Güte und Treue“ (2. Mose 34, 6). So will Gott heißen! Wenn Er nun der sündigen Welt Seinen Sohn schenkt: kann Er damit etwas Böses meinen? Kann Er als ein strenger, unnachsichtiger Richter sich durch Seinen Sohn bezeigen wollen? 0 nein, das nicht! Wenn Er richten, verwerfen, verdammen wollte, so würde Er doch das nicht durch Seinen Sohn tun lassen! Da würde Er sich anderer Werkzeuge bedienen und dieses harte Geschäft nicht Seinem Sohne übertragen!
Du siehst also, der Vater im Himmel möchte gerne das Gericht abwenden, das allen droht und das zuletzt doch über alle kommen müsste, weil Er mit einer Welt, wie sie ist und sich gemacht hat, doch nicht ewig so fortmachen könnte! Das, lieber Christ, lass dir recht sagen! Und zwar nicht bloß für dich selbst, sondern auch für die vielen Sünder, die du zum Teil so greulich verderbt um dich herum siehst - dass du meinen könntest, du seiest diesen gegenüber gar sauber und gerecht und bedürftest kaum eines Heilandes. Auch diese, die rechte„ Welt“, will Gott nicht durch Seinen Sohn gerichtet sehen! Sie sollen alle Seine Vaterliebe sehen und durch diese sich erweichen lassen, mit kindlichem Glauben wieder zu Ihm zurückzukehren. Nicht in der Hölle und Verdammnis, sondern in dem Himmel und der Seligkeit möchte Er die Welt wissen. Denn nicht die Braven und Frommen allein, sondern die„ Welt“ - sage die„ Welt“, welche die Braven oft so gar weit von sich wegstoßen! - soll der Sohn selig machen. Dazu hat der liebe Vater Seinen Sohn gesandt. Der Sohn aber sagt es jetzt selbst in diesem Wort, so sei es. Sie wollten Ihn nicht recht hören - und was haben sie Ihm nicht alles dafür getan, dass Er sie hat selig machen wollen?
Ich meine aber, es müsse Ihm noch gelingen! Denn ein so Großes tut doch Gott nicht für nichts! Und wenn Er die Welt meint, so muss es doch etwas recht Bedeutendes sein, das Er erreicht wissen will. Ja, weil Er die Welt meint, so wird Er auch durch Seinen Sohn, nachdem dieser wieder zu Ihm entrückt worden ist, noch etwas tun, um Seine Liebesgedanken so umfangreich als möglich auszuführen. Ja, Er wird es tun! Sonst müssten wir ja geradezu an Ihm und Seinem Sohne und allem Evangelium irre werden. Irre werden aber wollen wir in diesen Tagen nicht! Wir wollen hoffen und in Geduld warten. Das Höchste kommt gewiss noch nach: Der HErr wird sich noch aufmachen und wird Seine seligmachende Herrlichkeit offenbar machen an allen Geschlechtern der Erde. Harren wir der Zeit! Sie wird so gewiss kommen, als wir in diesen Tagen gewiss sind, dass Jesus Christus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Er wird nochmals ein Weltheiland offenbar werden! (Christoph Blumhardt)
3:18 Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet; denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes GOttes.
3:19 Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt kommen ist, und die Menschen liebeten die Finsternis mehr denn das Licht; denn ihre Werke waren böse.
3:20 Wer Arges tut, der hasset das Licht und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden.
3:21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in GOtt getan.
3:22 Danach kam JEsus und seine Jünger in das jüdische Land und hatte daselbst sein Wesen mit ihnen und taufete.
3:23 Johannes aber taufete auch noch zu Enon, nahe bei Salim; denn es war viel Wassers daselbst. Und sie kamen dahin und ließen sich taufen.
3:24 Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis gelegt.
3:25 Da erhub sich eine Frage unter den Jüngern des Johannes samt den Juden über die Reinigung.
3:26 Und kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Meister, der bei dir war jenseit des Jordans, von dem du zeugtest, siehe, der taufet, und jedermann kommt zu ihm.
3:27 Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel.
3:28 Ihr selbst seid meine Zeugen, daß ich gesagt habe, ich sei nicht Christus, sondern vor ihm her gesandt.
3:29 Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund aber des Bräutigams stehet und höret ihm zu und freuet sich hoch über des Bräutigams Stimme. Dieselbige meine Freude ist nun erfüllet.
3:30 Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.
3:31 Der von oben her kommt, ist über alle. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde; der vom Himmel kommt, der ist über alle
3:32 und zeuget, was er gesehen und gehöret hat; und sein Zeugnis nimmt niemand an.
3:33 Wer es aber annimmt, der versiegelt es, daß GOtt wahrhaftig sei.
3:34 Denn welchen GOtt gesandt hat, der redet GOttes Wort; denn GOtt gibt den Geist nicht nach dem Maß.
3:35 Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben.
3:36 Wer an den Sohn glaubet, der hat das ewige Leben; wer dem Sohn nicht glaubet, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn GOttes bleibt über ihm.
4:1 Da nun der HErr inneward, daß vor die Pharisäer kommen war, wie JEsus mehr Jünger machte und taufte denn Johannes
4:2 (wiewohl JEsus selber nicht taufte, sondern seine Jünger),
4:3 verließ er das Land Judäa und zog wieder nach Galiläa.
4:4 Er mußte aber durch Samaria reisen.
4:5 Da kam er in eine Stadt Samarias, die heißt Sichar, nahe bei dem Dörflein, das Jakob seinem Sohne Joseph gab.
4:6 Es war aber daselbst Jakobs Brunnen. Da nun JEsus müde war von der Reise, setzte er sich also auf den Brunnen; und es war um die sechste Stunde.
4:7 Da kommt ein Weib von Samaria, Wasser zu schöpfen. JEsus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken!
4:8 Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, daß sie Speise kaufeten.
4:9 Spricht nun das samaritische Weib zu ihm: Wie bittest du von mir zu trinken, so du ein Jude bist und ich ein samaritisch Weib? (Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern.)
4:10 JEsus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkennetest die Gabe GOttes, und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser.
4:11 Spricht zu ihm das Weib: HErr, hast du doch nichts, damit du schöpfest, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn lebendig Wasser?
4:12 Bist du mehr denn unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat, und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh?
4:13 JEsus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinket, den wird wieder dürsten;
4:14 wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunn des Wassers werden, das in das ewige Leben quillet.
Christus gibt uns mit seinem Euangelio den heiligen Geist / Wie er Joh. vii. sich selbs deutet / da er spricht / Wen da dürstet / der kome zu Mir/ und trincke/ Wer an Mich gleubet etc. Das saget er von dem Geist etc.
Da trincken wir so viel / und werden so satt und erquicket zum ewigen Leben/ das aus unserm Leibe fliessen ströme des lebendigen Wassers / das ist / Das wir andern leiblich und mündlich / auch können solche Gnade / durch die predigt des Euangelii ausgiessen / Gal. iii. ii. Cor. iii. (Johannes Bugenhagen)
4:15 Spricht das Weib zu ihm: HErr, gib mir dasselbige Wasser, auf daß mich nicht dürste, daß ich nicht herkommen müsse zu schöpfen.
4:16 JEsus spricht zu ihr: Gehe hin, rufe deinen Mann und komm her!
4:17 Das Weib antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. JEsus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann.
4:18 Fünf Männer hast du gehabt, und den du nun hast, der ist nicht dein Mann. Da hast du recht gesagt.
4:19 Das Weib spricht zu ihm: HErr, ich sehe, daß du ein Prophet bist.
4:20 Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr saget, zu Jerusalem sei die Stätte, da man anbeten solle.
4:21 JEsus spricht zu ihr: Weib, glaube mir, es kommt die Zeit, da ihr weder auf diesem Berge noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten.
4:22 Ihr wisset nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden.
4:23 Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater will auch haben, die ihn also anbeten.
4:24 GOtt ist ein Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
4:25 Spricht das Weib zu ihm: Ich weiß, daß der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn derselbige kommen wird, so wird er's uns alles verkündigen.
4:26 JEsus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet.
4:27 Und über dem kamen seine Jünger, und es nahm sie wunder, daß er mit dem Weibe redete? Doch sprach niemand: Was fragest du? oder: Was redest du mit ihr?
4:28 Da ließ, das Weib ihren Krug stehen und ging hin in die Stadt und spricht zu den Leuten:
4:29 Kommet, sehet einen Menschen, der mir gesagt hat alles, was ich getan habe, ob er nicht Christus sei.
4:30 Da gingen sie aus der Stadt und kamen zu ihm.
4:31 Indes aber ermahneten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iß!
4:32 Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, davon wisset ihr nicht.
4:33 Da sprachen die Jünger untereinander: Hat ihm jemand zu essen gebracht?
4:34 JEsus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk.
4:35 Saget ihr nicht selber: Es sind noch vier Monden, so kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Hebet eure Augen auf und sehet in das Feld; denn es ist schon weiß zur Ernte;
4:36 und wer da schneidet, der empfänget Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf daß sich miteinander freuen, der da säet und der da schneidet.
4:37 Denn hier ist der Spruch wahr: Dieser säet, der andere schneidet.
4:38 Ich habe euch gesandt zu schneiden, das ihr nicht habt gearbeitet; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit kommen.
4:39 Es glaubten aber an ihn viel der Samariter aus derselbigen Stadt um des Weibes Rede willen, welches da zeugete: Er hat mir gesagt alles, was ich getan habe.
4:40 Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, daß er bei ihnen bliebe. Und er blieb zwei Tage da.
4:41 Und viel mehr glaubeten um seines Worts willen
4:42 und sprachen zum Weibe: Wir glauben nun hinfort nicht um deiner Rede willen; wir haben selber gehöret und erkannt, daß dieser ist wahrlich Christus, der Welt Heiland.
Herr Gott, Du bist ein Geist, und die Dich anbeten, sollen Dich im Geist und in der Wahrheit anbeten. Gieb denn, daß ich auch ein wahrhaftiger Anbeter Deiner Gnade und Herrlichkeit sei, und Dich nicht blos mit den Lippen, sondern auch im Geiste, nicht mit todten, äußeren Gewohnheiten, am wenigsten auf heuchlerische Weise, sondern allezeit in der Wahrheit anbete. Ach, ich kann Dich ja doch nicht täuschen, weil Du der Herzenskündiger bist, der Herzen und Nieren prüft und vor dem unser Inneres offen da liegt wie ein aufgeschlagenes Buch. Menschen sehen, was vor Augen ist, Du aber siehest das Herz an. Du hast ja, Herr Jesu, der Samariterin Alles gesagt, was sie gethan hatte; denn Du weißt, was in dem Menschen ist und bedarfst nicht, daß Jemand Dir Zeugniß giebt von irgend einem Menschen. O sage es auch mir, damit ich mich selbst nicht täusche, mich für einen Christen halte und doch nicht vor Dir als solcher erfunden werde. Erforsche mich und prüfe mich und erfahre, wie ichs meine, und siehe, ob ich auf falschem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Du hast Dich der Samariterin so gnädig angenommen und sie nicht verderben lassen, sondern sie auf dem Wege der Buße zum Glauben an Dich, den wahren Messias und großen Propheten, den Heiland der Welt und den Sohn Gottes geführt: nimm Dich denn auch meiner an; bin ich es auch nicht würdig, ich bin’s doch bedürftig; ich kann ohne Dich nicht leben und nicht sterben, nicht von der Sünde frei und im Guten stark werden. Gieb insbesondere, daß ich die Gabe Gottes erkenne und wer der ist, der in seinem Worte mit mir redet und mir lebendiges Wasser geben will: Du bist es ja, o Herr, so bitte ich Dich denn, gieb mir lebendiges Wasser, welches mir ein Brunnen des Wassers wird, das in das ewige Leben quillt, auf daß mich nimmermehr dürste. Erquicke mich auch jetzt mit Deinem Frieden, und laß mich unter dem Schatten Deiner Flügel sicher wohnen, sicher schlafen und sicher leben. Amen. (Friedrich Arndt)
4:43 Aber nach zwei Tagen zog er aus von dannen und zog nach Galiläa.
4:44 Denn er selber, JEsus, zeugete, daß ein Prophet daheim nichts gilt.
4:45 Da er nun nach Galiläa kam, nahmen ihn die Galiläer auf, die gesehen hatten alles, was er zu Jerusalem auf dem Fest getan hatte. Denn sie waren auch zum Fest kommen.
4:46 Und JEsus kam abermal gen Kana in Galiläa, da er das Wasser hatte zu Wein gemacht.
4:47 Und es war ein Königischer, des Sohn lag krank zu Kapernaum. Dieser hörete, daß JEsus kam aus Judäa in Galiläa, und ging hin zu ihm und bat ihn, daß er hinab käme und hülfe seinem Sohn; denn er war todkrank.
4:48 Und JEsus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht.
4:49 Der Königische sprach zu ihm: HErr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt!
4:50 JEsus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet. Der Mensch glaubete dem Wort, das JEsus zu ihm sagte, und ging hin.
4:51 Und indem er hinabging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein Kind lebet.
4:52 Da forschete er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm worden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber.
4:53 Da merkte der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher JEsus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebet. Und er glaubete mit seinem ganzen Hause.
4:54 Das ist nun das andere Zeichen, das JEsus tat, da er aus Judäa nach Galiläa kam.
Herr Jesu, Du lebest und regierest in Ewigkeit, so laß denn Deine Herrlichkeit uns offenbar werden, nicht eine vergangene, sondern eine gegenwärtige Herrlichkeit. Segne jede Noth, die uns widerfährt, daß sie uns aus der Welt, aus uns selber heraus und zu Dir hin treibe. Erhöre unser Gebet, auch unser unvollkommenes Nothgebet und lehre uns hinansteigen auf den Gebetsstufen bis zu der höchsten und letzten, da wir Dich anbeten werden in ganz lauterer und heiliger Liebe, in vollkommener Freude an Deiner Schöne! Aber auch ehe wir angelangen, o Herr, an das Ufer der seligen Ewigkeit, da man Dich im Schauen preist, müsse der Anker unseres Lebens fest in Dich eingeschlagen sein, auf daß wir im Frieden dahingleiten mitten über die tobenden Wellen der Welt. Behalte uns im Glauben, im Glauben an Dein Wort, und was Du uns hier schon bescheerst an Vorgeschmack der himmlischen Freude vor Deinem Angesicht, das laß uns gereichen zur Stärkung im Glauben, damit wir in dem wahrhaft seligen, friedensvollen Stande erfunden werden: doch zu glauben, auch wo wir nicht sehen! – Und noch Eins, lieber Herr Jesu: ist’s möglich, so gönne uns das glückliche Loos des Königischen von Capernaum, zu glauben mit unserm ganzen Hause und in Wahrheit zu sprechen: „Ich und mein haus wir wollen dem Herrn dienen.“ Ja, laß uns alle zusammen Dein Eigenthum und Deine Gesegneten sein in Ewigkeit. Willst Du uns gebrauchen zu Werkzeugen der Bekehrung der Unsrigen, so gieb uns dazu die Kraft, welche uns mangelt, Ernst, Liebe, Weisheit, Treue, - Alles, Herr, was nur Du kannst geben. Ach, daß wir Dich nur nicht hindern mögen durch unser Thun! Daß doch keiner von den Unsrigen zurückbleibe, keiner durch seinen Unglauben verloren gehe, sondern alle, alle bekehrt und selig werden, daß wir auch einmal dort sagen können: Hier bin ich und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat. Wenn einst Dein Haus wird voll sein, voll von Gerechten durch Einen Glauben, dann müsse Niemand fehlen von Allen, für welche und mit welchen zu beten Dein Geist uns hier getrieben hat. Das hilf, Herr Jesu, Amen. (Friedrich Arndt)
5:1 Danach war ein Fest der Juden, und JEsus zog hinauf gen Jerusalem.
5:2 Es ist aber zu Jerusalem bei dem Schafhause ein Teich, der heißt auf ebräisch Bethesda und hat fünf Hallen,
5:3 in welchen lagen viel Kranke, Blinde, Lahme, Dürre; die warteten, wenn sich das Wasser bewegte.
5:4 Denn ein Engel fuhr herab zu seiner Zeit in den Teich und bewegte das Wasser. Welcher nun der erste, nachdem das Wasser beweget war, hineinstieg, der ward gesund, mit welcherlei Seuche er behaftet war.
5:5 Es war aber ein Mensch daselbst, achtunddreißig Jahre krank gelegen.
5:6 Da JEsus denselbigen sah liegen und vernahm, daß er so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden?
5:7 Der Kranke antwortete ihm: HErr, ich habe keinen Menschen, wenn das Wasser sich beweget, der mich in den Teich lasse; und wenn ich komme, so steiget ein anderer vor mir hinein.
5:8 JEsus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bett und gehe hin!
5:9 Und alsbald ward der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. Es war aber desselbigen Tages der Sabbat.
5:10 Da sprachen die Juden zu dem, der gesund war worden: Es ist heute Sabbat; es ziemt dir nicht, das Bett zu tragen.
5:11 Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sprach zu mir: Nimm dein Bett und gehe hin.
5:12 Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm dein Bett und gehe hin?
5:13 Der aber gesund war worden, wußte nicht, wer er war; denn JEsus war gewichen, da so viel Volks an dem Ort war.
5:14 Danach fand ihn Jesus im Tempel und sprach zu ihm: Siehe zu, du bist gesund worden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre!
5:15 Der Mensch ging hin und verkündigte es den Juden, es sei JEsus, der ihn gesund gemacht habe.
5:16 Darum verfolgten die Juden JEsum und suchten ihn zu töten, daß er solches getan hatte auf den Sabbat.
5:17 JEsus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirket bisher, und ich wirke auch.
5:18 Darum trachteten ihm die Juden nun viel mehr nach, daß sie ihn töteten, daß er nicht allein den Sabbat brach, sondern sagte auch, GOtt sei sein Vater, und machte sich selbst GOtt gleich.
5:19 Da antwortete JEsus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts von ihm selber tun, denn was er siehet den Vater tun; denn was derselbige tut, das tut gleich auch der Sohn.
5:20 Der Vater aber hat den Sohn lieb und zeiget ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, daß ihr euch verwundern werdet.
5:21 Denn wie der Vater die Toten auferweckt und machet sie lebendig, also auch der Sohn machet lebendig, welche er will.
5:22 Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben,
5:23 auf daß sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehret, der ehret den Vater nicht, der ihn gesandt hat.
Herr Jesu, Du selbst bist, zur Zeit Deines irdischen Leidens und Sterbens, voller Schmerzen, Angst und Mattigkeit gewesen, und weißt also, wie einem armen, kranken, kraftlosen Menschen zu Muthe sei, daß Du Dich seiner desto leichter erbarmen kannst. Du bist in den Tagen Deines Fleisches recht liebreich mit den Kranken umgegangen, hast ihnen tröstlich zugesprochen, und sie so mit erwünschter Hülfe und Gesundheit erfreuet. Dem Elenden, der bei dem Teich Bethesda 38 Jahre krank und hülflos gelegen, redetest Du freundlich zu, und fragtest: willst du gesund werden? und als er Dir, Herr Jesu, seine Noth klagte, machtest Du ihn mit einem Wort gesund. Liebster Heiland und Erlöser, hieraus lerne ich, daß Du ein allgemeiner Aufseher und Arzt der Kranken seiest. du weißt, wo Jeder von ihnen in seinem Elend seufzt; Du weißt, wie groß die Noth ist, wie lange sie gewährt, was für Pflege und Wartung jeder hat, oder wem es daran fehlt; Du hilfst auch wohl unvermuthet; Du trittst zu, wenn alle Menschen abgetreten sind; Du schaffest Rath, wenn Niemand mehr Rath weiß. Ach laß mich das wohl in meinem Herzen erwägen und zu der Ueberzeugung führen: Du werdest auch auf mich Acht haben, all’ mein Seufzen, Sehnen und Weinen zählen, und wenn mich gleich alle Menschen verließen, so werdest Du doch mich nimmermehr verlassen. Nach langer Geduld, nach 38 Jahrn, kam endlich doch Deine Hülfe an jenen elenden, verlassenen Menschen, und zwar damals, als er sie nicht hoffte. So wirst Du denn auch, mein Heiland, wenn die rechte Stunde gekommen ist, mit Deiner Hülfe an mich kommen, vielleicht durch Wege und Mittel, worauf ich und Niemand hat denken können. – O Du forderst von mir Schwachen kein weitläuftiges Gebet, keine umständliche Erzählung meiner Noth; es ist schon genug, Dich zum Erbarmen zu bewegen, wenn ich Dich kläglich ansehe und im Stillen zu Dir seufze. Laß mich dieses denn in’s Werk richten; laß mich, wenn ich wegen meiner Schwachheit nicht mehr reden kann, nach Dir seufzen, oder wenn ich auch nicht mehr seufzen kann, nur an Dich denken: so wirst auch Du, mein Jesu, in Gnaden an mich denken, mein Elend gnädig ansehen, mir meine Sünde vergeben, und endlich mich als Dein Kind zum ewigen Leben auf- und annehmen. Amen. (Friedrich Arndt)
5:24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort höret und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.
5:25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes GOttes hören; und die sie hören werden, die werden leben.
Wenn Gott eine Seele ruft, so hat dieser Ruf stets seine Wirkung. Satan kann mit zehntausend Vorurteilen sein Reich in ihr befestigt haben, so müssen sie sich zerstreuen, wenn Gott redet. Und obwohl in der allgemeinen Verkündigung des Evangeliums Gott ruft, und der Mensch sich weigert, zu folgen, so wird doch, wenn er zum Herzen des Sünders redet, die Antwort sein: „Herr, was willst du, daß ich tun soll?“ (Apg. 9,6). In solchem Moment ist der Wille des Sünders umgewandelt; seine Augen sind geöffnet, und „er ist berufen von der Finsternis zu seinem wunderbaren Lichte“ (1.Pet. 2,9). Wie groß dann auch der Widerstand sei, den er in der Welt, in seiner Familie und in der eigenen Verderbtheit des Herzens finden mag: er kann dem göttlichen Ruf nicht widerstehen; die Macht, wovon derselbe begleitet ist, wirft alle Hindernisse über den Haufen; weder Verfolgung, noch Entsagungen, noch der Tod können die wunderbare Veränderung verhindern, die bei dem stattfindet, den der Herr zum ewigen Leben beruft.
Möchtest du, lieber Leser, gerne wissen, welches in dieser Beziehung deine Stellung vor Gott ist, so sagen wir dir mit dem Apostel Paulus: „Versuchet euch selbst, ob ihr im Glauben stehet; prüfet euch selbst.“ (2.Kor. 13,5). Der Herr beruft sein Volk zu Streitern; bist du nun auch mit der Waffenrüstung Gottes bekleidet (Eph. 6), und kämpfst du den guten Kampf, indem du unausgesetzt den Streit führst gegen die Sünde, namentlich gegen das eigene Herz, so ist das ein Beweis deiner göttlichen Berufung. Und wenn du im Blick darauf, daß „Gott uns nicht berufen hat zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung“ (1.Th. 4,7), die Heiligkeit begehrst, die unreinen Lüste fliehst und der Welt den Abschied gibst, so ist kein Zweifel mehr, daß Gott dich berufen hat. Mit einem Wort, wenn Christus dir wertvoll ist; wenn sein Kreuz dein Ruhm ist; wenn seine Liebe dich drängt, seine Gemeinschaft zu suchen: dann kannst du deine Stimme mit der des Apostels vereinigen, um den zu preisen, „der uns selig gemacht hat, und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Vorsatz und Gnade die uns gegeben ist in Christo Jesu vor ewigen Zeiten“ (2.Tim. 1,9).
Gib nicht zu, daß der Unglaube dich des Trostes beraube, der denen gehört, die von Gott berufen sind, indem du über die Realität dieser Berufung an deiner Seele dich in Disputationen einläßt. Welcher andere Trieb als der des Geistes Gottes könnte in dir diese Sorge, diesen brünstigen Wunsch nach Vergebung, nach Frieden und göttlichem Leben hervorbringen? Wahrlich, hier ist, sagen wir, Gottes Werk, und es beweist, daß du Teil hast an jener herrlichen Verheißung, die der Herr den Seinen zuruft: „Fürchte dich nicht; denn ich habe dich erlöset; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“ (Jes. 43,1) (Hermann Heinrich Grafe)
5:26 Denn wie der Vater das Leben hat in ihm selber, also hat er dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in ihm selber.
5:27 Und hat ihm Macht gegeben, auch das Gericht zu halten, darum daß er des Menschen Sohn ist.
5:28 Verwundert euch des nicht; denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören
5:29 und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übels getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.
5:30 Ich kann nichts von mir selber tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist recht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern des Vaters Willen, der mich gesandt hat.
5:31 So ich von mir selbst zeuge, so ist mein Zeugnis nicht wahr.
5:32 Ein anderer ist's, der von mir zeuget; und ich weiß, daß das Zeugnis wahr ist, das er von mir zeuget.
5:33 Ihr schicktet zu Johannes, und er zeugete von der Wahrheit.
5:34 Ich aber nehme nicht Zeugnis von Menschen, sondern solches sage ich, auf daß ihr selig werdet.
5:35 Er war ein brennend und scheinend Licht; ihr aber wolltet eine kleine Weile fröhlich sein von seinem Licht.
5:36 Ich aber habe ein größer Zeugnis denn des Johannes Zeugnis; denn die Werke, die mir der Vater gegeben hat, daß ich sie vollende, dieselbigen Werke, die ich tue, zeugen von mir, daß mich der Vater gesandt habe.
5:37 Und der Vater, der mich gesandt hat, derselbige hat von mir gezeuget. Ihr habt nie weder seine Stimme gehöret noch seine Gestalt gesehen.
5:38 Und sein Wort habt ihr nicht in euch wohnend; denn ihr glaubet dem nicht, den er gesandt hat.
5:39 Suchet in der Schrift; denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darinnen; und sie ist's, die von mir zeuget.
5:40 Und ihr wollt nicht zu mir kommen, daß ihr das Leben haben möchtet.
5:41 Ich nehme nicht Ehre von Menschen.
5:42 Aber ich kenne euch, daß ihr nicht GOttes Liebe in euch habt.
5:43 Ich bin kommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmet mich nicht an. So ein anderer wird in seinem eigenen Namen kommen, den werdet ihr annehmen.
5:44 Wie könnet ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmet? Und die Ehre, die von GOtt allein ist, suchet ihr nicht.
5:45 Ihr sollt nicht meinen, daß ich euch vor dem Vater verklagen werde. Es ist einer, der euch verklaget, der Mose, auf welchen ihr hoffet.
5:46 Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben.
5:47 So ihr aber seinen Schriften nicht glaubet, wie werdet ihr meinen Worten glauben?
Wenn in irgend einem Kapitel Jesus die Beweise für seine Gottheit wahrhaft häuft, so ist es dieses. Er schreibt sich in demselben zu die Auferweckung der Todten und das Gericht, und verlangt von den Menschen die gleiche Anbetung mit dem Vater. Als Zeugnisse dafür beruft Er sich auf sein eignes, auf Johannis des Täufers, auf seiner Wunder Zeugniß, auf die Stimmen des Vaters und auf die Weissagungen des alten Testaments. Wer diesen Zeugnissen nicht glauben will, von dem gilt noch immer die Anklage des Herrn, daß es ihm nicht um sein eignes ewiges und seliges Leben, sondern um Jesu Tod zu thun ist, daß er nur seine Ehre vor der Welt sucht und nicht die Verherrlichung Christi, daß er lieber falschen Propheten und Irrlehrern glaubt, die ihm schmeicheln, als dem wahren Propheten Gottes, der ihm die Wahrheit sagt, und darum auch nicht zu retten ist, sondern der Anklage und Verdammniß vor Gottes Thron entgegengeht. Furchtbarer Widerspruch! Man hält Jesum für einen guten, tugendhaften Menschen, und doch will man seinen Worten über seine Gottheit nicht glauben? Wo bleibt da noch der Glaube an die Tugend, wenn der Glaube an die Wahrhaftigkeit aufhört? Entweder ich glaube an Jesu Gottheit, dann kann ich auch an seine Tugend glauben, oder ich glaube an Seine Gottheit nicht, dann muß ich auch seine Tugend verwerfen. Es geht mit der Tugend und mit der Gottheit Christi, wie mit den Schriften Mosis und den Aussagen Christi. Wer Mosi glaubt, muß auch an Christum glauben, und wer an Christum nicht glaubt, muß auch Mosen verwerfen und ist weder Jude noch Christ, sondern ein unseliges Mittelding. Wie theuer bekräftigt Jesus mit dieser Erklärung die Wahrheit der Schriften Mosis! Wie bezeugt Er damit so deutlich die Uebereinstimmung des alten und neuen Testaments! Wie schließt Er, was Er in Bethesda begonnen mit der That, im Tempel fortgesetzt mit der außerordentlichen Rede, mit einem ernsten und erschütternden Fragezeichen an Alle! Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben. Amen. (Friedrich Arndt)
6:1 Danach fuhr JEsus weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa.
6:2 Und es zog ihm viel Volks nach, darum daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
6:3 JEsus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern.
6:4 Es war aber nahe Ostern, der Juden Fest.
6:5 Da hub JEsus seine Augen auf und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, daß diese essen?
6:6 (Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wußte wohl, was er tun wollte.)
6:7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Pfennig Brot ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme.
6:8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus:
6:9 Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das unter so viele?
6:10 JEsus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere! Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünftausend Mann.
6:11 JEsus aber nahm die Brote, dankete und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; desselbigengleichen auch von den Fischen, wieviel er wollte.
6:12 Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts umkomme!
6:13 Da sammelten sie und fülleten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die überblieben denen, die gespeiset worden.
6:14 Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das JEsus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll!
6:15 Da JEsus nun merkete, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum Könige machten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst alleine.
6:16 Am Abend aber gingen die Jünger hinab an das Meer
6:17 und traten in das Schiff und kamen über das Meer gen Kapernaum. Und es war schon finster worden, und JEsus war nicht zu ihnen kommen.
6:18 Und das Meer erhub sich von einem großen Winde.
6:19 Da sie nun gerudert hatten bei fünfundzwanzig oder dreißig Feld Wegs, sahen sie Jesum auf dem Meer dahergehen und nahe zum Schiff kommen; und sie fürchteten sich.
6:20 Er aber sprach zu ihnen: Ich bin's; fürchtet euch nicht!
6:21 Da wollten sie ihn in das Schiff nehmen; und alsbald war das Schiff am Lande, da sie hinfuhren.
6:22 Des andern Tages sah das Volk, das diesseits des Meeres stund, daß kein ander Schiff daselbst war denn das einige, darein seine Jünger getreten waren, und daß JEsus nicht mit seinen Jüngern in das Schiff getreten war, sondern allein seine Jünger waren weggefahren.
6:23 Es kamen aber andere Schiffe von Tiberias nahe zu der Stätte, da sie das Brot gegessen hatten durch des HErrn Danksagung.
6:24 Da nun das Volk sah, daß JEsus nicht da war noch seine Jünger, traten sie auch in die Schiffe und kamen gen Kapernaum und suchten JEsum.
6:25 Und da sie ihn fanden jenseit des Meeres, sprachen sie zu ihm: Rabbi, wann bist du herkommen?
6:26 JEsus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr suchet mich nicht darum, daß ihr Zeichen gesehen habt, sondern daß ihr von dem Brot gegessen habt und seid satt worden.
6:27 Wirket Speise, nicht die vergänglich ist, sondern die da bleibet in das ewige Leben, welche euch des Menschen Sohn geben wird; denn denselbigen hat GOtt der Vater versiegelt.
6:28 Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir tun, daß wir GOttes Werke wirken?
6:29 JEsus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist GOttes Werk, daß ihr an den glaubet, den er gesandt hat.
DIe Welt / wenn sie wil from und selig sein / schreiet aus der Vernunfft / one Gottes wort / Gute werck / gute werck / Und erdichtet jr selbs gute werck / Gottes und Heiligen dienst / Ablas / Orden / Regeln / damit sie gnug thue fur die sunde / Gottes gnade erwerbe / und das ewige Leben verdiene.
Richtet also an / nicht gute werck oder Gottesdienste / sondern eitel Abgötterey. Denn solchen Werckheiligen sagt Christus nicht alleine / Frustra colunt me &c. Sondern auch / Discedite a me omnes, qu operamini iniquitatem, Id est, uos idolatrae, non Dei cultores, ut finxistis &c.
Aber an diese Gottes werck / oder gute werck wil niemand / da wir gleuben sollen an den son Gottes / welchen der Vater uns gesand und gegeben hat. Niemand wil an den Man / der da heisset Jhesus Christus / durch welchen alles geschaffen ist / durch welchs Blut der verlorn Mensch erlöset ist / One welchen keine seligkeit ist / one welchen kein gut werck fur Gott ist.
Darumb da die Capernaiten / wie die gantze Welt / sprechen/ Was sollen wir thun / das wir Gottes werck wircken? Antwort Jhesus / Das ist Gottes werck / das ir an Den gleubet / den Er gesand hat.
Da weiset euch hin mein Vater mit dem Euangelio / da weiset euch hin die gantze heilige Schrifft / Da kriegt jr den heiligen Geist. da werdet jr kinder Gottes / gute Beume / das jr könnet gute Früchte bringen / das ist / Gotte gehorsame Kinder werden / zuthun gute werck / die Gott in seinen zehen Geboten uns befohlen hat / One das wird nichts draus etc. (Johannes Bugenhagen)
6:30 Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, auf daß wir sehen und glauben dir? Was wirkest du?
6:31 Unsere Väter haben Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben stehet: Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.
6:32 Da sprach JEsus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Mose hat euch nicht Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel.
6:33 Denn dies ist das Brot GOttes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben.
6:34 Da sprachen sie zu ihm: HErr, gib uns allewege solch Brot!
6:35 JEsus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubet, den wird nimmermehr dürsten.
6:36 Aber ich hab's euch gesagt, daß ihr mich gesehen habt und glaubet doch nicht.
6:37 Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.
In dem Spruch ist Dreierlei gesagt oder angedeutet, erstlich, daß, wer zum Heiland komme, Ihm vom Vater gegeben sei, sodann daß der, den der Vater liebe, auch wirklich komme, und endlich, daß der Heiland keinen der Art hinausstoße.
Besehen wir das Erste, so kann also nicht Jedermann zum Heiland kommen, sondern nur, den der Vater giebt. (Joh. 6,44). Der Vater muß es sein, der dazu treibt. Der natürliche Mensch, der rein alles mit seinen natürlichen Sinnen und Seinem natürlichen Verstande begreifen will, bekommt keinen Geschmack, daß ich so sage, am Heiland. Darum bleiben in der Regel die Klugen uns Weisen weg, wie der Heiland selber sagt, weil die nur mit ihrer natürlichen Weisheit und Klugheit dran gehen, wenn sie aufmerksam werden, und dann den Kopf schütteln. Sind sie aber etwa schon innerhalb der Gemeine durch Geburt, wie bei uns, so können sie’s nicht lassen, das alles wegzudisputiren, was ihre Vernunft nicht faßt, und dann der Welt begreiflich machen zu wollen, man müsse das Christenthum ganz anders auffassen, als es herkömmlich gewöhnlich sei. Diese Leute alle erscheinen vorerst nicht als vom Vater dem Sohne gegeben; es ist kein Zug Gottes in ihnen zum Sohne. Warum das ? können wir nicht weiter untersuchen. Sie mögen eben den Zug, den ihnen der Vater gehen wollte, nicht annehmen, weil sie in selbstischer Weise widerstehen. . So kommt der Zug gar nicht an sie; und die Folge davon ist, daß sie ferne vom Heiland bleiben.
Das Zweite, was unser Spruch sagt, ist, daß Alles was der Vater dem Sohne gebe, auch wirklich zu Diesem komme. Denn es heißt. „Alles, was Mir der Vater giebt, das kommt zu Mir.“ Das ist ein tröstliches Wort. Der Zug des Vaters, wenn auch längere Zeit verdeckt, ist zuletzt so stark, daß Keiner, der ihn hat, zurückbleibt. Wenn wir nun freilich auf unsere Zeit hinsehen, so könnten wir fast sagen, der Vater gebe doch nur wenige Seelen Seinem Sohne, weil so Wenige zu Ihm kommen. Wie das ist, können wir wiederum nicht recht sagen. Aber gewiß ist, daß doch unendlich mehr Leute müssen vom Vater dem Sohne gegeben sein, als man vor Augen steht. Es ist für so viele an unsern Zuständen etwas, was ihr wirkliches Kommen zum Heilande verhindert, auch wenn der Zug da ist. Letzterer kann auch möglicherweise vorerst nur in seinem Keime da sein, da man dann Geduld haben und warten muß. Bei vielen wird’s noch auf dem Sterbebette offenbar. Jedenfalls haben wir im Wort des HErrn den Trost, daß einmal auch nicht Eine Seele im Reiche Gottes fehlen darf, die, obwohl sie den Verborgenen Zug hatte, nicht eingebracht wäre. Deswegen warten wir noch auf große Erweckungen und Bekehrungen durch eine neue Ausgießung des heiligen Geistes, damit das Gegebene noch komme. Darum verzieht auch scheinbar der HErr, damit ja kein Gegebenes verloren gehe, wenn Er zu schnell käme, wie uns Petrus belehrt (2. Petr. 3,9). Halten wir’s als einen Trost fest, daß der Heiland kein Gegebenes, am Zug zum Sohne erkenntlich, zurücklasse. Denn bei Gott sind alle Dinge möglich, insbesondere auch das Seligmachen derer, bei welchen es vor Menschen Augen nicht möglich ist (Joh. 6,27).
Endlich lesen wir die tröstlichen Worte, daß der Heiland Keinen, der zu Ihm komme, hinausstoße. Denken wir uns allerlei Menschen, die dem Hause Gottes zulaufen, darunter auch manche verkommene, häßliche, arge Leute. Sie kommen etwa bis vor die Türe. Der Hausherr aber erschrickt nicht, und sagt nicht: „Bleibet ihr weg! Jaget sie fort!“ schickt auch nicht, daß ich so sage, die Hunde nach ihnen, um sie fortzutreiben; sondern wer vor die Türe kommt, wie er auch aussehen und wer er auch sein mag, zu dem sagt Er: „Komm nur herein!“ - wenn Er ihn auch einstweilen, daß ich so sage, in ein Nebenstübchen tun muß, bis er gesäubert ist. Herein darf und muß, wer herein will; denn der Vater giebt ihn. Es wird Keinem im Geringsten durch einen Blick oder eine Miene zu erkennen gegeben, daß er fortbleiben könne. So steht’s da. „Wer zu Mir kommt,“ sagt der HErr, „den werde Ich nicht hinausstoßen.“ Darum wenn du dich scheust und denkst: „Wie kann ich kommen, der ich bin, wie ich bin?“ - sorge nicht; für das, daß es recht wird, wird der Heiland schon sorgen. Er weiß dich unter die Erlösten und Auserwählten zu bringen. Darum zage Keines, und komme nur, wenn auch mit Scham, doch mit kindlichem Vertrauen. Wage zu hoffen und zu glauben, daß der, welcher der Heiland der Sünder geworden ist, auch dich nicht verschmäht, wenn du nur kommst. (JChristoph Blumhardt)
6:38 Denn ich bin vom Himmel kommen, nicht daß ich meinen Willen tue, sondern des, der mich gesandt hat.
6:39 Das ist aber der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, daß ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern daß ich's auferwecke am Jüngsten Tage.
6:40 Das ist aber der Wille des, der mich gesandt hat, daß, wer den Sohn siehet und glaubet an ihn, habe das ewige Leben; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.
Herr Jesu Christe, Du ewiges Wort des Vaters, der Du uns Dein heiliges Evangelium aus dem Schooß Deines himmlischen Vaters geoffenbart hast, ich klage und bekenne Dir von Herzen, daß ich Dein Wort oft gering geachtet, ungern gehört, unfleißig gelernt, nicht von Herzensgrund betrachtet, nicht rechtschaffene Lust und Liebe dazu gehabt; sondern vielmehr die weltliche Eitelkeit demselben vorgezogen habe, da es doch ein theures, werthes Wort ist, der edelste Schatz, die höchste Weisheit, deren Geheimniß auch die Engel zu schauen gelüstet. Ach, vergieb mir solche Unachtsamkeit und Verachtung Deines seligmachendes Wortes. Wende von mir ab die schwere Strafe, die Du dräuest: „Weil du mein Wort verworfen hast, will ich dich wieder verwerfen.“ Zünde dagegen in mir an ein heiliges Verlangen und Hunger nach Deinem Worte, als dem Brode vom Himmel und der wahrhaftigen Seelenspeise; und einen brennenden Durst nach ihm, als dem Brunnen und Wasser des Lebens. Ach, ich sehe es wohl ein, warum ich oft bei Dir nur schmale Bissen gefunden habe: der Grund meines Herzens gehört noch zu sehr der Welt an, und ich habe noch nicht völlig gebrochen mit mir selber. O gieb mir Kraft, mich völliger zu scheiden von der Welt und von der vergänglichen Lust, damit ich mich fester und immer fester an Dich anschließe. Zeige mir immer klarer meine innere Leere, damit ich desto hungriger werde nach der Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die da bleibet in das ewige Leben. Die Hungrigen füllst Du ja mit Gütern, die Reichen lässest Du leer. Gieb, daß ich aus Deinem Worte Dich und mich recht erkenne, mein Elend und Deine Barmherzigkeit, meine Sünde und Deine Gnade, meine Armuth und Deinen Reichthum, meine Schwachheit und Deine Stärke, meine Thorheit und Deine Weisheit, meine Finsterniß und Dein Licht. Ach, Herr, wohl den Menschen, die in Deinem Hause wohnen, die loben Dich immerdar! Wohl dem, den Du erwählest und zu Dir lässest, der hat reichen Trost von Deinem heiligen Tempel. Amen. (Friedrich Arndt)
6:41 Da murreten die Juden darüber, daß er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel kommen ist,
6:42 und sprachen: Ist dieser nicht JEsus, Josephs Sohn, des Vater und Mutter wir kennen? Wie spricht er denn: Ich bin vom Himmel kommen?
6:43 JEsus antwortete und sprach zu ihnen: Murret nicht untereinander!
6:44 Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.
6:45 Es stehet geschrieben in den Propheten: Sie werden alle von GOtt gelehret sein. Wer es nun höret vom Vater und lernet es, der kommt zu mir.
6:46 Nicht daß jemand den Vater habe gesehen, außer dem, der vom Vater ist, der hat den Vater gesehen.
6:47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubet, der hat das ewige Leben.
6:48 Ich bin das Brot des Lebens.
6:49 Eure Väter haben Manna gegessen in der Wüste und sind gestorben.
6:50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, auf daß, wer davon isset, nicht sterbe.
6:51 Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel kommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt.
6:52 Da zanketen die Juden untereinander und sprachen: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?
6:53 JEsus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch.
6:54 Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken.
6:55 Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank.
6:56 Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm.
6:57 Wie mich gesandt hat der lebendige Vater, und ich lebe um des Vaters willen, also, wer mich isset, derselbige wird auch leben um meinetwillen.
6:58 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommen ist, nicht wie eure Väter haben Manna gegessen und sind gestorben. Wer dies Brot isset, der wird leben in Ewigkeit.
6:59 Solches sagte er in der Schule, da er lehrete zu Kapernaum.
6:60 Viele nun seiner Jünger, die das höreten, sprachen: Das ist eine harte Rede, wer kann sie hören?
6:61 Da JEsus aber bei sich selbst merkete, daß seine Jünger darüber murreten, sprach er zu ihnen: Ärgert euch das?
6:62 Wie, wenn ihr denn sehen werdet des Menschen Sohn auffahren dahin; da er zuvor war?
6:63 Der Geist ist's, der da lebendig macht; das Fleisch ist kein nütze. Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben.
6:64 Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wußte von Anfang wohl, welche nicht glaubend waren, und welcher ihn verraten würde.
6:65 Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn von meinem Vater gegeben.
6:66 Von dem an gingen seiner Jünger viel hinter sich und wandelten hinfort nicht mehr mit ihm.
6:67 Da sprach JEsus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen?
6:68 Da antwortete ihm Simon Petrus: HErr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens;
6:69 und wir haben geglaubet und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen GOttes.
6:70 JEsus antwortete ihm: Hab' ich nicht euch Zwölfe erwählet? und euer einer ist ein Teufel.
6:71 Er redete aber von dem Judas, Simons Sohn, Ischariot; derselbige verriet ihn hernach und war der Zwölfen einer.
Nein, Herr, ich will Dich nicht verlassen; denn Du hast Worte des ewigen Lebens; Du bist das lebendige Brod vom Himmel gekommen; Du hast Dein Fleisch gegeben für das Leben der Welt, und sagst es selber: „Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, d.h. durch den Glauben mit Ihm in die engste Gemeinschaft treten, Ihn in euer Fleisch und Blut verwandeln, so habt ihr kein Leben in euch; wer aber mein Fleisch ißt und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben.“ So unentbehrlich Speise und Trank ist zur Erhaltung meines natürlichen Lebens, so unentbehrlich bist Du mir zur Erlangung des geistlichen und ewigen Lebens; ohne Dich habe ich kein Leben in mir, kann auch keine Frucht bringen, muß sterben. Du allein bist die rechte Speise meiner Seele, in jedem Betracht das Rechte, alles Andere ist es nicht; das rechte Gold, Kleid, Haus, die rechte Augensalbe, Arzenei, Freude, Gerechtigkeit, der rechte Stern, die rechte Sonne. Du erhältst mich nicht nur für eine Zeitlang, sondern für ewig. Du stärkst mich zu den größten Thaten und den schwersten Leiden. Wie das Essen und Trinken mich in eine höchst genaue Verbindung mit Speise und Trank setzt, so daß sie ein Theil meines Wesens wird, so setzt mich der Glaube, besonders im Genusse des heiligen Abendmahls, in die engste Vereinigung mit Dir, macht mich der göttlichen Natur theilhaftig; Du wirst mit allen Deinen Gütern mein, und ich mit allen Sünden und Unglück werde Dein Leib; und in dieser Vereinigung mit Dir kann mir nichts mehr schaden, denn ich werde mit meiner Sünde und Schwachheit von und in der ewigen Gerechtigkeit und Stärke getragen. Und weil ich in Dir bin, kann ich keine so große Sünde haben, die mich könnte verdammen, der Tod kann mich nicht überwältigen und behalten. Darum bleibe es dabei und mache mich immer fester darin: Ich will nun still an Dir kleben, in Dir leben, tausend Welten können gegen Dich nichts gelten. Amen. (Friedrich Arndt)
7:1 Danach zog JEsus umher in Galiläa denn er wollte nicht in Judäa umherziehen, darum daß ihm die Juden nach dem Leben stelleten.
7:2 Es war aber nahe der Juden Fest, der Laubrüst.
7:3 Da sprachen seine Brüder zu ihm: Mache dich auf von dannen und gehe nach Judäa, auf daß auch deine Jünger sehen die Werke, die du tust.
7:4 Niemand tut etwas im Verborgenen und will doch frei offenbar sein. Tust du solches, so offenbare dich vor der Welt.
7:5 Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.
7:6 Da spricht JEsus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht hier; eure Zeit aber ist allewege.
7:7 Die Welt kann euch nicht hassen; mich aber hasset sie; denn ich zeuge von ihr, daß ihre Werke böse sind.
7:8 Gehet ihr hinauf auf dieses Fest. Ich will noch nicht hinaufgehen auf dieses Fest; denn meine Zeit ist noch nicht erfüllet.
7:9 Da er aber das zu ihnen gesagt, blieb er in Galiläa.
7:10 Als aber seine Brüder waren hinaufgegangen, da ging er auch hinauf zu dem Fest, nicht offenbarlich, sondern gleich heimlich.
7:11 Da suchten ihn die Juden am Fest und sprachen: Wo ist der?
7:12 Und es war ein groß Gemurmel von ihm unter dem Volk. Etliche sprachen: Er ist, fromm. Die andern aber sprachen: Nein, sondern er verführet das Volk.
7:13 Niemand aber redete frei von ihm um der Furcht willen vor den Juden.
7:14 Aber mitten im Fest ging JEsus hinauf in den Tempel und lehrete.
7:15 Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Wie kann dieser die Schrift, so er sie doch nicht gelernet hat?
7:16 JEsus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht mein, sondern des, der mich gesandt hat.
7:17 So jemand will des Willen tun, der wird innewerden, ob diese Lehre von GOtt sei, oder ob ich von mir selbst rede.
7:18 Wer von ihm selbst redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber suchet die Ehre des, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und ist keine Ungerechtigkeit an ihm.
7:19 Hat euch nicht Mose das Gesetz gegeben? Und niemand unter euch tut das Gesetz. Warum suchet ihr mich zu töten?
7:20 Das Volk antwortete und sprach: Du hast den Teufel; wer suchet dich zu töten?
7:21 JEsus antwortete und sprach: Ein einiges Werk habe ich getan, und es wundert euch alle.
7:22 Mose hat euch darum gegeben die Beschneidung, nicht daß sie von Mose kommt, sondern von den Vätern; noch beschneidet ihr den Menschen am Sabbat.
7:23 So ein Mensch die Beschneidung annimmt am Sabbat, auf daß nicht das Gesetz Mose's gebrochen werde, zürnet ihr denn über mich, daß ich den ganzen Menschen habe am Sabbat gesund gemacht?
7:24 Richtet nicht nach dem Ansehen sondern richtet ein recht Gericht!
7:25 Da sprachen etliche von Jerusalem: Ist das nicht der, den sie suchten zu töten?
7:26 Und siehe zu, er redet frei, und sie sagen ihm nichts. Erkennen unsere Obersten nun gewiß, daß er gewiß Christus sei?
7:27 Doch wir wissen, von wannen dieser ist; wenn aber Christus kommen wird, so wird niemand wissen, von wannen er ist.
7:28 Da rief JEsus im Tempel, lehrete und sprach: Ja, ihr kennet mich und wisset, von wannen ich bin; und von mir selbst bin ich nicht kommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, welchen ihr nicht kennet.
7:29 Ich kenne ihn aber; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt.
7:30 Da suchten sie ihn zu greifen. Aber niemand legte die Hand an ihn; denn seine Stunde war noch nicht kommen.
Wie der Mensch nicht leben kann ohne Brod und Licht, so kann der Christ nicht leben ohne Dich, o Herr. Wie der Mensch athmen muß, um zu leben, so muß der Christ beten, um geistiger Weise nicht zu sterben. Alles mit Dir, nichts ohne Dich! Das ist des Christen Losung. An Gottes Segen ist Alles gelegen! So spricht er am Morgen. Gott allein die Ehr’! So spricht er am Abend. Mit Dir fängt er an, mit Dir fährt er fort, mit Dir hört er auf. Könnte er dem Schlafe in die Arme sinken, dem Bruder des Todes, ohne seine Seele in die Hand des lebendigen Gottes gestellt zu haben? So bete ich denn auch heute mit Luthers Worten: „Ich danke Dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, Deinen lieben Sohn, daß Du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte Dich, Du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht gehabt habe, und mich diese Nacht gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele, und Alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.“ Herr, erhöre mich! Erhöre mich in der kommenden Nacht der Natur, erhöre mich in jeder künftigen Nacht meines Geistes und Herzens. Du bist ja das Licht der Welt, das alle Finsterniß bannt; Du schläfst und schlummerst nie, und vor Deinem Auge muß selbst die Finsterniß Licht sein. Lß mich denn allezeit inne werden und erfahren, daß Du, Herr Christe, von Gott bist, und Deine Lehre von Gott ist, und darum die siegende Wahrheit über alle Lüge und Bosheit. Ach, Erfahrung ist ja die Lehrerin und die eigentliche Schule der wahren Erkenntniß, welche gegen das gelehrteste Wissen ganz so sich verhält, wie der Selbstgenuß köstlicher Feigen und Trauben gegen das Anschauen eines von der größten Meisterhand gemachten Fruchtbildes. Wer Dich nicht blos aus den Zeugnissen der heiligen Schrift kennt, sondern selbst in Deiner Kur war und Deine verordneten Mittel brauchte, Dich anrührte und gesund wurde, der schmeckt und sieht, wie freundlich Du bist, und weß das Herz voll ist, strömt der Mund über. Hilf auch mir immer mehr zu solcher seligen Erfahrung. Amen.(Friedrich Arndt)
7:31 Aber viele vom Volk glaubten an ihn und sprachen: Wenn Christus kommen wird; wird er auch mehr Zeichen tun, denn dieser tut?
7:32 Und es kam vor die Pharisäer, daß das Volk solches von ihm murmelte. Da sandten die Pharisäer und Hohenpriester Knechte aus, daß sie ihn griffen.
7:33 Da sprach JEsus zu ihnen: Ich bin noch eine kleine Zeit bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat.
7:34 Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und da ich bin, könnet ihr nicht hinkommen.
7:35 Da sprachen die Juden untereinander: Wo will dieser hingehen, daß wir ihn nicht finden sollen? Will er unter die Griechen gehen, die hin und her zerstreuet liegen, und die Griechen lehren?
7:36 Was ist das für eine Rede, daß er saget: Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und: Wo ich bin, da könnet ihr nicht hinkommen?
7:37 Aber am letzten Tage des Festes, der am herrlichsten war, trat JEsus auf, rief und sprach: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!
7:38 Wer an mich glaubet, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen.
7:39 Das sagte er aber von dem Geist, welchen empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Heilige Geist war noch nicht da, denn JEsus war noch nicht verkläret.
7:40 Viele nun vom Volk, die diese Rede höreten, sprachen: Dieser ist ein rechter Prophet.
7:41 Die andern sprachen: Er ist Christus. Etliche aber sprachen: Soll Christus aus Galiläa kommen?
7:42 Spricht nicht die Schrift, von dem Samen Davids und aus dem Flecken Bethlehem, da David war, solle Christus kommen?
7:43 Also ward eine Zwietracht unter dem Volk über ihm.
7:44 Es wollten aber etliche ihn greifen; aber niemand legte die Hand an ihn.
7:45 Die Knechte kamen zu den Hohenpriestern und Pharisäern. Und sie sprachen zu ihnen: Warum habt ihr ihn nicht gebracht?
7:46 Die Knechte antworteten: Es hat nie kein Mensch also geredet wie dieser Mensch.
7:47 Da antworteten ihnen die Pharisäer: Seid ihr auch verführet?
7:48 Glaubet auch irgendein Oberster oder Pharisäer an ihn?
7:49 Sondern das Volk, das nichts vom Gesetz weiß, ist verflucht.
7:50 Spricht zu ihnen Nikodemus, der bei der Nacht zu ihm kam, welcher einer unter ihnen war:
7:51 Richtet unser Gesetz auch einen Menschen, ehe man ihn verhöret und erkennet, was er tut?
7:52 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du auch ein Galiläer? Forsche und siehe, aus Galiläa stehet kein Prophet auf.
7:53 Und ein jeglicher ging also heim.
Ob Jesus wohl an irgend einem Abend sich niedergelegt hat, ohne zu beten? Heißt es doch von Ihm: „Es begab sich aber zu der Zeit, daß Er ging auf einen Berg zu beten, und Er blieb über Nacht in dem Gebet zu Gott.“ (Luc. 6,12.) Auf seine Stimme will ich hören, nach seinem Bilde will ich mich bilden. In der Stile des Abend und durch das Schweigen der Nacht will ich vernehmen das Wort meines Erlösers: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich gethan habe.! Ich habe mich zurückgezogen in meine verborgene Kammer, und überdecke die Ereignisse des vergangenen Tages. Wie bald und wie schnell ist ein Tag dahin! Es wird Morgen, Mittag und Abend, ich weiß nicht wie. Pfeilschnell eilen an mir vorüber die geflügelten Stunden. So war es auch heute. Ach manchem meiner Brüder mag wohl der Tag, der mir so schnell vergangen ist, langsam traurig dahingeschlichen sein! Wenn man traurig ist und Leide trägt, so dehnen sich die Minuten zu Stunden aus. Nicht nur die Uhr des Ungeduldigen, auch die Uhr des Weinenden geht nimmer zu früh. Er möchte gern vorwärts schieben den Zeiger der langsam schleichenden Zeit, und es währet so lange, bis es will Abend werden, und wenn es nun endlich unter Seufzern und Thränen Abend geworden ist, so will kein Ende nehmen die Nacht. Tröste euch Gott, ihr armen Leidenden, und Sein heiliger Engel erquicke euch durch einen liebenden Traum! Herr, mein Gott, wer bin ich, und was ist mein Haus, daß Du mich bis hierher gebracht hast? Kein Hiobsbote ist über die Schwelle meines Hauses getreten. Du hast mich gnädig behütet, und Deine Hand war mit mir, während Du heimgesucht hast, im Laufe dieses Tages, so manches Haus mit Trübsal und Noth! In meinen Dank mischt sich die Bitte:
Laß auch morgen mit den Meinen
Keinen Unfall mich beweinen!
Ach, mich ängstigt der Gedanke, daß abermals ein Tag vergangen ist, der sich hingestellt hat vor Deinen Richterstuhl, Allheiliger, und mein Ankläger ist, weil ich nicht rein geblieben bin von Sünde. Vergieb mir meine Schuld, bevor ich mich schlafen lege und laß mich einschlafen mit dem Bewußtsein: Du bist ein Vater, in Christo Jesu mein versöhnter Vater!
Streiche meiner Sünden Fluch,
Herr, aus Deinem Richterbuch!
Laß niemals das Wort Christi an mir wahr werden, das Er zu den Pharisäern sprach: „Ihr werdet mich suchen, und nicht finden, und wo ich bin, da könnet ihr nicht hinkommen“, sondern hilf mir, daß ich allezeit fest an Ihn glaube und von meinem Leibe Ströme des lebendigen Wassers fließen.
Gott sei mir Sünder gnädig! Mit diesem Seufzer werfe ich mich in die Arme des Schlafes, zuvor aber an Dein Vaterherz, mein Erbarmer! Die Nacht ist dunkel; aber Du bist mein Licht. Der Schlaf ist ein Bruder des Todes; aber Du bist der Vater des Lebens. Wie hülflos liege ich da, wenn ich schlafe!
Das Auge sieht nicht, und das Ohr hört nicht, und in Bewußtlosigkeit ist versunken die unsterbliche Seele, gefangen und umstrickt von den Banden der Sinne. Geheimnißvoll schlägt fort das Herz in meiner Brust, aber ich fühle die Pulse nicht klopfen. Ich liege unter dem Bettuche, und mit geschlossenen Augen im Bett, wie einst im Sarge. Dir, mein Gott und Vater, befehle ich meine unsterbliche Seele! Die Seele in Gott, und Gott in der Seele! Wer so schläft, der schläft wohl! Amen. (Friedrich Arndt)
8:1 JEsus aber ging an den Ölberg.
8:2 Und frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm. Und er setzte sich und lehrete sie.
8:3 Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten ein Weib zu ihm, im Ehebruch begriffen, und stelleten sie in die Mitte
8:4 und sprachen zu ihm: Meister, dies Weib ist begriffen auf frischer Tat im Ehebruch.
8:5 Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche zu steinigen; was sagst du?
8:6 Das sprachen sie aber, ihn zu versuchen, auf daß sie eine Sache wider ihn hätten. Aber JEsus bückete sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde.
8:7 Als sie nun anhielten, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.
8:8 Und bückete sich wieder nieder und schrieb auf die Erde.
8:9 Da sie aber das höreten, gingen sie hinaus, von ihrem Gewissen überzeugt, einer nach dem andern, von den Ältesten an bis zu den Geringsten. Und JEsus ward gelassen allein und das Weib in der Mitte stehend.
8:10 JEsus aber richtete sich auf; und da er niemand sah denn das Weib, sprach er zu ihr: Weib, wo sind sie, deine Verkläger? Hat dich niemand verdammt?
8:11 Sie aber sprach: HErr, niemand. JEsus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht; gehe hin und sündige hinfort nicht mehr!
Hieran können wir merken, worauf die Gnade Christi hinaus will: der mit Gott versöhnte Sünder soll durch ein frommes, heiliges Leben hinfort den, der ihn gerettet hat, ehren. Eben dasselbe Wort, das uns die Verzeihung anbietet, ruft uns zugleich zur Buße. Diese Aufforderung deutet vor allem auf die Zukunft, zugleich aber demütigt sie den Sünder im Blick auf sein früheres Leben. (Jean Calvin)
8:12 Da redete JEsus abermal zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolget, der wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.
8:13 Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du zeugest von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr.
8:14 JEsus antwortete und sprach zu ihnen: So ich von mir selbst zeugen würde, so ist mein Zeugnis wahr; denn ich weiß, von wannen ich kommen bin und wo ich hingehe; ihr aber wisset nicht, von wannen ich komme und wo ich hingehe.
8:15 Ihr richtet nach dem Fleisch; ich richte niemand.
8:16 So ich aber richte, so ist mein Gericht recht; denn ich bin nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat.
8:17 Auch stehet in eurem Gesetze geschrieben, daß zweier Menschen Zeugnis wahr sei.
8:18 Ich bin's, der ich von mir selbst zeuge; und der Vater, der mich gesandt hat, zeuget auch von mir.
8:19 Da sprachen sie zu ihm: Wo ist dein Vater? JEsus antwortete: Ihr kennet weder mich noch meinen Vater; wenn ihr mich kennetet, so kennetet ihr auch meinen Vater.
8:20 Diese Worte redete JEsus an dem Gotteskasten, da er lehrete im Tempel; und niemand griff ihn; denn seine Stunde war noch nicht kommen.
8:21 Da sprach JEsus abermal zu ihnen: Ich gehe hinweg, und ihr werdet mich suchen und in eurer Sünde sterben; wo ich hingehe, da könnet ihr nicht hinkommen.
8:22 Da sprachen die Juden: Will er sich denn selbst töten, daß er spricht: Wo ich hingehe, da könnet ihr nicht hinkommen?
8:23 Und er sprach zu ihnen: Ihr seid von unten her, ich bin von oben herab; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt.
8:24 So hab' ich euch gesagt, daß ihr sterben werdet in euren Sünden; denn so ihr nicht glaubet, daß ich es sei, so werdet ihr sterben in euren Sünden.
8:25 Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du denn? Und JEsus sprach zu ihnen: Erstlich der, der ich mit euch rede.
8:26 Ich habe viel von euch zu reden und zu richten; aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehöret habe, das rede ich vor der Welt.
8:27 Sie vernahmen aber nicht, daß er ihnen von dem Vater sagete.
8:28 Da sprach JEsus zu ihnen: Wenn ihr des Menschen Sohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, daß ich es sei und nichts von nur selber tue, sondern wie mich mein Vater gelehret hat, so rede ich.
8:29 Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Der Vater läßt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt.
Und nichts von mir selber tue: Jesus unterfängt sich also nichts zu tun ohne besonderen Auftrag des Vaters. Um das mit einem Beispiel zu belegen, sagt er, er rede nur, was ihn der Vater gelehrt habe. Es sei zu dieser Stelle an das erinnert, was ich schon mehrfach hervorheben musste: wenn Jesus all das Göttliche, das er besitzt, nicht sein eigen nennt, so lässt er sich damit zu der Fassungskraft seiner Hörer herab. Er will damit nur darauf den Finger legen: Haltet meine Worte nicht für Menschenworte; es sind Worte Gottes!
Wohl zu beachten ist hier der Grund, auf welchen Jesus die Tatsache stützt, dass Gott ihm zur Seite steht und ihm seine Hilfe allezeit zuteil werden lässt: denn ich tue allezeit, was ihm gefällt. „Allezeit“, das besagt, dass er nicht bloß bis zu einem gewissen Grade und Maße Gott gehorsam ist, sondern, dass er völlig und ausnahmslos sich dem Gehorsam gegen ihn geweiht hat. Wünschen wir die nämliche Gegenwart Gottes zu erfahren, so haben wir nur unser ganzes Sinnen und Denken auf seine Befehle zu richten. Wollen wir uns nur teilweise auf seinen königlichen Willen einlassen, so wird der Segen Gottes ausbleiben, und alle unsere Bemühungen sind für nichts; und scheint es auch eine Zeit lang, als lächle uns günstiger Erfolg, so wird der Ausgang doch unglücklicher Art sein. Wenn Jesus sagt: der Vater lässt mich nicht allein, so erhebt er damit Klage über die Treulosigkeit seines Volkes, in dem er fast niemanden fand, der ihm die Hand reichte.
Auch zeigt er damit, dass es ihm genug und übergenug ist, wenn er Gott auf seiner Seite hat. Nun, so dürfen auch wir guten Mutes sein: Wir sind nicht allein, und wären wir noch so wenige! Wer dagegen Gott nicht auf seiner Seite hat, der wird vergeblich mit ganzen Menschenmassen prahlen, die zu ihm halten. (Jean Calvin)
8:30 Da er solches redete, glaubten viele an ihn.
Ein furchtbares, drohendes Wort ist das Wort: “Wo ich hingehe, da könnet ihr nicht hinkommen!“ In der That, die können es auch nicht, die von unten her sind, von dieser Welt; denn Er ist nicht von dieser Welt, sondern von oben her, und dieser Unterschied des Ursprungs wie des Wesens, der allerdings eine Zeitlang äußerlich verschwinden kann, - wie ja der Heiland, als Er jene Worte sprach, sich in Gestalt, Geberde und Gewand nicht von den Andern unterschied – ist so durchgreifend, daß er jedenfalls am Ende in seiner ganzen Schärfe offenbar werden muß. Wo die Wege so durchaus andere, ja entgegengesetzte sind, wie die Wege Christi und die Wege der Welt, wie könnten sie zum gleichen Ziele führen? Die Kinder der Welt können mit ihrem ganzen irdischen Sinn und Treiben nicht in den Himmel kommen, wenn sie auch wollten; aber sie wollen auch nicht. Zwar sagt Christus: „ihr werdet mich suchen,“ aber Er setzt hinzu: „und in eurer Sünde sterben.“ So giebt es also ein Suchen, das mit keinem Finden belohnt wird; ein Fragen nach dem Herrn, dem der Herr nicht antwortet. So begehren die thörichten Jungfrauen auch noch Einlaß, aber die Thür ist und bleibt verschlossen. So sucht der reiche Mann in der Qual der Hölle auch nach Hülfe, aber die Kluft zwischen ihm und Abraham ist und bleibt befestigt. Es giebt ein falsches Suchen, hinter welchem sich immer noch ein Herz verbirgt, das Ihn nicht sucht, das Ihm fremd und ferne ist. Dieses Suchen ist ein blos durch die äußere Noth oder die Angst des Todes erzeugtes, kein lebendiges Suchen nach Frieden und Versöhnung mit Gott, und darum ein fruchtloses. Herr, bewahre mich vor diesem falschen Suchen, damit ich nicht auch einmal, unversöhnt, in meiner Sünde sterbe, und laß mich Dich allezeit aufrichtig suchen, in bußfertiger Demuth, in verlangendem Glauben, damit Du allein mein Leben seist und Sterben einst mein Gewinn werde, die völlige Liebe zu Dir alle Furcht austreibe und mich nichts scheiden könne von Dir und Deinem Reiche. Amen. (Friedrich Arndt)
8:31 Da sprach nun JEsus zu den Juden, die an ihn glaubten: So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger
8:32 und werdet die Wahrheit erkennen; und die Wahrheit wird euch freimachen.
8:33 Da antworteten sie ihm: Wir sind Abrahams Samen, sind nie keinmal jemands Knechte gewesen; wie sprichst du denn: Ihr sollt frei werden?
8:34 JEsus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer Sünde tut der ist der Sünde Knecht.
Wenn man sich mit der Sünde einläßt, ist’s, wie wenn man in eine Falle ginge, aus welcher man Mühe hat, wieder herauszukommen. Es giebt Menschen, die immer an der Sünde, wie an einer Lockspeise, herumschleichen. Es geht ihnen wie dem Mäuschen. Dem schnappt’s bei der geringsten Berührung, und es ist entweder tot oder gefangen. Die Sünde kann auch den Tod bringen, - ach! wie oft geschieht das! Wenn nicht so plötzlich, so wird doch, wer Sünde tut, der Sünde Knecht. Er ist gefangen, und kommt aus seiner Sünde kaum wieder heraus, daß er sie nicht immer und immer nieder tut, oft auch mit Seufzen. Da muß Gottes Erbarmen wieder heraushelfen.
Der Heiland redet aus einer Zeit, wo bei den Menschen alles noch natürlich lief, und keiner sich eigentlich loswinden konnte. Erst durch Ihn, den HErrn JEsum, ist die Möglichkeit geworden, aus den Klauen der Sünde wieder herauszukommen. Wem aber Seine Hilfe nicht wird, der macht, wenn er angefangen hat zu sündigen, fort und kann sich nicht bezwingen, bis er gar verderbt und ruiniert ist. Darum, weil alle Menschen gesündigt und immer gesündigt haben, waren sie alle Knechte der Sünde, daß sie von dieser nicht mehr lassen konnten. Es war für sie eine Unmöglichkeit, von ihr loszukommen. Eben wider diese traurige Gefangenschaft zu kämpfen, ist unser HErr und Heiland gekommen. Er kann sagen : „Wen der Sohn frei macht, der ist recht frei.“ Du darfst nur Ihn hören, Buße tun und glauben, so kann Er helfen durch Seines heiligen Geistes Kraft.
Wer aber freilich sich wieder gefangen nehmen läßt, an dem hat häufig das Wort Christi seine Kraft verloren; und es kann mit ihm das Letzte ärger werden als Erste. Doch ist der Heiland immer wieder bereit zu helfen; nur muß die Buße ernstlich und aufrichtig sein, und darf nicht neben der Buße, wie es auch vorkommt, ein Buhlen mit der Sünde da sein. Ach! nur die Sünde meiden, das, wovon der HErr gesagt hat: „Du sollst es nicht tun!“ O der Toren, die es so leicht mit der Sünde nehmen, und sich vom Teufel gerne vorsagen lassen: „Einmal ist keinmal,“ oder: „Einmal schadet nicht,“ während schon Eine Übertretung in die „Knechtschaft führt. Der HErr wolle uns vergeben, wo wir uns noch Sünder fühlen, und Seine Hand nach uns ausstrecken, um aus den greulichen Banden uns herauszureißen, welche etwa noch uns umschlungen halten. (Christoph Blumhardt)
8:35 Der Knecht aber bleibet nicht ewiglich im Hause; der Sohn bleibet ewiglich.
8:36 So euch nun der Sohn freimacht, so seid ihr recht frei.
8:37 Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Samen seid; aber ihr suchet mich zu töten; denn meine Rede fänget nicht unter euch.
8:38 Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; so tut ihr, was ihr von eurem Vater gesehen habt.
8:39 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht JEsus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so tätet ihr Abrahams Werke.
8:40 Nun aber suchet ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von GOtt gehöret habe; das hat Abraham nicht getan.
8:41 Ihr tut eures Vaters Werke. Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben einen Vater, GOtt.
8:42 JEsus sprach zu ihnen: Wäre GOtt euer Vater, so liebetet ihr mich; denn ich bin ausgegangen und komme von GOtt; denn ich bin nicht von mir selber kommen, sondern er hat mich gesandt.
8:43 Warum kennet ihr denn meine Sprache nicht? denn ihr könnt ja mein Wort nicht hören.
8:44 Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Lust wollt ihr tun. Derselbige ist ein Mörder von Anfang und ist nicht bestanden in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lügen redet, so redet er von seinem Eigenen; denn er ist ein Lügner und ein Vater derselbigen.
8:45 Ich aber, weil ich die Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht.
8:46 Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht?
8:47 Wer von GOtt ist, der höret GOttes Wort. Darum höret ihr nicht; denn ihr seid nicht von GOtt.
8:48 Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und hast den Teufel.
8:49 JEsus antwortete: Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich.
8:50 Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie suchet und richtet.
8:51 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich.
8:52 Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sprichst: So jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich.
8:53 Bist du mehr denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist? Und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst?
8:54 JEsus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, von welchem ihr sprecht, er sei euer GOtt,
8:55 und kennet ihn nicht. Ich aber kenne ihn. Und so ich würde sagen, ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seid. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort.
8:56 Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sah ihn und freuete sich.
8:57 Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen?
8:58 JEsus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin ich.
8:59 Da huben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber JEsus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hinstreichend.
Welche Mühe giebt sich in diesen Worten der Herr, die Juden ihres Irrthums zu überführen! Wie läßt Er sich herab, die Sehnsucht nach dem wahren Leben bei ihnen zu wecken! Wie langmüthig und geduldig versucht Er immer von neuem, ihren Sinn für dasselbe aufzuschließen! Doch es scheitert all’ sein Wohlmeinen und seine Sorgsamkeit an der Verkehrtheit der Hörer. Sie wollen die Wahrheit nicht, sondern Bestätigung für ihre Ansichten, und sind im voraus darüber entschieden, was sie zu glauben haben. Wo sie prüfen sollten, da sind sie absprechend und voll Hohn. So sehr empören sie sich gegen des Herrn Wort, daß sie wutherhitzt Steine aufraffen, Ihm den Tod zu geben. – Noch sollten sie nicht triumphiren, noch entzog sich Jesus ihren Händen. Ihr späteres Triumphgeschrei aber war ihre Schmach und wurde Angstgeschrei zu der Zeit des Elends, die Jesus als Folge davon, daß sie Ihn verworfen, vorhergesagt hatte. Da mochten viele enttäuscht werden, die auf ihren Unglauben so sicher getrotzt hatten. Denn es ist eine große Selbsttäuschung, wenn der Mensch nicht an Jesum glaubt. Schon deshalb, weil er, wie die Pharisäer, durch seinen Unglauben seine Ehre sucht und gerade dadurch sich verunehrt; weil er ferner, wie sie, diesen Glauben Aberglauben, Samariterglauben, Schwärmerei eines Besessenen schilt, und dadurch sich selbst dem schnödesten Aberglauben immer mehr Preis giebt: denn vom Unglauben zum Aberglauben ist nur ein Schritt, und Einem muß der Mensch vertrauen: ist es die Wahrheit nicht, so ist es die Lüge, das Sinnliche und Zeitliche, die Naturanbetung, der Götzendienst mit eigenem Verdienst, die Gespensterfurcht, vor allem der eisigste und teuflischste Aberglaube, der Aberglaube an sich selbst. Endlich täuscht sich der Unglaube auch darin, daß er den Glauben an Christum mit einem freien Lebensgenusse unverträglich hält, und gerade dadurch des wahren Lebens sich beraubt und dem ewigen Tode verfällt. Herr, gieb uns Glauben, so haben wir Alles, was wir bedürfen. Bewahre uns vor Sorgen und Lüsten, d.h. vor Weltsinn, zu welchen beiden bösen Dingen es so viel Versuchung giebt durch die Noth und durch die lockenden Zerstreuungen auch in dieser Zeit; denn beide vertreiben das höhere Sinnen und die Glaubensfähigkeit, und machen, daß es mit unserm Glaubensleben nicht vorwärts geht. Amen. (Friedrich Arndt)
9:1 Und JEsus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war.
9:2 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündiget, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren?
9:3 JEsus antwortete: Es hat weder dieser gesündiget noch seine Eltern, sondern daß die Werke GOttes offenbar würden an ihm.
9:4 Ich muß Wirken die Werke des, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.
9:5 Dieweil ich bin in der Welt, bin ich das Licht der Welt.
Es ist in aller menschlicher / kleiner und grosser / Regierung/ allzeit so viel beschwerung / hindernis/ widerstand/ fahr und not/ Sonderlich aber in den sachen/ so da belangen Gottes wort/ und erbawung seines Reichs/ das darob alle menschliche Weisheit/ mübe und uberdrossen wird/ Ja zu letzt gar verzagend/ gedenckt alles fallen und ligen zu lassen/ und fur aller Regierung sich schewet und fleuhet. Denn es koste zu viel fahr und mühe / und gehe doch nicht wie es sol/ sey alles verloren bey der Welt etc.
WIder solch ergernis und anfechtung der weisen/ auch fromer und trewer Leute/ gibt uns alhie Christus / an seinem eigen Furbilde/ diese Lere und tröstung.
Unangesehen alle hindernis / fahr/ undanck etc. mus ich dennoch wircken / das/ da zu mich mein vater gesand hat. Denn es ist ja nicht mein eigen thun und furnemen/ Sondern sein befehl und werck. Diesen befehl sol Ich trewliich ausrichten/ und nicht weiter sorgen / Er wird wol da zu gedencken / wie er es hinaus füre / und bey seinem Werck sey/ das es etwas guts schaffe/ und nicht vergeblich sey.
Darumb thue und helffe ein jeder trewlich / fürnemlich zu dem (wie uns allen befohlen) was da dienet zu förderung uns ausbreitung göttlichs Worts/ und lasse sich daran nichts hindern noch abschrecken.
Und sihe ja / das du der zeit brauchest/ weil du sie hast. Denn weil Christus da ist / so ist und bleibet auch tag und liecht/ heil und seligkeit. Aber wo er auch mit seinem Wort hin weg kompt / da ist kein heil noch trost mehr / und alles thun und wircken verloren.
Solche Nacht wird nach diesem seligen Tage / wider uber die Welt komen / und die/ so das Liecht verseumet haben / ubereilen etc. (Caspar Cruciger)
9:6 Da er solches gesagt, spützete er auf die Erde und machte einen Kot aus dem Speichel und schmierete den Kot auf des Blinden Augen
9:7 und sprach zu ihm: Gehe hin zu dem Teich Siloah (das ist verdolmetschet: gesandt) und wasche dich. Da ging er hin und wusch sich und kam sehend.
9:8 Die Nachbarn, und die ihn zuvor gesehen hatten, daß er ein Bettler war, sprachen: Ist dieser nicht, der da saß und bettelte?
9:9 Etliche sprachen: Er ist's; etliche aber: Er ist ihm ähnlich. Er selbst aber sprach: Ich bin's.
9:10 Da sprachen sie zu ihm: Wie sind deine Augen aufgetan?
9:11 Er antwortete und sprach: Der Mensch, der JEsus heißet, machte einen Kot und schmierete meine Augen und sprach: Gehe hin zu dem Teich Siloah und wasche dich. Ich ging hin und wusch mich und ward sehend.
9:12 Da sprachen sie zu ihm: Wo ist derselbige? Er sprach: Ich weiß nicht.
9:13 Da führeten sie ihn zu den Pharisäern, der weiland blind war.
9:14 (Es war aber Sabbat, da JEsus den Kot machte und seine Augen öffnete.)
9:15 Da fragten sie ihn abermal, auch die Pharisäer, wie er wäre sehend worden. Er aber sprach zu ihnen: Kot legte er mir auf die Augen, und ich wusch mich und bin nun sehend.
9:16 Da sprachen etliche der Pharisäer: Der Mensch ist nicht von GOtt, dieweil er den Sabbat nicht hält. Die andern aber sprachen: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? Und es ward eine Zwietracht unter ihnen.
9:17 Sie sprachen wieder zu dem Blinden: Was sagest du von ihm, daß er hat deine Augen aufgetan? Er aber sprach: Er ist ein Prophet.
9:18 Die Juden glaubten nicht von ihm, daß er blind gewesen und sehend worden wäre, bis daß sie riefen die Eltern des, der sehend war worden,
9:19 fragten sie und sprachen: Ist das euer Sohn, von welchem ihr saget, er sei blind geboren? Wie ist er denn nun sehend?
9:20 Seine Eltern antworteten ihnen und sprachen: Wir wissen, daß dieser unser Sohn ist, und daß er blind geboren ist.
9:21 Wie er aber nun sehend ist, wissen wir nicht; oder wer ihm hat seine Augen aufgetan, wissen wir auch nicht. Er ist alt genug, fraget ihn; lasset ihn selbst für sich reden.
9:22 Solches sagten seine Eltern; denn sie fürchteten sich vor den Juden. Denn die Juden hatten sich schon vereiniget, so jemand ihn für Christum bekennete, daß derselbe in Bann getan würde.
9:23 Darum sprachen seine Eltern: Er ist alt genug, fraget ihn.
9:24 Da riefen sie zum andernmal den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: Gib GOtt die Ehre! Wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist.
9:25 Er antwortete und sprach: Ist er ein Sünder, das weiß ich nicht; eines weiß ich wohl, daß ich blind war und bin nun sehend.
9:26 Da sprachen sie wieder zu ihm: Was tat er dir? Wie tat er deine Augen auf?
9:27 Er antwortete ihnen: Ich hab's euch jetzt gesagt; habt ihr's nicht gehöret? Was wollt ihr's abermal hören? Wollt ihr auch seine Jünger werden?
9:28 Da fluchten sie ihm und sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind Mose's Jünger.
9:29 Wir wissen, daß GOtt mit Mose geredet hat; diesen aber wissen wir nicht, von wannen er ist.
9:30 Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Das ist ein wunderlich Ding, daß ihr nicht wisset, von wannen er sei; und er hat meine Augen aufgetan!
9:31 Wir wissen aber, daß GOtt die Sünder nicht höret, sondern so jemand gottesfürchtig ist und tut seinen Willen, den höret er.
9:32 Von der Welt an ist's nicht erhöret, daß jemand einem gebornen Blinden die Augen aufgetan habe.
9:33 Wäre dieser nicht von GOtt, er könnte nichts tun.
9:34 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren und lehrest uns? Und stießen ihn hinaus.
9:35 Es kam vor JEsum, daß sie ihn ausgestoßen hatten. Und da er ihn fand, sprach er zu ihm: Glaubest du an den Sohn GOttes?
9:36 Er antwortete und sprach: HErr, welcher ist's, auf daß ich an ihn glaube?
9:37 JEsus sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist's.
9:38 Er aber sprach: HErr, ich glaube; und betete ihn an.
9:39 Und JEsus sprach: Ich bin zum Gerichte auf diese Welt kommen, auf daß, die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden.
9:40 Und solches höreten etliche der Pharisäer, die bei ihm waren, und sprachen zu ihm: Sind wir denn auch blind?
9:41 JEsus sprach zu ihnen: Wäret ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; nun ihr aber sprechet: Wir sind sehend, bleibet eure Sünde.
Gnädiger und barmherziger Gott, ich komme an diesem Tage vor Dein heiliges Angesicht mit Loben und Danken, daß Du mich die vergangenen sechs Tage so gnädiglich erhalten und die Arbeit meiner Hände so reichlich gesegnet hast. Du hast meinen Eingang und Ausgang bewahret, auf meinen Wegen mich behütet und mir an Leib und Seele viel Gutes erwiesen. Dafür lobe und preise ich Dich von Grund meines Herzens. Gehet nun weg, ihr irdischen Geschäfte; weichet von mir, ihr Sorgen; jetzt baue ich in meinem herzen Gott einen Tempel auf. Es soll ein Bethaus werden, darin ich meinem Gott allein dienen will. O der unaussprechlichen Liebe, welche den Menschen einen Ruhetag von aller ihrer Arbeit bestimmt hat! Diese Ruhe erinnert uns an die Ruhe im Paradiese, da wir ohne Noth und Mühe allezeit Gott zu dienen und zu loben wären beschäftigt gewesen. Diese Ruhe ist ein Bild der künftigen Himmelsruhe! denn es ist den Kindern Gottes noch eine vollkommene Ruhe vorhanden und verheißen, welche in dem ewigen Leben angehen wird; da werden sie von aller Arbeit, von Leiden, Schmerzen und Sünden befreit sein. Ach, gnädiger Gott, laß mich den bevorstehenden Sonntag in Deiner Furcht und in Deiner Gnade hinbringen. Gieb mir Deinen heiligen Geist, daß ich den ganzen Tag Dir aufopfere und zu Deinem Dienste anwende. Wecke mich früh auf zum Lob, zum Gebet und zum Gesang bei dem Gottesdienste. Erhalte mein Herz in steter Andacht, damit keine irdische Sorgen in dasselbe einschleichen. Wenn Dein Wort gepredigt wird, so öffne mir das Herz, daß ich darauf achten, solches in mein Herz fassen und als einen theuern Schatz darin bewahren möge, damit das gepredigte und gehörte Wort mich ändere, heilige, bekehre und zu einem neuen Menschen, wie den Blindgebornen, mache, auf daß ich, wie an Jahren, also an den inwendigen Menschen im Glauben und Frömmigkeit wachsen und eine neue Kreatur, ja, ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu werden möge. So laß mich einen Sabbath nach dem andern feiern, bis Du mich in die ewige Himmelsruhe zu dem ewigen Sabbath durch Jesum, meinen einigen Erlöser und Seligmacher, einführen wirst. Amen. (Friedrich Arndt)
10:1 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingehet in den Schafstall, sondern steiget anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder.
10:2 Der aber zur Tür hineingehet, der ist ein Hirte der Schafe.
10:3 Demselbigen tut der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führet sie aus.
10:4 Und wenn er seine Schafe hat ausgelassen, gehet er vor ihnen hin, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme.
10:5 Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen von ihm; denn sie kennen der Fremden Stimme nicht.
10:6 Diesen Spruch sagte JEsus zu ihnen; sie vernahmen aber nicht, was es war, das er zu ihnen sagte.
10:7 Da sprach JEsus wieder zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu, den Schafen.
10:8 Alle, die vor mir kommen sind, die sind Diebe und Mörder gewesen, aber die Schafe haben ihnen nicht gehorchet.
10:9 Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingehet, der wird selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden.
10:10 Ein Dieb kommt nicht, denn daß er stehle, würge und umbringe.
10:11 Ich bin kommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen.
10:12 Ich bin ein guter Hirte; ein guter Hirte lässet sein Leben für die Schafe. Ein Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, siehet den Wolf kommen und verlässet die Schafe und flieht; und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe.
10:13 Der Mietling aber flieht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe nicht.
10:14 Ich bin ein guter Hirte und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen,
10:15 wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.
10:16 Und ich habe andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle. Und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden.
10:17 Darum liebet mich mein Vater, daß ich mein Leben lasse, auf daß ich's wieder nehme.
10:18 Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe Macht es zu lassen und habe Macht es wiederzunehmen. Solch Gebot habe ich empfangen von meinem Vater.
10:19 Da ward aber eine Zwietracht unter den Juden über diesen Worten.
10:20 Viele unter ihnen sprachen: Er hat den Teufel und ist unsinnig; was höret ihr ihm zu?
10:21 Die andern sprachen: Das sind nicht Worte eines Besessenen; kann der Teufel auch der Blinden Augen auftun?
10:22 Es war aber Kirchweih zu Jerusalem und war Winter.
10:23 Und JEsus wandelte im Tempel, in der Halle Salomos.
10:24 Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du unsere Seelen auf? Bist du Christus, so sage es uns frei heraus!
10:25 JEsus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubet nicht. Die Werke, die ich tue in meines Vaters Namen, die zeugen von mir.
10:26 Aber ihr glaubet nicht; denn ihr seid von meinen Schafen nicht, wie ich euch gesagt habe.
10:27 Denn meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir.
HIe hörestu/ wo und welche die Schaffe Christi/ das ist / Gottes volck und die heilige Christliche Kirche/ sind.
Wo man die stimme Christi höret/ das ist/ das liebe Euangelium von Christo prediget/ Das er der gute Hirte sey/ der sein Leben fur seine Schaffe gelassen hat/ da ist gewislich Gottes kirche. Und alle so das Euangleium hören/ und mit glauben annemen/ sind gliiedmas Christi und der rechten Kirchen.
Die selbigen kennet der gute Hirte / Christus/ und erhöret sie nicht allein (wenn sie in jren nöten zu jm schreien) sondern versichert sie auch des ewigen Lebens/ und sagt/ Sie sollen nimermehr umbkomen/ noch sie jemand aus seinen henden reissen.
DA gegen können die Kirche nicht sein / so das Euangelium Christi lestern und verdamnen/ und seine Lerer und Bekenner/ als Ketzer/ verfolgen und tödten. Und ob sie gleich namen und Titel der Kirchen haben/ und sich der selben herrlich wissen zu rhümen/ So beweisen sie doch mit der that/ das sie die ergsten Feinde Christi und seiner Kirchen sind.
Auch sind unter dem Hauffen/ da das Euangelium rein geprediget und angenomen wird / viel stinckender Böcke/ das ist / Heuchler/ welche uns unbekand sind / weil sie mit uns das Euangelium bekennen/ und der Sacrament Christi brauchen/ und doch das Wort mit ernst nicht meinen / sondern jrem Mammon dienen/ Die kennet Christus auch nicht fur seine schaffe. Sind derhalb nicht seiner Kirchen/ sondern des Satans hauffe/ gliedmas. (Johannes Bugenhagen)
10:28 Und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen.
10:29 Der Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer denn alles; und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen.
10:30 Ich und der Vater sind eins.
10:31 Da huben die Juden abermal Steine auf, daß sie ihn steinigten.
10:32 JEsus antwortete ihnen: Viel gute Werke habe ich euch erzeiget von meinem Vater; um welches Werk unter denselbigen steiniget ihr mich?
10:33 Die Juden antworteten ihm und sprachen: Um des guten Werks willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen, und daß du ein Mensch bist und machest dich selbst zu einem GOtt.
10:34 JEsus antwortete ihnen: Stehet nicht geschrieben in eurem Gesetz: Ich habe gesagt, ihr seid Götter?
10:35 So er die Götter nennet, zu welchen das Wort GOttes geschah (und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden),
10:36 sprecht ihr denn zu dem, den der Vater geheiliget und in die Welt gesandt hat: Du lästerst GOtt, darum daß ich sage, ich bin GOttes Sohn?
10:37 Tue ich nicht die Werke meines Vaters, so glaubet mir nicht.
10:38 Tue ich sie aber, glaubet doch den Werken, wollt ihr mir nicht glauben, auf daß ihr erkennet und glaubet, daß der Vater in mir ist und ich in ihm.
10:39 Sie suchten abermal, ihn zu greifen; aber er entging ihnen aus ihren Händen
10:40 und zog hin wieder jenseit des Jordans an den Ort, da Johannes vorhin getauft hatte, und blieb allda.
10:41 Und viele kamen zu ihm und sprachen: Johannes tat kein Zeichen; aber alles, was Johannes von diesem gesagt hat, das ist wahr.
10:42 Und glaubten allda viele an ihn.
Ich habe heute wiederum Dein Wort im Heiligthum gehört, und jetzt eben eine köstliche Rede Deines Mundes über Dich selbst und Dein Verhältniß zu mir gelesen. Es ist der Sonntag des Worts und seiner Aufnahme oder Verwerfung. Wie werde ich Dir würdig danken, Herr, mein Gott, für Dein heiliges Wort? – Ich habe Dein Wort lieb; denn es hat mich gelehret, Dich lieben, Herr Jesu, als den guten Hirten meiner Seele. Dein Wort ist stärker als die Welt. Es schützt mich, wenn sie droht; es warnt mich, wenn sie lockt; es heilt mich, wenn sie mich verwundet. Dein Wort ist stärker als der Tod. Es erweckt aus den Gräbern die Leichname und macht sie lebendig, daß sie aufstehen und gehen und wandeln im Lande der Lebendigen. Dein Wort ist stärker als die Hölle. Es zerschmettert ihren arm und nimmt ihr ihren Raub und entfesselt ihre Gefangenen. Dein Wort ist der Lebensodem meiner Seele. Dein Wort ist das Brod, das mich nährt, und der Wein, der mich erquickt. Dein Wort ist mein Licht am Tage, und meine Leuchte in der Nacht. Dein Wort ist mein Freudenspiel, wenn ich fröhlich einhergehe; mein Trost, wenn mich Trübsale umringen; mein Stab in der Hand, wenn meine Füße gleiten. Dein Wort ist meine Freistatt in den Nöthen; meine Wehr im Streite, damit ich kämpfe und siege; meine Arznei, wenn ich krank daniederliege; mein Schatten, wenn ich schmachte nach Kühlung; meine Quelle, wenn ich Durst leide in der Wüste. Jede neue Geschichte ist eine neue Belebung meines Glaubens, daß Du Deinen Schafen das ewige Leben giebst und sie nimmermehr umkommen, Niemand sie Dir aus Deiner Hand reißen soll. Dein Wort ist das Siegel des Bundes zwischen meiner Seele und Dir; meine Vollmacht, wenn ich bete vor Dir; mein Wegweiser auf dem Wege zum Himmelreich; mein Schlüssel zur engen Pforte in’s Heiligthum. Dein Wort ist mein Gedanke, wenn ich denke; mein Wort, wenn ich rede; mein Lehrer, wenn ich lerne; mein Traum, wenn ich träume. Dein Wort soll in meinem Munde sein, wenn meine Adern starren und meine Augen sich schließen. Dein Wort soll mein Herz Dir vorhalten, wenn ich erwachen werde nach Deinem Bilde. Amen. (Friedrich Arndt)
11:1 Es lag aber einer krank mit Namen Lazarus von Bethanien, in dem Flecken Marias und ihrer Schwester Martha.
11:2 (Maria aber war, die den HErrn gesalbet hatte mit Salben und seine Füße getrocknet mit ihrem Haar; derselbigen Bruder Lazarus war krank.)
11:3 Da sandten seine Schwestern zu ihm und ließen ihm sagen: HErr, siehe, den du liebhast, der liegt krank.
11:4 Da JEsus das hörete, sprach er: Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre GOttes, daß der Sohn GOttes dadurch geehret werde.
11:5 JEsus aber hatte Martha lieb und ihre Schwester und Lazarus.
11:6 Als er nun hörete, daß er krank war, blieb er zwei Tage an dem Ort, da er war.
11:7 Danach spricht er zu seinen Jüngern: Lasset uns wieder nach Judäa ziehen!
11:8 Seine Jünger sprachen zu ihm: Meister, jenesmal wollten die Juden dich steinigen, und du willst wieder dahin ziehen?
11:9 JEsus antwortete: Sind nicht des Tages zwölf Stunden? Wer des Tages wandelt, der stößet sich nicht, denn er siehet das Licht dieser Welt.
11:10 Wer aber des Nachts wandelt, der stößet sich, denn es ist kein Licht in ihm.
11:11 Solches sagte er, und danach spricht er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, daß ich ihn aufwecke.
11:12 Da sprachen seine Jünger: HErr, schläft er, so wird's besser mit ihm.
11:13 JEsus aber sagte von seinem Tode; sie meineten aber, er redete vom leiblichen Schlaf.
11:14 Da sagte es ihnen JEsus frei heraus: Lazarus ist gestorben.
11:15 Und ich bin froh um euretwillen, daß ich nicht dagewesen bin, auf daß ihr glaubet. Aber lasset uns zu ihm ziehen!
11:16 Da sprach Thomas, der da genannt ist Zwilling, zu den Jüngern: Lasset uns mit ziehen, daß wir mit ihm sterben!
11:17 Da kam JEsus und fand ihn, daß er schon vier Tage im Grabe gelegen war.
11:18 (Bethanien aber war nahe bei Jerusalem, bei fünfzehn Feldweges.)
11:19 Und viel Juden waren, zu Martha und Maria kommen, sie zu trösten über ihren Bruder.
11:20 Als Martha nun hörete, daß JEsus kommt, gehet sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen.
11:21 Da sprach Martha zu JEsu: HErr, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben;
11:22 aber ich weiß auch noch, daß, was du bittest von GOtt, das wird dir GOtt geben.
11:23 JEsus spricht zu ihr: Dein Bruder soll auferstehen.
11:24 Martha spricht zu ihm: Ich weiß wohl, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am Jüngsten Tage.
11:25 JEsus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe;
11:26 und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubest du das?
11:27 Sie spricht zu ihm: HErr, ja, ich glaube, daß du bist Christus, der Sohn GOttes, der in die Welt kommen ist.
11:28 Und da sie das gesagt hatte, ging sie hin und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach: Der Meister ist da und rufet dich.
11:29 Dieselbige, als sie das hörete, stund sie eilend auf und kam zu ihm.
11:30 Denn JEsus war noch nicht in den Flecken kommen, sondern war noch an dem Ort, da ihm Martha war entgegenkommen.
11:31 Die Juden, die bei ihr im Hause waren und trösteten sie, da sie sahen Maria, daß sie eilend aufstund und hinausging, folgten sie ihr nach und sprachen: Sie gehet hin zum Grabe, daß sie daselbst weine.
11:32 Als nun Maria kam, da JEsus war, und sah ihn, fiel sie zu seinen Füßen und sprach zu ihm: HErr, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.
11:33 Als JEsus sie sah weinen und die Juden auch weinen, die mit ihr kamen, ergrimmete er im Geist und betrübte sich selbst
11:34 und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sprachen zu ihm: HErr, komm und sieh es!
11:35 Und JEsu gingen die Augen über.
11:36 Da sprachen die Juden: Siehe, wie hat er ihn so liebgehabt!
Auch an dich ergehen die zwei wichtigen Fragen: wer bist du? wer ist Christus? sei es, daß Menschen oder der Teufel oder Gott selber dich fragt. Was willst du antworten? Entweder bist du ohne Christus, dann ist dein Zustand der Zustand ohne Gnade, außerhalb des Gnadenstandes, der Zustand eines todten und verlornen Menschen, der so lange bleibt, so lange du dich nicht zu Christo bekehrst und die drei Schritte der Abkehr von der Sünde, der Umkehr zu dem einzigen Heiland, und der Einkehr in seine versöhnende, vergebende und heilende Gnade nicht thust. Oder aber, du hast diese drei Schritte gethan und stehest durch Sinnesänderung und Glauben in einer persönlichen Herzensverbindung mit Christo, und bist durch die Wiedergeburt in Ihn eingepflanzt: wer bist du dann? Dann bist du Einer von denen, welche der Mund des Herrn also anredet: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben; wer in mir bleibet und ich in ihm, der bringet so viele Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts thun.“ Da ist dann ein fester Grund in dir gelegt, der da besteht und dieses Siegel hat: „Der Herr kennet die Seinen;“ und das andere: „Es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennet.“ Dieses Doppelsiegel ist das doppelte Kennzeichen, aber auch die doppelte Bestätigung, daß du fest in Christo gegründet bist. Es besteht darin: 1) daß dich der Herr durch den zueignenden Glauben als sein Eigenthum anerkennt und dir die Gewißheit schenkt, daß du sein bist und Er dein ist, 2) daß du aber auch von aller wissentlichen Ungerechtigkeit abtretest, welche Ungerechtigkeit in der Lehre Irrlehre heißt, im Wandel aber ein Irrweg ist. Daran erkenne dich als fest in Gott gegründet. Dann wirst du aber auch von dir immer demüthiger, von Christo immer höher denken und zeugen; du immer mehr Nichts, Er dir immer mehr Alles werden. O Herr Jesu, laß mich alle Selbsterhöhung fliehen und in Geduld warten, bis Du mich selbst, wenn es Dir gefällig ist, suchen, erhöhen und in Deine ewigen Hütten einführen wirst. Amen. (Friedrich Arndt)
11:37 Etliche aber unter ihnen sprachen: Konnte, der dem Blinden die Augen aufgetan hat, nicht verschaffen, daß auch dieser nicht stürbe?
11:38 JEsus aber ergrimmete abermal in sich selbst und kam zum Grabe. Es war aber eine Kluft und ein Stein darauf gelegt.
11:39 JEsus sprach: Hebet den Stein ab! Spricht zu ihm Martha, die Schwester des Verstorbenen: HErr, er stinkt schon; denn er ist vier Tage gelegen.
11:40 JEsus spricht zu ihr: Hab' ich dir nicht gesagt, so du glauben würdest, du solltest die Herrlichkeit GOttes sehen?
11:41 Da huben sie den Stein ab, da der Verstorbene lag. JEsus aber hub seine Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, daß du mich erhöret hast!
11:42 Doch ich weiß, daß du mich allezeit hörest, sondern um des Volks willen, das umherstehet, sage ich's, daß sie glauben, du habest mich gesandt.
11:43 Da er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!
11:44 Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Angesicht verhüllet mit einem Schweißtuch. JEsus spricht zu ihnen: Löset ihn auf und lasset ihn gehen!
Welch eine That! Nie ist ein ähnliches Wunder auf Erden verrichtet worden. Und welch ein Wort: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe, und wer da lebet im Glauben an mich, der wird nimmermehr sterben!“ Nie hat ein Mensch, so lange die Welt steht, ein so großes, außerordentliches Wort von sich gesagt. Nie hat Einer es von sich sagen können. Es hat freilich nicht an stolzen Menschen gefehlt, die manchmal ein großes Wort von sich gesagt haben, wie Nebucadnezar; aber die Strafe und Demüthigung für solche Erhebung ist niemals ausgeblieben. Der Demüthigste unter allen Menschen und der Heiligste, der konnte und durfte das große Wort aussprechen: Ich bin die Auferstehung und das Leben, und wurde, nachdem Er durch Leiden des Todes vollendet war, erhöhet über alle Namen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und ist Ihm gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden, und Er wird kommen, um einst zu richten die Lebendigen und die Todten. Je mehr man in seinen Worten sucht, desto mehr findet man darin. Jesus sagt nicht: Ich bin der Todtenerwecker und der Lebenbringer; auch nicht: Ich bin der Auferstehende und der Lebendige; sondern: Ich bin diejenige, einzige Person, auf deren Persönlichkeit alle Auferstehung allein beruht, ich bin die Ursach aller Auferstehung und die Quelle alles Lebens. Die Gotteskraft aber, wodurch der Mensch einen persönlichen Antheil an der Person und dem Geiste Jesu Christi erhält und sein Leben ganz erneuert wird, ist der Glaube an Ihn, d.h. die göttlich gewirkte und vom Menschen ergriffene Gewissheit, daß Jesus mit dem ganzen Verdienst seiner erlösenden Hingebung dem gläubigen und bußfertigen Menschenherzen zur ewigen Seligkeit aus Gnaden geschenkt ist. Wer den Sohn hat, der hat darum das Leben, und dieses Leben ist stärker als der natürliche Tod, es überdauert ihn ewiglich, und fällt dem ewigen Tode nicht anheim. Du fragst, lieber Herr: „glaubst du das?“ – Herr, ja, ich glaube! Amen. (Friedrich Arndt)
11:45 Viel nun der Juden, die zu Maria kommen waren und sahen, was JEsus tat, glaubten an ihn.
11:46 Etliche aber von ihnen gingen hin zu den Pharisäern und sagten ihnen, was JEsus getan hatte.
11:47 Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer einen Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viel Zeichen.
11:48 Lassen wir ihn also, so werden sie alle an ihn glauben. So kommen dann die Römer und nehmen uns Land und Leute.
11:49 Einer aber unter ihnen, Kaiphas, der desselben Jahres Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wisset nichts,
11:50 bedenket auch nichts; es ist uns besser, ein Mensch sterbe für das Volk, denn daß das ganze Volk verderbe.
11:51 Solches aber redete er nicht von sich selbst, sondern, dieweil er desselbigen Jahres Hoherpriester war, weissagte er. Denn JEsus sollte sterben für das Volk,
Auf diese Weise hat der leutselige Sohn Gottes seine fünf ersten Jünger an sich gezogen und gesammelt. Mit solchen fünf Erstlingen hat die Kirche Christi begonnen, die sich nun über fünf Welttheile verbreitet! – Nur einem Einzigen hat er ein Gebot gegeben, nämlich dem Philippus das Gebot: „folge mir nach,“ und wahrscheinlich klang es in dem sehnenden Herzen Philippi nicht wie ein Gebot, sondern wie eine freundliche Einladung und Erlaubniß, fast wie das freundliche Wort dem Johannes und Andreas geklungen haben mag: „Kommet und sehet!“ Petrus aber bekam die Verheißung: „Du sollst Fels heißen!“ und Nathanael: „Du wirst noch Größeres denn das sehen!“ Auch seine Bergpredigt fing Jesus mit acht Seligkeits-Verheißungen, und nicht mit einer Dornenkrone von 66 Pflichten an. Verheißungen wecken Glaubenskräfte und bannen die Muthlosigkeit, die Verdrossenheit und Trägheit. – Gemeiniglich machen zweierlei Worte den tiefsten Eindruck auf uns, und werden auch am besten von uns behalten, die Worte der Bewillkommnung und des Abschieds, die ersten und die letzten Worte aus dem Munde eines theuern Menschen. So ging es auch hier. In der göttlich reinen Seele unseres Erlösers war es nicht blos ein ungetrübtes Gefühl, sondern auch ein helles Sehen, ein deutliches Kennen, womit Er nicht nur wußte, wer ein Mensch war, sondern auch was er sein und werden sollte und würde. Er kannte und kennt noch immer seine Schafe mit Namen. Und die Jünger haben den Eindruck jener ersten Begegnung nie vergessen; noch nach mehr als 40 Jahren, wo Johannes sein Evangelium schrieb, wußte er genau diese ersten Worte und den Tag und die Stunde, wo sie gesprochen waren. – Dabei behandelte Jesus jeden einzelnen der fünf Jünger anders, je nach seinem besondern Herzen und Charakter. Und noch immer sind es die verschiedensten Weisen, Zeiten, Orte, Anlässe, wie Jesus sich seine Jünger erwählt und erweckt. Wie Jesus der Originellste und Eigenthümlichste, auch der Vielseitigste aller Menschen ist, so kann Er auch nur nach eines Jeglichen Eigenthümlichkeit gefunden werden. Das einzig Gemeinsame bei Allen sind aber die drei Wörtlein: „Komm und siehe!“ Sie begründen das persönliche Verhältniß zu Christo, ohne welches kein lebendiges Christenthum Statt finden mag. Herr, hier bin auch ich: laß mich Deine Herrlichkeit sehen: Amen. (Friedrich Arndt)
11:52 und nicht für das Volk allein, sondern daß er die Kinder GOttes, die zerstreuet waren, zusammenbrächte.
11:53 Von dem Tage an ratschlagten sie, wie sie ihn töteten.
11:54 JEsus aber wandelte nicht mehr frei unter den Juden, sondern ging von dannen in eine Gegend nahe bei der Wüste in eine Stadt, genannt Ephrem, und hatte sein Wesen daselbst mit seinen Jüngern.
11:55 Es war aber nahe das Ostern der Juden; und es gingen viele hinauf gen Jerusalem aus der Gegend vor Ostern daß sie sich reinigten.
11:56 Da stunden sie und fragten nach JEsu und redeten miteinander im Tempel: Was dünket euch, daß er nicht kommt auf das Fest?
11:57 Es hatten aber die Hohenpriester und Pharisäer lassen ein Gebot ausgehen, so jemand wüßte, wo er wäre, daß er's anzeigete, daß sie ihn griffen.
So rückte denn die entscheidende Zeit immer näher herbei. Alles vereinigte sich, sie vorzubereiten: der Hohepriester weissagte, und musste, obwohl zum Fluchen bereit, wie einst Bileam, an der Schwelle des neuen Bundes über das ächte Israel den Segen aussprechen, indem er die Weissagungen des Gesetzes und der Propheten vom Versöhnungstode des Lammes Gottes bestätigte; der hohe Rath ließ den Befehl ausgehen, daß diejenigen, die da wüssten, wo Jesus wäre, es anzeigen sollten, damit sie Ihn greifen könnten: - kam Jesus zu Ostern nach Jerusalem, es warum Ihn geschehen. Und Jesus kam frei und öffentlich. Er stand unter dem allmächtigen Schutze seines Vaters. Er war getrost und fürchtete sich nicht: was konnten Ihm Menschen thun? Sind wir nicht auch in der Nachfolge Jesu und unter seinen Schirmen vor der Wuth und dem Stürmen aller Feinde frei? Ist Gott für dich, was kann dir schaden, ob sich dir Alles widersetzt? Bist du bei deinem Gott in Gnaden, so bleibst du stets unverletzt. Wer Gott nur hat, hat immer Schutz, er bietet Welt und Teufel Trutz. – Jesus kam nach Jerusalem; denn nach des Vaters ewigem Rathschluß sollte Er sterben, und nach seiner eignen Liebe zu den Menschen wollte Er für sie sterben, zu ihrer Versöhnung und Beseligung. Unter den entfernten Heiden sahe sein allwissendes Auge bereits eine große Anzahl, die durch den Glauben an den Namen seines eingeborenen Sohnes seine Kinder werden sollten. Diese werden schon zum voraus Kinder Gottes hier genannt, so wie der Erlöser solche gleichfalls Joh. 10,16. schon zum voraus seine Schafe nannte, noch ehe sie herzugeführt waren. Sie sollten durch den Tod des Sohnes Gottes zu einer Heerde gesammelt werden, hier in der Zeit durch die Einigkeit ihres Glaubens, und dort in der Ewigkeit, wo sie die vollkommene Gemeinde der vollendeten Gerechten ausmachen werden. O meine Seele, preise deinen Erlöser, und verkündige seinen Tod, daß auch du kraft desselben als ein verlornes und verirrtes Schaf zu seiner Heerde gesammelt bist, und laß dich durch keinen Verführer von diesem einigen Grunde deines Heils abwendig machen! Amen. (Friedrich Arndt)
12:1 Sechs Tage vor Ostern kam JEsus gen Bethanien, da Lazarus war, der Verstorbene, welchen JEsus auferwecket hatte von den Toten.
12:2 Daselbst machten sie ihm ein Abendmahl, und Martha dienete; Lazarus aber war der einer, die mit ihm zu Tische saßen.
12:3 Da nahm Maria ein Pfund Salbe von ungefälschter, köstlicher Narde und salbete die Füße JEsu und trocknete mit ihrem Haar seine Füße. Das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe.
12:4 Da sprach seiner Jünger einer, Judas, Simons Sohn, Ischariot, der ihn hernach verriet:
12:5 Warum ist diese Salbe nicht verkauft um dreihundert Groschen und den Armen gegeben?
12:6 Das sagte er aber nicht, daß er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb und hatte den Beutel und trug, was gegeben ward.
12:7 Da sprach JEsus: Laß sie mit Frieden! Solches hat sie behalten zum Tage meines Begräbnisses.
12:8 Denn Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit.
12:9 Da erfuhr viel Volks der Juden, daß er daselbst war, und kamen nicht um JEsu willen allein, sondern daß sie auch Lazarus sähen, welchen er von den Toten erweckt hatte.
12:10 Aber die Hohenpriester trachteten danach, daß sie auch Lazarus töteten.
12:11 Denn um seinetwillen gingen viel Juden hin und glaubten an JEsum.
Lebendiger Heiland, gekreuzigter Erlöser, dem Andenken an Dein Leiden Deinen Tod, Deine Auferstehung ist die gegenwärtige Zeit des Kirchenjahres gewidmet. Ach wir haben schon Fastenzeiten genug in unserm Leben gefeiert, in denen wir kein Haar besser geworden sind, als wir vorher gewesen; ja, in denen wir wohl noch viel schlimmer geworden sind und das Wort von Deinem Kreuze uns ein Geruch des Todes zum Tode geworden ist, während es uns hätte ein Geruch des Lebens zum Leben werden können. O treuer Heiland, so gieb nun, daß die heilige Zeit, die wir jetzt vor uns haben, recht sorgfältig von uns möge ausgekauft werden, daß wir an dem heutigen Tage den rechten Bund vor Deinem Angesicht machen, diese sieben Passions-Wochen keinen Tag hingehen zu lassen, da wir nicht etwas von unserer Zeit zur Betrachtung Deines Leidens anwenden, darin wir uns nicht in eine stille Erwägung Deiner herzlichen Liebe einlassen, die Dich für uns in den Tod und in die Schmach gedrängt hat. Gieb, o Herr, daß das Evangelium von Deinem Leiden und Tode uns nicht möge vergeblich verkündigt werden, sondern daß es uns zu unserm Heil gepredigt werde. Segne aber die Predigt von Deinem Leiden nicht nur an uns, sondern überall, wo sie in der Christenheit verkündigt wird. Laß Dein Leiden allen denen, welche es betrachten, ein Geruch des Lebens zum Leben werden, zur Stärkung ihres Glaubens und ihres blöden und verzagten Gewissens. Stärke Deine Knechte, und rüste sie aus mit Kraft und Weisheit, Dein Leiden recht zu verkündigen. Laß um Deines Blutes willen alle Zuhörer theilhaftig werden der Früchte Deines Leidens und Todes. Erbarme Dich aller Kranken, elenden, Armen, aller Sterbenden, aller unschuldig Verfolgten und Gefangenen. Gieb einem jeden, der zu Dir in dieser Noth schreiet, Gnade, und laß kein Gebet unerhört, keine Thräne umsonst vergossen werden, welche aus einer wahren Erkenntniß und aus einem lebendigen Gefühl der Sünde herfließt; sondern siehe allesammt gnädig an und erhöre, was ein Jeder in seiner Noth von Dir bittet, erhöre, was auch ich in dieser gesegneten Zeit, in diesen Tagen des Heils von Dir erflehen werde, um Deines Leidens, Deines Todes und Deiner Auferstehung willen. Amen. (Friedrich Arndt)
12:12 Des andern Tages, viel Volks, das aufs Fest kommen war, da es hörete, daß JEsus kommt gen Jerusalem,
12:13 nahmen sie Palmenzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrieen: Hosianna! Gelobet sei, der da kommt in dem Namen des HErrn, ein König von Israel!
12:14 JEsus aber überkam ein Eselein und ritt darauf, wie denn geschrieben stehet:
12:15 Fürchte dich nicht, du Tochter Zion; siehe, dein König kommt reitend auf einem Eselsfüllen!
12:16 Solches aber verstunden seine Jünger zuvor nicht, sondern da JEsus verkläret ward, da dachten sie daran, daß solches war von ihm geschrieben, und sie solches ihm getan hatten.
12:17 Das Volk aber, das mit ihm war, da er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmete die Tat.
12:18 Darum ging ihm auch das Volk entgegen, da sie höreten, er hätte solches Zeichen getan.
12:19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr sehet, daß ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.
12:20 Es waren aber etliche Griechen unter denen, die hinaufkommen waren, daß sie anbeteten auf das Fest.
12:21 Die traten zu Philippus, der von Bethsaida aus Galiläa war, baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten JEsum gerne sehen.
12:22 Philippus kommt und sagt's Andreas, und Philippus und Andreas sagten's weiter JEsu.
12:23 JEsus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist kommen, daß des Menschen Sohn verkläret werde.
Wunderbar! „Die Zeit ist gekommen,“ sagt der HErr, „daß des Menschen Sohn verkläret werde;“ - und was sieht Er selbst vor sich? Sagt Er doch gleich nachher: „Jetzt ist Meine Seele betrübt bis in den Tod.“ Das Kreuz kam noch dazwischen hinein. Es war der Tag, auf den der Abschiedsabend folgte, und der Verrat; und am andern Tage hing Er etwa um die nämliche Stunde am Kreuz. Der HErr übersieht diese Trübsal, wie wenn sie gar nicht wäre, beim Blick auf das Größte, das nachfolgte, Seine Verklärung. Der Weg durch’s Kreuz war aber notwendig. Daß es diesen Ausgang nehmen sollte, war Ihm schon auf dem Verklärungsberge gesagt worden (Luk. 9, 31). Die Jünger hatten das nicht fassen können, daß die Verklärung des Menschensohnes durch den Tod hindurch werden sollte. Im Kleinen geht’s aber bei uns auch so. Wollen wir etwas Großes hintennach, etwas Verklärungsähnliches, so kann uns das Kreuz nicht erspart werden.
Der Blick auf’s Kreuz Christi, dem die Verklärung folgte, kann uns die Überzeugung geben, daß wir nicht meinen dürfen, als müßte uns alles Kreuz nur so geschwind hinweggenommen werden, wenn wir bitten. So wenig, als der HErr JEsus Sich Sein Kreuz verbitten konnte, so daß Er sagen mußte: „Nicht Mein, sondern Dein Wille geschehe!“ und sagen mußte: „Nicht, wie Ich will, sondern wie Du willst,“ - so wenig können wir uns oft Herbes, das wir durchmachen müssen, wegbitten, weil nur durch solches Kreuz hindurch irgendwie Verklärungsähnliches an uns gewirkt und zu Stande gebracht werden kann, von dem HErrn, der aller Heil und Seligkeit schaffen will. Wie aber Er verklärt worden ist, so reifen wir alle, unter Kreuz und Trübsal einer Verklärung entgegen. Wie wird’s uns da einst so wohl seyn! (Christoph Blumhardt)
12:24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt's alleine; wo es aber erstirbt, so bringt's viel Früchte.
12:25 Wer sein Leben liebhat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasset, der wird's erhalten zum ewigen Leben.
Das walte der dreieinige, ewige, barmherzige Gott, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Heilige in Israel, außer welchem kein Gott ist. Ach, Vater in der Höhe, Du großer und getreuer Menschenhüter, der weder schläft noch schlummert, Dir befehlen wir auch für diese Nacht unsern Eingang und Ausgang, unsern Leib und Seele, Haus und Hof, Habe und Gut. Hilf Deinem Volk und segne Dein Erbe, weide und erhöhe sie ewiglich. Segne unser armes Haus wie das Haus Obed Edoms, behüte die Wachenden, erhöre die Betenden, beschirme die Schlafenden. Tritt den Satan unter unsere Füße, und erhalte uns bei dem Einen, daß wir Deinen Namen fürchten, und nimm uns endlich, wenn es Dir gefällt, im wahren Glauben aus der Welt zu Deinen Auserwählten. Amen. (Friedrich Arndt)
12:26 Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.
12:27 Jetzt ist meine Seele betrübet. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Doch darum bin ich in diese Stunde kommen.
12:28 Vater, verkläre deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich hab' ihn verkläret und will ihn abermal verklären.
12:29 Da sprach das Volk, das dabeistund und zuhörete: Es donnerte! Die andern sprachen: Es redete ein Engel mit ihm.
12:30 JEsus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen.
12:31 Jetzt gehet das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden.
12:32 Und ich, wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen.
12:33 Das sagte er aber, zu deuten, welches Todes er sterben würde.
12:34 Da antwortete ihm das Volk: Wir haben gehöret im Gesetz, daß Christus ewiglich bleibe; und wie sagst du denn, des Menschen Sohn muß erhöhet werden? Wer ist dieser Menschensohn?
12:35 Da sprach JEsus zu ihnen: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, dieweil ihr das Licht habt, daß euch die Finsternisse nicht überfallen. Wer in Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingehet.
12:36 Glaubet an das Licht, dieweil ihr's habt, auf daß ihr des Lichtes Kinder seid.
12:37 Solches redete JEsus und ging weg und verbarg sich vor ihnen. Und ob er wohl solche Zeichen vor ihnen tat, glaubten sie doch nicht an ihn,
12:38 auf daß erfüllet würde der Spruch des Propheten Jesaja, den er sagt: HErr, wer glaubet unserm Predigen, und wem ist der Arm des HErrn offenbaret?
12:39 Darum konnten sie nicht glauben; denn Jesaja sagt abermal:
12:40 Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstocket, daß sie mit den Augen nicht sehen, noch mit dem Herzen vernehmen und sich bekehren, und ich ihnen hülfe.
12:41 Solches sagte Jesaja, da er seine Herrlichkeit sah und redete von ihm.
12:42 Doch der Obersten glaubten viel an ihn; aber um der Pharisäer willen bekannten sie es nicht, daß sie nicht in den Bann getan würden;
12:43 denn sie hatten lieber die Ehre bei den Menschen denn die Ehre bei GOtt.
12:44 JEsus aber rief und sprach: Wer an mich glaubet, der glaubet nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat.
12:45 Und wer mich siehet, der siehet den, der mich gesandt hat.
12:46 Ich bin kommen in die Welt ein Licht, auf daß, wer an mich glaubet, nicht in Finsternis bleibe.
12:47 Und wer meine Worte höret und glaubet nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht kommen; daß ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt selig mache.
12:48 Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der hat schon, der ihn richtet: das Wort, welches ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage.
12:49 Denn ich habe nicht von mir selber geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll.
12:50 Und ich weiß, daß sein Gebot ist das ewige Leben. Darum, was ich rede, das rede ich also, wie mir der Vater gegeben hat.
Wie großen Dank bin ich Dir schuldig, Herr Jesu, daß Du die Strafen meiner Sünden auf Dich nahmst, und Hunger, Durst, Kälte, Ermüdungen, Verläumdungen, Verfolgungen, Schmerzen, Armuth, Banden, Geißeln, Dornenstiche, ja, den bittersten Kreuzestod ertragen wolltest! Wie groß ist die Flamme Deiner Liebe, die Dich getrieben hat, für den verachtungswürdigsten und undankbarsten Knecht Dich selbst freiwillig in jenes Meer der Leiden zu versenken! Deine Unschuld und Gerechtigkeit machte Dich von allen Leiden frei; aber Deine unermeßliche und unaussprechliche Liebe stellt Dich an unsrer statt als Schuldner und Angeklagten dar. Ich hatte übertreten: Di thust genug; ich hatte geraubt: Du bezahlst; ich hatte gesündigt: Du leidest. O gütigster Jesu, ich erkenne die Herzlichkeit Deiner Erbarmung und die Gluth Deiner Liebe an. Du scheinst mich mehr zu lieben als Dich, da Du Dich selbst für mich dahingiebst. Was hast Du, Gerechtester, mit den Todesgedanken, mit Geißeln und Banden zu thun? Mir gebührte dies Alles; Du aber steigst aus unaussprechlicher Liebe in den Kerker dieser Welt herab, ziehst mein Knechtsgewand an und übernimmst ganz bereitwillig die mir gebührenden Strafen. So viel ich Werkzeuge Deines Leidens ansehe, so viel sehe ich Anzeigen Deiner Liebe gegen mich; denn meine Sünden sind jene Bande, jene Geißeln, jene Dornen, die Dich geschlagen haben, die Du alle aus unaussprechlicher Liebe um meinetwillen erduldet hast. Wer bin ich, daß Du um meinetwillen so viele Jahren dienen wolltest, daß Du um meinetwillen Dich nicht einmal zu sterben weigertest, daß Du um meinetwillen vor dem Holze des Kreuzes nicht schauderst? Ich bin Dir wahrlich eine Blutbraut, um deren willen Du eine so große Menge Blut vergießest. Ich bin Dir, der schönsten Lilie, ein Dorn, der Dich verletzt und sticht. Ich lege Dir eine harte und beschwerliche Last auf, deren Gewicht Dich so sehr drückt, daß Blutstropfen reichlich aus Deinem Leibe fließen. Dir, Herr Jesu, einiger Erlöser und Mittler, will ich um dieser Deiner Liebe willen ewiglich lobsingen. Amen. (Friedrich Arndt)
13:1 Vor dem Fest aber der Ostern, da JEsus erkennete, daß seine Zeit kommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater: wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.
Der Heiland bleibt sich in Seiner Liebe gleich, und hat diese Seine Liebe am letzten Abend noch am herrlichsten gezeigt. Bis in den Tod hinein hat Er geliebt, und wohlgetan mit Seiner Liebe; noch am Kreuz hat Er geliebt. Seine Liebe wendet Er vornehmlich den Seinen zu, die Ihn hörten, die Ihm folgten, die sich auch zu Seinem Dienst brauchen ließen. Denn das sind eigentlich die Seinen, die sich von Ihm in Seinem Dienst brauchen lassen. Man hörte Ihn fragen (Mark. 3,33ff.): „Wer ist Meine Mutter und Meine Brüder?“ Dabei sah Er rings um Sich auf Seine Jünger, die um Ihn im Kreise saßen, und sprach: „Siehe, das ist Meine Mutter und Meine Brüder; denn wer Gottes Willen tut, der ist Mein Bruder und Meine Schwester und Meine Mutter.“ Auch zu dem reichen Jüngling sagte Er: (Matth. 19,21): „Willst du vollkommen seyn, so verkaufe, was du hast, und komm und folge Mir nach.“ Daher war’s im Anfang immer so, daß, wer mit Ihm es halten wollte, sich gleich anstellen und aussenden lassen mußte.
Auch heute noch müssen wir uns, wie es eben möglich ist und etwa gefordert wird, in Seinen Dienst nehmen lassen, und nicht bloß andächtelnd zu Ihm hinaufblicken wollen. Ihm dienen aber kann man in jedem Stand und unter jedem Verhältnis; und was man Einem Seiner Geringsten tut, ist schon Ihm gedient. Tut man’s, so erfährt man Seine Liebe, Seine Durchhilfe, Seine Barmherzigkeit, auch den Frieden in der Seele, der eigentlich nichts anderes ist, als ein Ruhen in der Liebe Christi. „Friede sei mit euch!” hören wir den Auferstandenen zu Seinen Jüngern sagen. Ach! dieser Friede möge mit uns seyn! (Christoph Blumhardt)
13:2 Und nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Judas, Simons Sohn, dem Ischariot, ins Herz gegeben, daß er ihn verriete,
13:3 wußte JEsus, daß ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben, und daß er von GOtt kommen war und zu GOtt ging:
13:4 stund er vom Abendmahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich.
13:5 Danach goß er Wasser in ein Becken, hub an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, damit er umgürtet war.
13:6 Da kam er zu Simon Petrus; und derselbige sprach zu ihm: HErr, solltest du mir meine Füße waschen?
13:7 JEsus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das weißt du jetzt nicht; du wirst's aber hernach erfahren.
13:8 Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen. JEsus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Teil mit mir.
13:9 Spricht zu ihm Simon Petrus: HErr, nicht die Füße alleine, sondern auch die Hände und das Haupt.
13:10 Spricht JEsus zu ihm: Wer gewaschen ist, der bedarf nicht denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle.
13:11 Denn er wußte seinen Verräter wohl; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein.
13:12 Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach abermal zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch getan habe?
13:13 Ihr heißet mich Meister und HErr und saget recht daran; denn ich bin's auch.
13:14 So nun ich, euer HErr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander die Füße waschen.
13:15 Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr tut, wie ich euch getan habe.
13:16 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Knecht ist nicht größer denn sein Herr noch der Apostel größer, denn der ihn gesandt hat.
13:17 So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr's tut.
13:18 Nicht sage ich von euch allen, (ich weiß, welche ich erwählet habe), sondern daß die Schrift erfüllet werde: Der mein Brot isset, der tritt mich mit Füßen.
Wenn der Heiland sagt. „Ich weiß, welche,“ so will Er damit sagen: „Ich kenne sie; Ich kenne die, die nicht nur als Berufene, sondern als Erwählte, dem Gericht Entnommene, sich bezeigen.“ - Er denkt dabei an einen Judas, der in jener Nacht auch noch unter den Jüngern saß, aber bald fortging, um den Heiland zu verraten und an Seine Mörder auszuliefern. Der war wohl berufen, aber erwählt, dem Gericht entnommen, war er nicht. Willst du erwählt sein, d. h. mit Gewißheit dem Gericht, dem die Welt verfallen ist, enthoben, so kommt’s auf die Aufrichtigkeit deines Herzens an, auf die Demuth und Niedrigkeit deines Sinnes, auf die Bewahrung deines Gewissens, auf die Kindlichkeit, mit der du dich an den Heiland hängst, auf die Ausdauer, mit der du, auch wenn’s noch so rätselhaft zugeht, beim Heiland bleibst. In dem allem hat’s Judas fehlen lassen ; darum blieb er das verlorene Kind (Joh. 17, 12), obgleich er dem Heiland nachgefolgt war. Denn wenn Eins etwas sein will, und hat noch einen störrischen Sinn, einen widerwärtigen, eigenwilligen, frechen, mißtrauischen, verdrossenen, empfindlichen, mit einem Wort, einen widerspenstigen Sinn, daß es ungern tut, nicht recht tut, gar nicht tut, was der HErr will, - Solche mögen sich oft den Schein geben, als gehörten sie zu Denen, die Er erwählet hat; aber der HErr kennet sie, und weiß, wie weit’s bei ihnen ausreicht.
Wollen wir darum recht darauf achten, daß wir nichts Störrisches, Eigenwilliges bei uns behalten. Wir müssen folgsam, biegsam sein, müssen uns mit aller Geduld und Erhebung von Ihm drehen und wenden lassen, wie Er will und Sein Wort es uns sagt. So bleiben wir unter den Erwählten, die Er nie läßt, mag kommen, was will. Ist dir’s aber bange, ob du’s werdest hinausführen? Vergiß nicht den Spruch der Losung: „Ich will zu Gott rufen, und der HErr wird mir helfen.“ Jene erwählten Jünger wollte Satanas auch sichten, wie den Weizen; aber der HErr hat gebetet, daß ihr Glaube nicht aufhörte. Er lebet noch, und bittet für uns, - vertritt uns! Den Aufrichtigen aber lässet Er’s gelingen. (Christoph Blumhardt)
13:19 Jetzt sage ich's euch, ehe denn es geschiehet, auf daß, wenn es geschehen ist, daß ihr glaubet, daß ich's bin.
13:20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, so ich jemand senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.
13:21 Da solches JEsus gesagt hatte, ward er betrübt im Geist und zeugete und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, einer unter euch wird mich verraten.
Was Du, o mein Herr Jesu, zu Nicodemus gesagt hast, das geht auch mich und alle, die selig werden wollen, an: ihr müsset von neuem geboren werden. Ich danke Dir, daß Du mich vor so vielen hunderttausend Juden, Türken und Heiden zu der heiligen Taufe hast kommen lassen, da ich aus Wasser und Geist wiedergeboren bin. Aber wie muß ich mich vor Dir beugen und demüthigen wegen des häufigen schändlichen und schädlichen Rückfalls aus dieser Taufgnade, womit ich mich der höllischen Verdammniß schuldig gemacht habe! Vergieb mir diese schwere Sünde und wiedergebäre mich von neuem durch eine gründliche Erweckung und wahrhafte Bekehrung, daß ich eine neue Creatur werde und Dir im neuen Wesen des Geistes diene. Laß mich täglich von neuem erkennen, wie viel Du mir geschenkt hast, und wie viel ich verachtet habe, wie Du mich zu einem Kinde Gottes machen wolltest, ich aber lieber ein Knecht der Sünde geworden bin, wie Du mich zum Leben eingeschrieben hattest, ich aber den Tod dafür erwählt habe. Und laß mich dann nicht wieder einschlafen, wenn ich wach geworden bin, sondern verleihe mir die Kraft, mich entschieden von der Sünde loszureißen, ihr den Rücken zu kehren und als ein Kind Gottes meinen Wandel im Himmel zu führen, damit jedermann erkenne, mein Weg geht hinauf nach dem Jerusalem, das droben ist. In Dir laß mich leben, aus Dir meine Kraft ziehen, aus Dir blühen in erneutem Willen, in Dir Früchte der Gerechtigkeit tragen. Vor allem bewahre mich vor künftigem Rückfalle und verleihe Deine Gnade, daß ich je länger je mehr ausziehe den alten Menschen, der durch Lüste in Irrthum sich verderbet, und hingegen anziehe den neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, und mächtig gemacht durch Vergebung der Sünden in Jesu Blut die alte Schlange unter meine Füße trete, bis Alles, Alles, alle meine Gebrechen, auch der letzte Fersenstich wird heil werden und ich völlig ausgeheilt im ewigen, unverletzlichen Leben bei Dir ausruhen werde. Amen. (Friedrich Arndt)
13:22 Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete.
13:23 Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische saß an der Brust JEsu, welchen JEsus liebhatte.
13:24 Dem winkete Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte.
13:25 Denn derselbige lag an der Brust JEsu und sprach zu ihm: HErr, wer ist's?
13:26 JEsus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er tauchte den Bissen ein und gab ihn Judas, Simons Sohn, dem Ischariot.
13:27 Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach JEsus zu ihm: Was du tust, das tue bald.
13:28 Dasselbige aber wußte niemand über dem Tische, wozu er's ihm sagte.
13:29 Etliche meineten, dieweil Judas den Beutel hatte, JEsus spräche zu ihm: Kaufe, was uns not ist auf das Fest; oder daß er den Armen etwas gäbe.
13:30 Da er nun den Bissen genommen hatte, ging er sobald hinaus. Und es war Nacht.
13:31 Da er aber hinausgegangen war, spricht JEsus: Nun ist des Menschen Sohn verkläret, und GOtt ist verkläret in ihm.
13:32 Ist GOtt verkläret in ihm, wird ihn auch GOtt verklären in ihm selbst und wird ihn bald verklären.
13:33 Liebe Kindlein, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen; und wie ich zu den Juden sagte: Wo ich hingehe; da könnt ihr nicht hinkommen.
13:34 Und ich sage euch nun: Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebet habe, auf daß auch ihr einander lieb habet.
13:35 Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt.
13:36 Spricht Simon Petrus zu ihm: HErr, wo gehest du hin? JEsus antwortete ihm: Da ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir hernachmals folgen.
Ja wohl bist Du der Bräutigam Deiner Gemeinde und auch meiner Seele, denn wie im Morgenlande eine Braut durch den Bräutigam erkauft werden mußte vom Vater der Braut, so hast Du es gethan, der Du Dich selbst für alle gegeben hast zur Erlösung. Du allein konntest es thun; konntest einen Kaufpreis geben, der mehr werth ist als alle Seelen der gefallenen Menschheit. Und Du allein hast sie erkauft mit Deinem Blut und alle Seelen erworben. Dadurch hast Du Dir die Braut rechtmäßig erworben, und wir sind nun Dein in alle Ewigkeit. – Aber Du bist noch mehr, denn Du bist uns nicht nur ein Prophet oder ein Hoherpriester oder ein König unter vielen, die Dir gleich sind, sondern Du bist der Prophet, der Prophet aller Propheten, der Hohepriester aller Hohenpriester, der König aller Könige; Du bist der Herr vom Himmel, Gott geoffenbart im Fleisch. Während alle Knechte Gottes von der Erde sind, und nur von der Erde reden können, und von himmlischen Dingen nichts zu reden wissen, wenn es ihnen nicht von Dem geoffenbart und gezeigt wird, der die alleinige Quelle alles Lichts und Lebens ist, bist Du von oben her, über alle, und hast daher uns gezeuget und geoffenbart, was Du in dem Herzen Gottes, des Vaters, aus dessen Schooß Du zu uns gekommen bist, in unvermittelter, unmittelbarer und selbständiger Anschauung gesehen und gehört hast, und selbst, während Du in sterblicher Natur auf Erden wandelst, bist Du in Deiner unsterblichen Gottesnatur fortwährend im Himmel gewesen, und hast gewußt, was im Himmel vorging. O wie einzig und unvergleichlich stehst Du da unter allen Gotteszeugen und Gottesboten! Wachse denn in uns von Tag zu Tag, und laß uns abnehmen und immer kleiner werden in uns selbst. Setze uns wie ein Siegel auf Dein Herz, und wie ein Siegel auf Deinen Arm. Nähre uns, du, Deines Leibes Heiland, mit Deinem Fleisch und Blut, auf daß auch wir werden, was Du bist, Gottes liebe Kinder, Deine Miterben, Glieder an Deinem Leibe und einst Genossen Deines himmlischen Hochzeitmahles. Amen. (Friedrich Arndt)
13:37 Petrus spricht zu ihm: HErr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen.
13:38 JEsus antwortete ihm: Solltest du dein Leben für mich lassen? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal habest verleugnet!
14:1 Und er sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubet ihr an GOtt, so glaubet ihr auch an mich.
Wer glauben kann, daß ihn Jesus liebt, der hat nicht Ursache sich zu betrüben über irgend ein Unglück oder Leiden, die Sünde ausgenommen, die das größte Unglück und Leiden ist, die allerdings Betrübniß verdient. Doch auch darüber soll die Betrübniß nicht zum Verzagen, sondern zum Glauben, zum Trost, zur Freude führen: weil auch der Sünder, so bald er betrübt ist über seine Sünde, gewiß sein darf, Jesus, der Sünder Freund, liebt mich, sucht mich, will mich auf- und annehmen, begnadigen und beseligen. Soll das nicht Freude machen? Außerdem aber kommt gewiß nichts Betrübendes über uns, das uns nicht aus lauter Liebe und Weisheit von dem zugeschickt ist, der uns nur schlägt, um uns zu heilen, nur tödtet, um uns lebendig zu machen. Es sind lauter Liebesschläge, die uns näher zu ihm hintreiben, inniger mit ihm vereinigen sollen. Wir sind böse Kinder, wir folgen Gott nicht aufs Wort; darum muß er uns mit der Ruthe oder Peitsche heimholen. Kommen wir bald, verstehen wir seine Liebe, so weicht auch die Zucht bald. Deine Betrübniß soll dir also nicht die Liebe Jesu verdunkeln, sonst ist sie eine schwarze Wolke aus der Hölle. Bist du betrübt, so denke: Jesus liebt mich, sucht mich, darum betrübt er mich; weil ich ihm noch nicht nahe genug bin, er will mich näher haben, er will mich mehr lieben, als ich mich bisher habe lieben lassen. (Johannes Gossner)
14:2 In meines Vaters Hause sind viel Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, so wollt' ich zu euch sagen; ich gehe hin euch die Stätte zu bereiten.
14:3 Und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin.
14:4 Und wo ich hingehe, das wisset ihr, und den Weg wisset ihr auch.
14:5 Spricht zu ihm Thomas: HErr, wir wissen nicht, wo du hingehest; und wie können wir den Weg wissen?
14:6 JEsus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.
Unser HErr JEsus Christus hat in dem Evangelio gesagt: „Ich bin die Wahrheit.“ Joh. 14,6, und nicht: Ich bin die Gewohnheit; darum soll die Gewohnheit der Wahrheit weichen. (Aurelius Augustinus)
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Christus ist der alleinige Weg zum Vater. Unser Gewissen, wenn es erweckt ist, läßt uns den heiligen und gerechten Gott fürchten. Solange der Fluch nicht weggenommen, die Schuld nicht gesühnt ist, gibt es für keinen, wer er auch sei, Friede, Gemeinschaft mit Gott, ein Kommen zum Vater.
Jesus aber ist der Weg zur Vergebung der Sünden, die uns los macht vom bösen Gewissen und mit Gott versöhnt. Denn er ist es, der um teuren Preis das Lösegeld für unsere Schuld erworben hat. Gott hätte seinen geliebten Sohn nicht also in Schmach und Schmerz des Todes gegeben, wenn es irgend einen anderen Weg zur Versöhnung für uns gegeben hätte. Jesus Christus ist's allein, durch den und in dem der gefallene Mensch Zugang zu Gott hat, ihn Vater nennen und ihm nahen darf mit seinen Bitten und Anliegen.
Jesus ist auch der Weg zur Heilung von der Sünde. Er ist im Namen aller und für alle, die an ihn glauben, der Sünde gestorben (Röm. 6,11), hat dem Tode und Teufel die Macht genommen und die Welt überwunden. Jeder andere Weg, der Sünde Herr zu werden, all unsere Arbeit, unsere Gerechtigkeit vor menschlichem Urteil und Aufrichtigkeit in den eigenen Augen hilft und außer Christus nichts. Christus ist uns gemacht zur Heiligung, zur Gerechtigkeit und zur Erlösung.
Jesus ist auch der Weg zu allen Gaben und Gnaden Gottes. Der Vater hat ihm alles übergeben; es ist Gottes Wohlgefallen gewesen, daß in ihm alle Fülle wohnen sollte. Wer den Sohn nicht hat, der hat den Vater nicht. Wohl uns, daß der Sohn dem hilfesuchenden Sünder verheißt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen (Joh. 6,37). (Hermann Heinrich Grafe)
14:7 Wenn ihr mich kennetet, so kennetet ihr auch meinen Vater. Und von nun an kennet ihr ihn und habt ihn gesehen.
14:8 Spricht zu ihm Philippus: HErr, zeige uns den Vater, so genüget uns.
14:9 JEsus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch und du kennest mich nicht? Philippus, wer mich siehet, der siehet den Vater. Wie sprichst du denn: Zeige uns den Vater?
14:10 Glaubest du nicht, daß ich im Vater und der Vater in mir ist? Die Worte, die zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst. Der Vater aber, der in mir wohnet, derselbige tut die Werke.
14:11 Glaubet mir, daß ich im Vater und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubet mir doch um der Werke willen.
14:12 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubet, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere denn diese tun; denn ich gehe zum Vater.
14:13 Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, auf daß der Vater geehret werde in dem Sohne.
14:14 Was ihr bitten werdet in meinem Namen das will ich tun.
14:15 Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote.
14:16 Und ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster geben, daß er bei euch bleibe ewiglich,
14:17 den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfangen; denn sie siehet ihn nicht und kennet ihn nicht. Ihr aber kennet ihn; denn er bleibet bei euch und wird in euch sein.
14:18 Ich will euch nicht Waisen lassen; ich komme zu euch.
14:19 Es ist noch um ein kleines, so wird mich die Welt nicht mehr sehen; ihr aber sollt mich sehen: denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.
14:20 An demselbigen Tage werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.
14:21 Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebet. Wer mich aber liebet, der wird von meinem Vater geliebet werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
14:22 Spricht zu ihm Judas, nicht der Ischariot: HErr, was ist's, daß du uns willst dich offenbaren und nicht der Welt?
14:23 JEsus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.
14:24 Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat.
14:25 Solches hab' ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin.
14:26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wird's euch alles lehren und euch erinnern alles des, das ich euch gesagt habe.
14:27 Den Frieden lasse ich euch; meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!
14:28 Ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer denn ich.
14:29 Und nun hab' ich's euch gesagt, ehe denn es geschiehet, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet.
14:30 Ich werde hinfort nicht mehr viel mit euch reden; denn es kommt der Fürst dieser Welt und hat nichts an mir.
14:31 Aber daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also tue, wie mir der Vater geboten hat, stehet auf und lasset uns von hinnen gehen!
15:1 Ich bin ein rechter Weinstock und mein Vater ein Weingärtner.
15:2 Eine jegliche Rebe an mir, die nicht Frucht bringet, wird er wegnehmen, und eine jegliche, die da Frucht bringet, wird er reinigen, daß sie mehr Frucht bringe.
Der HErr ist der Weinstock, an welchem alle, die Ihm angehören, gleichsam als Reben hinanwachsen, oder als Reben herauswachsen, so daß das Ganze nur Eines ist, und alle zusammen von einerlei Saft genährt werden. Man muß dabei sich erinnern, daß der Weinstock die Art hat, sich weit auszubreiten. Es kann, wie das im Morgenlande schon geschehen ist, ein einziger Weinstock Stunden weit sich fortspinnen über der Erde. So denke man sich die Möglichkeit eines Weinstocks, der über die ganze Erde sich fortspinnt und sie bedeckt, und doch nur einen Grundstock hat. So wäre denn Christus dieser Weinstock, in welchem, als ihrer Lebenskraft, alle Gläubigen zu einem zusammengehörigen Ganzen verbunden sind.
Hiebei kommt nun alles darauf an, daß die Reben an Ihm also bleiben, und also genährt werden und in solcher Gemeinschaft mit Ihm stehen, daß sie Früchte bringen, liebliche, erquickliche Früchte, wie ja des Weinstocks Frucht als eine liebliche und erquickliche bekannt ist. Wir wollen jetzt gerade nur an das denken, daß wir dann die rechten fruchtbaren Reben sind, wenn wir etwas Liebliches und Erquickendes für Jedermann sind. Ja, unser ganzes Wesen muß so seyn, daß es alle, mit denen wir in Berührung kommen, erquickt und ihnen wohltut. Wo wir aber herbe sind und räse, wie man bei Früchten sagt, also unfreundlich, hart, widerwärtig gegen Andere, so sind wir keine Frucht tragenden Reben, sondern ausgeartete Reben, die fast noch weniger wert sind, als wenn keine Früchte kämen, und so gewiß nicht am Weinstock bleiben werden.
Zusatz: Insbesondere wenn wir zum Tisch des HErrn gehen, wollen wir da etwas empfangen, wodurch wir in eine nähere Wesens- und Lebensgemeinschaft mit dem HErrn kommen. Es ist Sein Wille, daß da Seine Lebenskraft in uns komme; deswegen giebt Er Sich uns als Speise hin. Ob aber diese Seine Kraft es mit uns so weit bringe, daß wir Früchte tragen, oder Seine Art annehmen können, das wäre die Frage. Wir dürfen nicht denken, weil’s Seine Kraft sei, so wirke sie ganz von selbst, gleichsam mechanisch, was es sein soll. Wir müssen auch mit unsrem Verlangen und Willen dabei sein; wir müssen uns, auch wenn wir’s empfangen haben, um die Wirkung des Empfangenen in uns bemühen. Im Reiche Gottes geht nichts von selbst. Der Mensch muß sich hergeben, muß es mindestens verlangen, suchen, erbitten. Geht er seinen Weg nur so hin, ohne zu denken, ohne zu suchen, ohne zu bitten, so wird er eine fruchtlose Rebe bleiben. Darum wollen wir uns immer wieder anfrischen lassen zu neuem Mut, zu neuem Eifer, zu neuem Ringen nach dem, das werden soll. Folgt das bei uns auf das Hören Seines Worts, oder auf den Genuß des heiligen Abendmahls, nach, so kann’s nicht fehlen; denn dann kann die von Christo auf uns übergehende Lebenskraft das Ihre bei uns ausrichten. Will’s ihr aber bei uns nicht recht gelingen, so weiß Er, wie unser Spruch sagt, zu reinigen, zu schneiden und abzuschneiden, damit desto leichter Seine Kraft in uns die Frucht heraustreibe. Da helfe uns der HErr dazu durch Seinen heiligen Geist! (Christoph Blumhardt)
15:3 Ihr seid jetzt rein um des Worts willen, das ich zu euch geredet habe.
15:4 Bleibt in mir und ich in euch. Gleichwie die Rebe kann keine Frucht bringen von ihr selber, sie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn an mir.
15:5 Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben. Wer in mir bleibet und ich in ihm der bringet viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
15:6 Wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorret, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und muß brennen.
15:7 So ihr in mir bleibet, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
DIe Kirche Gottes/ hat auff Erden keinen gewissen Grund noch bestendigen Trost/ darauff sie sich verlassen künde/ das sie möge schutz/ hülffe und rettunge haben / in so mancherley fahr und not/ wider des Teufels gewalt und schalckheit/ und der Welt verfolgung/ falscheit und untrew/ zu bestehen/ denn diese und der gleichen tröstliche Verheissunge/ so uns diese zwey stücke leren.
Erstlich/ das wir Christus wort im glauben behalten/ bekennen und da bey bleiben/ Da durch wir gewis sind/ das wir Gottes gnad haben.
Zum andern/ Das wir/ wenn wir unser schwacheit und not fülen/ In anruffen/ und beten sollen. Und wissen/ das Er uns gewislich erhören wölle/ wie Er verheissen hat. Das wir nicht mit zweifel und unglauben uns engsten/ noch unsern trost und hülffe anderswo suchen dürffen. (Caspar Cruciger)
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DIeses ist eine grosse herrligkeit / und ein trefflicher hoher trost der Christen/ Das sie des mögen sicher sein/ das sie bey gott so angeneme und wol gehört sollen sein/ das sie gewislich alles was sie bitten wöllen/ das jnen nutz und not ist/ von jm haben und gewehret sind.
Solchs (spricht Christus) sol jnen gewis sein/ und nicht feilen / So sie in Jm/ und seine Wort in Jnen bleiben/ das ist / So sie in rechtem glauben und bestendiger bekentnis des Euangelii bleiben / und also in jren nöten/ den ewigen Vater des HErrn Jhesu Christi/ anruffen.
Das sol unser höchste und fürnemeste sorg sein/ das wir in solch4em glauben und anruffen beharren. So wil Er da fur sorgen/ das uns widerfare und gegeben werde/ was wir bedürffen. Auff das er warhafftig erfunden/ und nicht an uns zum Lügener werde.
Wer das weis und gleubet/ der hat trost und stercke/ schutz und wehre/ ja trotz und sieg/ wider der Sünden/ des Tods/ Teufels und Hellen schrecken. (Caspar Cruciger)
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DIeses ist Christlichen hertzen ein grosser trost/ das sie wissen/ wie sie in so grosser jrer schwacheit und unwirdigkeit/ Auch in so mancherley schwerer fahr und not dieses Lebens/ gewisse erhörung/ hülffe und rettung/ bey Gott haben mögen.
Nemlich/ so sie die lere des Euangelii/ von dem Son Gottes/ unserm Heiland/ mit festem glauben behalten/ und in dem selben auch Gott anruffen/ erhörung und hülffe von jm warten/ umb dieses Mittlers willen Jhesu Christi.
ZUm andern/ Ist auch tröstlich/ das wir hören/ das Gott seine Kirche/ das ist eben das Heufflin/ so sein Wort in jnen bleibend haben/ und jn anruffen/ fur und fur schützen und erhalten wil.
Darumb sollen wir nicht zweiveln/ Er werde dieser seiner Zusage nach/ auch jtzund diese Kirchen/ so sein Wort haben/ und jn durch Christum anruffen/ gnediglich erhalten/ das sie fur seiner Feinde wüten und toben mögen bleiben/ und nicht da durch vertilget werden/ Amen. (Caspar Cruciger)
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So ihr in mir bleibet. Weil gläubige Christen es gar oft empfinden, dass es ihnen an vielem gebricht, ja dass sie weit entfernt sind von der reichen Vollsaftigkeit, wie sie zu einem schönen Fruchtertrag erforderlich ist, deswegen folgt jetzt dieser ausdrückliche Zusatz: mag den Gliedern Christi auch noch mancherlei fehlen, so liegt doch für sie jegliche Hilfe bereit, sobald sie nur darum bitten. Bist du in Christo, so wisse, - was dir auch fehlen mag, sobald du Gott anflehst, ersetzt seine Hilfe deinen Mangel. Wie nützlich ist doch diese Erinnerung! Um uns in eifrigem Beten zu üben, duldet es der Herr nicht selten, dass wir inneren Mangel haben. Fliehen wir aber zu ihm, so wird er sich niemals unseren Bitten entziehen, wird aus seiner unerschöpflichen Fülle uns darreichen, was uns not tut (1Kor 1, 5). Wenn Jesus sagt: Wenn meine Worte in euch bleiben, so deutet er damit an, dass wir durch den Glauben in ihm Wurzel treiben. Sobald du dich von der Lehre des Evangeliums entfernst, suchst du Christus da, wo er nicht ist. - Wenn Jesus übrigens verheißt: Ihr werdet bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren, so räumt er uns damit nicht eine unbegrenzte Bittfreiheit ein. Wie schlecht würde Gott unser wahres Wohl bedenken, wenn er zu allem zu haben wäre und uns jeden Gefallen täte. Bekanntermaßen betreiben die Menschen in zahllosen Fällen eine ganz verkehrte Beterei. Gerade an dieser Stelle bindet Christus das Gebetsleben seiner Jünger an fest abgemessene Schranken: alle ihre Gedanken haben sie dem heiligen Gotteswillen unterzuordnen. Man beachte den ganzen Zusammenhang unserer Stelle. Das „Wollen“, von dem Jesus hier redet, bezieht sich nicht auf Reichtum, irdische Ehren oder dergleichen Dinge, wie sie ein fleischlicher Mensch in seiner Torheit sich ausbitten würde, sondern es bezieht sich auf den Lebenssaft heiligen Geistes, der den Christen zu einer traubenbeladenen Rebe macht. (Jean Calvin)
15:8 Darinnen wird mein Vater geehret, daß ihr viel Frucht bringet und werdet meine Jünger.
15:9 Gleichwie mich mein Vater liebet, also liebe ich euch auch. Bleibet in meiner Liebe!
15:10 So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe.
15:11 Solches rede ich zu euch, auf daß meine Freude in euch bleibe, und eure Freude vollkommen werde.
15:12 Das ist mein Gebot, daß ihr euch untereinander liebet, gleichwie ich euch liebe.
15:13 Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde.
15:14 Ihr seid meine Freunde, so ihr tut, was ich euch gebiete.
15:15 Ich sage hinfort nicht, daß ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, daß ihr Freunde seid; denn alles, was ich habe von meinem Vater gehöret, hab' ich euch kundgetan.
15:16 Ihr habet mich nicht erwählet, sondern ich habe euch erwählet und gesetzt, daß ihr hingehet und Frucht bringet, und eure Frucht bleibe, auf daß, so ihr den Vater bittet in meinem Namen, daß er's euch gebe.
15:17 Das gebiete ich euch, daß ihr euch untereinander liebet.
15:18 So euch die Welt hasset, so wisset, daß sie mich vor euch gehasset hat.
15:19 Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; dieweil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählet, darum hasset euch die Welt.
15:20 Gedenket an mein Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer denn, sein Herr. Haben sie mich verfolget, sie werden euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten.
15:21 Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.
15:22 Wenn ich nicht kommen wäre und hätte es ihnen gesagt, hätten sie keine Sünde; nun aber können sie nichts vorwenden, ihre Sünde zu entschuldigen.
15:23 Wer mich hasset, der hasset auch meinen Vater.
15:24 Hätte ich nicht die Werke getan unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; nun aber haben sie es gesehen und hassen doch beide, mich und meinen Vater.
15:25 Doch daß erfüllet werde der Spruch, in ihrem Gesetz geschrieben: Sie hassen mich ohn' Ursache.
15:26 Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir.
15:27 Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen.
16:1 Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert.
16:2 Sie werden euch in den Bann tun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tötet, wird meinen, er tue GOtt einen Dienst daran.
16:3 Und solches werden sie euch darum tun, daß sie weder meinen Vater noch mich erkennen.
16:4 Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ich's euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt; denn ich war bei euch.
16:5 Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fraget mich: Wo gehest du hin?
16:6 sondern dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns worden.
16:7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch; so ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden.
16:8 Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen um die Sünde und um die Gerechtigkeit und um das Gericht:
16:9 um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich;
16:10 um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet;
16:11 um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist.
16:12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnet's jetzt nicht tragen.
Es waren die Jünger bereits eine ziemliche Zeit in der Schule Christi und hatten manche Wahrheiten gelernt und gefaßt; gleichwohl sagt ihnen Christus, daß sie noch vieles zu lernen hätten, welches sie aber noch nicht tragen könnten. Christus hätte es ihnen zwar wohl sagen können, daß sie es hätten auswendig lernen, oder nach dem menschlichen lngenio oder auch Judico hätten verstehen können. Aber es war bei ihnen die Zeit noch nicht, da sie starke Speisen vertragen konnten. Gleichwie nun für Anfänger Milch gehört, also muß man noch immer auch bei weiterm Fortgang unter den Dingen, die man lernen soll, einen Unterschied machen. Christus hat in der Information seiner Jünger bis zu der Ausgießung des heiligen Geistes die Methodum subjectivum gebraucht. Es ist aber die methodus subjectiva, da man sich in der Information nach der Capacitate subjectorum accommodirt. Es giebt aber eine zweifache Capacität, die durch die Cultur kommt, und eine Capacität, die mit den Jahren kommt; denn es ist auch natürlicher Weise nicht alle Fassungskraft zugleich da, wie man z. B, die Zähne nicht gleich mit auf die Welt bringt, sondern man bekommt sie erst eine Zeit lang hernach, und zwar nicht alle zugleich, sondern successive. Die besondern Seelenkräfte wollen ihre gewisse Zeiten haben. Ich wünschte deßwegen, daß in der Psychologia empirica in dem Unterschied des Alters die besondern Kräfte und Neigungen bemerkt und angezeigt werden möchten. Es können daher Lehrer und Lernende fehlen, wenn sie meinen, es müsse diese oder jene Sache präcis jetzt gelernt werden. Es wäre aber ein großer Vortheil, wenn man nach der Capacität untersuchte, welche Sache jetzt, und welche Sache jetzt noch nicht gelernt werden sollte, und wenn man Alles auf die rechte Zeit würde anstehen lassen. Nach dem gegenwärtigen Status fordert man zwar Manches, welches außer der rechten Zeit ist; weil aber der Status Keinem die Capacität mittheilt, so ist man bei manchem Subjekt genöthigt, von dem Status abzugehen, und eine gewöhnliche Sache jetzt zu unterlassen, und sie auf eine andere Zeit anstehen zu lassen. (Johannes Flattich)
16:13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.
16:14 Derselbige wird mich verklären; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen.
16:15 Alles, was der Vater hat, das ist mein; darum hab' ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.
16:16 Über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen; denn ich gehe zum Vater.
16:17 Da sprachen etliche unter seinen Jüngern untereinander: Was ist das, was er saget zu uns: Über ein so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe?
16:18 Da sprachen sie: Was ist das, was er sagt: Über ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet.
16:19 Da merkete JEsus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr untereinander, daß ich gesagt habe: Über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen.
16:20 Wahrlich, wahrlich, ich, sage euch: Ihr werdet weinen und heulen; aber die Welt wird sich freuen. Ihr aber werdet traurig sein; doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden.
16:21 Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie Traurigkeit; denn ihre Stunde ist kommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denket sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist.
16:22 Und ihr habt auch nun Traurigkeit aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.
16:23 Und an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinen Namen, so wird er's euch geben.
16:24 Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei.
16:25 Solches hab' ich zu euch durch Sprichwörter geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwörter mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater.
16:26 An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will;
16:27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum daß ihr mich liebet und glaubet, daß ich von GOtt ausgegangen bin.
16:28 Ich bin vom Vater ausgegangen und kommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.
16:29 Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und sagest kein Sprichwort.
16:30 Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt und bedarfst nicht, daß dich jemand frage. Darum glauben wir, daß du von GOtt ausgegangen bist.
16:31 JEsus antwortete ihnen: Jetzt glaubet ihr.
16:32 Siehe, es kommt die Stunde und ist schon kommen, daß ihr zerstreuet werdet, ein jeglicher in das Seine, und mich alleine lasset. Aber ich bin nicht alleine; denn der Vater ist bei mir.
16:33 Solches habe ich mit euch geredet, daß ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
17:1 Solches redete JEsus und hub seine Augen auf gen Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist hier, daß du deinen Sohn verklärest, auf daß dich dein Sohn auch verkläre,
17:2 gleichwie du ihm Macht hast gegeben über alles Fleisch, auf daß er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast.
17:3 Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, daß du allein wahrer GOtt bist, und den du gesandt hast, JEsum Christum, erkennen.
17:4 Ich habe dich verkläret auf Erden und vollendet das Werk, das du mir gegeben hast, daß ich's tun sollte.
17:5 Und nun verkläre mich du, Vater, bei dir selbst mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.
17:6 Ich habe deinen Namen offenbaret den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten.
17:7 Nun wissen sie, daß alles, was du mir gegeben hast, sei von dir.
17:8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, hab' ich ihnen gegeben; und sie haben's angenommen und erkannt wahrhaftig, daß ich von dir ausgegangen bin, und glauben, daß du mich gesandt hast.
17:9 Ich bitte für sie und bitte nicht für die Welt, sondern für die, so du mir gegeben hast; denn sie sind dein.
17:10 Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verkläret.
17:11 Und ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, daß sie eins seien gleichwie wir!
17:12 Dieweil ich bei ihnen war in der Welt, erhielt ich sie in deinem Namen. Die du mir gegeben hast, die habe ich bewahret, und ist keiner von ihnen verloren ohne das verlorne Kind, daß die Schrift erfüllet würde.
17:13 Nun aber komme ich zu dir und rede solches in der Welt, auf daß sie in ihnen haben meine Freude vollkommen.
17:14 Ich hab' ihnen gegeben dein Wort, und die Welt hasset sie; denn sie sind nicht von der Welt, wie denn auch ich nicht von der Welt bin.
17:15 Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Übel.
17:16 Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin.
17:17 Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.
17:18 Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt.
17:19 Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiliget seien in der Wahrheit.
17:20 Ich bitte aber nicht alleine für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden,
17:21 auf daß sie alle eins seien gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt.
17:22 Und ich hab' ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind,
17:23 ich in ihnen und du in mir, auf daß sie vollkommen seien in eins, und die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast und liebest sie, gleichwie du mich liebest.
17:24 Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebet, ehe denn die Welt gegründet ward.
17:25 Gerechter Vater, die Welt kennet dich nicht; ich aber kenne dich, und diese erkennen, daß du mich gesandt hast.
17:26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und will ihnen kundtun, auf daß die Liebe, damit du mich liebest, sei in ihnen und ich in ihnen.
Mein Heiland, Du leidest unschuldig, schreiest Du denn nicht um Rache über Deine Kreuziger? oder schreiet Dein unschuldiges Blut nicht um Rache? O nein, dieses redet bessere Dinge, denn Abels Blut; es schreiet um Gnade und Barmherzigkeit, wie Dein holdseliger Mund. Du sagtest einst, Du seiest nicht gekommen, daß Du die Welt richtest; das beweisest Du auch noch am Kreuze, und zwar hier im höchsten Grade. Wie Du im hohenpriesterlichen Gebete für Dich, für Deine Jünger und alle, die künftig noch an Dich glauben würden, flehetest, so bittest Du am Kreuze für Deine Feinde, die im tollen Grimme auf Dich zuschlagen. Du begleitest Dein fließendes blut und dessen unbegreifliches Reden mit der allerlieblichsten und kräftigsten Fürbitte. Gottlob, daß diese Deine Fürbitte gerade für Deine Feinde und Kreuziger geschieht; denn da gehet sie auch mich an, und ich nehme im Glauben auch Theil daran; auch meine Sünden, die Dich gekreuzigt haben, sind dadurch verbeten und vergeben; denn das Lob hattest Du schon längst Deinem Vater beigelegt, daß Er Dich, den Sohn, allezeit erhöre: also bist Du auch hier erhöret worden. O Du sanftmüthiges Lamm, Deine durch diese Fürbitte bewiesene Feindesliebe schmelze doch alles Harte, Rauhe, Unversöhnliche aus meinem Herzen hinweg; sie lasse mir stets diese ganz unschätzbaren Worte in meinen Ohren erschallen, und mich nie satt daran hören.
O Du vollkommner Hoherpriester, wie treulich richtest Du an diesem Deinem Versöhnungstage Dein Amt aus! Du opferst Dich selbst für die Sünde des Volkes, Du betest und verbittest die Sünde des Volkes mit einer Fürbitte, die mit Deinem eignen Versöhnungsblute besprenget ist. Vor den Ohren Deines Vaters wird gewiß jede Silbe Deiner Fürbitte eine viel lieblichere Schelle sein, als die Schellen an Aarons Rock. (2. Mose 28, 33.34.) Du wirfst gleichsam die theuern Worte: „Vater, vergieb ihnen!“ als ein wohlriechendes Rauchwerk auf das Feuer Deiner zarten Liebe, und gehest damit in’s Heiligthum. Wie wird dieser angenehme Geruch den häßlichen Gestank meiner Sünden vertreiben! Ich weiß nichts zu sagen, mein nie genug geliebter Heiland, als: Dank, Preis, Lob und Anbetung sei Dir gebracht in alle Ewigkeit! Amen. (Friedrich Arndt)
18:1 Da JEsus solches geredet hatte, ging er hinaus mit seinen Jüngern über den Bach Kidron. Da war ein Garten, darein ging JEsus und seine Jünger.
18:2 Judas aber, der ihn verriet, wußte den Ort auch; denn JEsus versammelte sich oft daselbst mit seinen Jüngern.
18:3 Da nun Judas zu sich hatte genommen die Schar und der Hohenpriester und Pharisäer Diener, kommt er dahin mit Fackeln, Lampen und mit Waffen.
18:4 Als nun JEsus wußte alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr?
18:5 Sie antworteten ihm: JEsum von Nazareth. JEsus spricht zu ihnen: Ich bin's. Judas aber, der ihn verriet, stund auch bei ihnen.
18:6 Als nun JEsus zu ihnen sprach: Ich bin's, wichen sie zurück und fielen zu Boden.
18:7 Da fragte er sie abermal: Wen suchet ihr? Sie aber sprachen: JEsum von Nazareth.
18:8 JEsus antwortete: Ich hab's euch gesagt, daß ich es sei. Suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen
18:9 (auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe der keinen verloren, die du mir gegeben hast).
18:10 Da hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein rechtes Ohr ab; und der Knecht hieß Malchus.
18:11 Da sprach JEsus zu Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?
18:12 Die Schar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Juden nahmen JEsum und banden ihn
18:13 und führeten ihn aufs erste zu Hannas; der war des Kaiphas Schwäher, welcher des Jahrs Hoherpriester war.
18:14 Es war aber Kaiphas, der den Juden riet, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volk.
18:15 Simon Petrus aber folgte JEsu nach und ein anderer Jünger. Derselbige Jünger war dem Hohenpriester bekannt und ging mit JEsu hinein in des Hohenpriesters Palast.
18:16 Petrus aber stund draußen vor der Tür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Türhüterin und führete Petrus hinein.
18:17 Da sprach die Magd, die Türhüterin zu Petrus: Bist du nicht auch dieses Menschen Jünger einer? Er sprach: Ich bin's nicht.
18:18 Es stunden aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohlenfeuer gemacht (denn es war kalt) und wärmeten sich. Petrus aber stund bei ihnen und wärmete sich.
18:19 Aber der Hohepriester fragte JEsum um seine Jünger und um seine Lehre.
18:20 JEsus antwortete ihm: Ich habe frei öffentlich geredet vor der Welt. Ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet.
18:21 Was fragest du mich darum? Frage die darum, die gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe. Siehe, dieselbigen wissen, was ich gesagt habe.
18:22 Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabeistunden, JEsu einen Backenstreich und sprach: Sollst du dem Hohenpriester also antworten?
18:23 JEsus antwortete: Hab' ich übel geredet, so beweise es, daß es böse sei; habe ich aber recht geredet, was schlägest du mich?
18:24 Und Hannas sandte ihn gebunden zu dem Hohenpriester Kaiphas.
18:25 Simon Petrus aber stund und wärmete sich. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger einer? Er verleugnete aber und sprach: Ich bin's nicht.
18:26 Spricht des Hohenpriesters Knechte einer, ein Gefreundeter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm?
18:27 Da verleugnete Petrus abermal; und alsbald krähete der Hahn.
18:28 Da führeten sie JEsum von Kaiphas vor das Richthaus. Und es war früh. Und sie gingen nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern Ostern essen möchten.
18:29 Da ging Pilatus zu ihnen heraus und sprach: Was bringet ihr für Klage wider diesen Menschen?
18:30 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übeltäter wir hätten dir ihn nicht überantwortet.
18:31 Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten
18:32 (auf daß erfüllet würde das Wort JEsu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde).
18:33 Da ging Pilatus wieder hinein ins Richthaus und rief JEsu und sprach zu ihm: Bist du der Juden König?
18:34 JEsus antwortete: Redest du das von dir selbst, oder haben's dir andere von mir gesagt?
18:35 Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet; was hast du getan?
18:36 JEsus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden drob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen.
18:37 Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? JEsus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt kommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.
18:38 Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm.
18:39 Ihr habt aber eine Gewohnheit, daß ich euch einen auf Ostern losgebe; wollt ihr nun, daß ich euch der Juden König losgebe?
18:40 Da schrieen sie wieder allesamt und sprachen: Nicht diesen, sondern Barabbas. Barabbas aber war ein Mörder.
19:1 Da nahm Pilatus JEsum und geißelte ihn.
19:2 Und die Kriegsknechte flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurkleid an
19:3 und sprachen: Sei gegrüßet, lieber Judenkönig! und gaben ihm Backenstreiche.
19:4 Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde.
19:5 Also ging JEsus heraus und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch!
19:6 Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin und kreuziget; denn ich finde keine Schuld an ihm.
19:7 Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu GOttes Sohn gemacht.
19:8 Da Pilatus das Wort hörete, fürchtete er sich noch mehr
19:9 und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu JEsu: Von wannen bist du? Aber JEsus gab ihm keine Antwort.
19:10 Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich loszugeben?
19:11 JEsus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, der hat größere Sünde.
19:12 Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losließe. Die Juden aber schrieen und sprachen: Lässest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum Könige macht, der ist wider den Kaiser.
19:13 Da Pilatus das Wort hörete, führete er JEsum heraus und setzte sich auf den Richterstuhl an der Stätte, die da heißt Hochpflaster, auf ebräisch aber Gabbatha.
19:14 Es war aber der Rüsttag auf Ostern um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Sehet, das ist euer König!
19:15 Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem, kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König denn den Kaiser.
19:16 Da überantwortete er ihn ihnen, daß er gekreuzigt würde. Sie nahmen aber JEsum und führeten ihn hin.
19:17 Und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte die da heißt Schädelstätte, welche heißt auf ebräisch Golgatha.
19:18 Allda kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, JEsum aber mitten inne.
19:19 Pilatus aber schrieb eine Überschrift und setzte sie auf das Kreuz; und war geschrieben: JEsus von Nazareth, der Juden König.
19:20 Diese Überschrift lasen viel Juden; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da JEsus gekreuziget ist. Und es war geschrieben auf ebräische, griechische und lateinische Sprache.
Unter den vielen Sprachen, welche auf Erden sind, sind die drei wichtigsten, die ebräische, griechische und lateinische, weil sie durch das Kreuz Christi geheiligt und gesegnet worden. Unter diesen drei Sprachen ist zwar die lateinische die dritte und letzte, doch behält sie eben dadurch vor den übrigen Sprachen den Vorzug. Weil wir in einer solchen Zeit und in einer solchen Gegend leben, da vieles zwar weit besser sein könnte, gleichwohl aber da noch manches Gute zu finden ist, so darf man sich nicht verwundern, daß man bei jungen Leuten so sehr auf die lateinische Sprache drückt, ja, daß die beiden Hauptsprachen, nämlich die hebräische und die griechische vermittelst der lateinischen erlernt werden. Es ist keine Sache, darinnen man sich so viel Mühe gegeben, sie junge Leuten zu lehren, als die lateinische Sprache, indem sehr viele Bücher davon geschrieben, und viele Anweisungen und Anstalten darüber vorhanden sind. Es würde deßwegen Einem schwer sein, anstatt der lateinischen Sprache etwas Anderes bei jungen Leuten an deren Stelle zu setzen, wodurch sie in einen Fleiß gebracht und darinnen erhalten, wodurch ihre Memorie, Ingenium und Iudicium ausgebildet, und wodurch sie zu Wissenschaften und Aemtern vorbereitet werden, auch die Muttersprache recht erlernt und vervollkommnet werden möchte. Ungeachtet man nun sich schon vielfältig und lang darüber beschwert, daß junge Leute durch die Erlernung der lateinischen Sprache als einer heidnischen und stummen Sprache unnöthig geplagt werden, so geht es doch noch immer fort und wird die lateinische Sprache vor der hebräischen und griechischen auch wohl den Vorzug bis auf den Untergang Roms behalten. (Johannes Flattich)
19:21 Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König; sondern daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König.
19:22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das hab' ich geschrieben.
19:23 Die Kriegsknechte aber, da sie JEsum gekreuziget hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, einem jeglichen Kriegsknecht ein Teil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewirket durch und durch.
19:24 Da sprachen sie untereinander: Lasset uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wes er sein soll (auf daß erfüllet würde die Schrift, die da, sagt: Sie haben meine Kleider unter sich geteilet und haben über meinen Rock das Los geworfen). Solches taten die Kriegsknechte.
19:25 Es stund aber bei dem Kreuze JEsu seine Mutter und seiner Mutter Schwester Maria, des Kleophas Weib, und Maria Magdalena.
19:26 Da nun JEsus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er liebhatte spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe das ist dein Sohn!
19:27 Danach spricht er zu dem Jünger siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
19:28 Danach, als JEsus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: Mich dürstet!
19:29 Da stund ein Gefäß voll Essigs. Sie aber fülleten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten es ihm dar zum Munde.
19:30 Da nun JEsus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und neigete das Haupt und verschied.
Das war ein wunderbarer Augenblick, da JEsus Sein Haupt neigt, und nun sein Geist entweicht, wie hinausgescheucht von der Menschheit. Aber Er läßt sich doch nicht wegscheuchen. Sie jagen Ihn fort, und Er läßt sich nicht verjagen. Er bleibt doch der Ihrige. Wer Ihn ruft, dem ist Er zur Hand. Denn es ist, als sagte Er: „Ich bin dennoch euer Bruder (Joh. 20,17); ihr könnet mir mein Brudersein nicht nehmen; denn Ich bin’s.“ Wer Ihn nun seinen Bruder seyn läßt, und sich zu das zu Nutze machen will, der hat Ihn, und kommt durch Ihn hinauf zur Herrlichkeit des Vaters. Wer aber fortfährt, Ihn wegzuscheuchen, Ihm gleichsam den Odem zu nehmen trachtet, wie Seine Feinde es getan, - natürlich, zuletzt, zuletzt muß er von dem auch wegbleiben. Dann wehe solchem! O, daß wir’s ergreifen möchten und festhalten, was der heutige Tag uns geben soll, und daß wir auch durch das heilige Mahl, das wir empfangen, möchten eine neue Lebenskraft bekommen, einen neuen Zug zu Ihm, daß wir nicht von Ihm lassen können, auch wenn wir wollten. (Christoph Blumhardt)
19:31 Die Juden aber; dieweil es der Rüsttag war daß nicht die Leichname am Kreuz blieben den Sabbat über (denn desselbigen Sabbats Tag war groß), baten sie Pilatus; daß ihre Beine gebrochen, und sie abgenommen würden.
19:32 Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm gekreuziget war.
19:33 Als sie aber zu JEsu kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht,
19:34 sondern der Kriegsknechte einer öffnete seine Seite mit einem Speer; und alsbald ging Blut und Wasser heraus.
19:35 Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein Zeugnis ist wahr, und derselbige weiß, daß er die Wahrheit saget, auf daß auch ihr glaubet.
19:36 Denn solches ist geschehen, daß die Schrift erfüllet würde: Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen.
19:37 Und abermal spricht eine andere Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben.
19:38 Danach bat Pilatus Joseph von Arimathia, der ein Jünger JEsu war, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden, daß er möchte abnehmen den Leichnam JEsu. Und Pilatus erlaubte es. Da kam er und nahm den Leichnam JEsu herab.
19:39 Es kam aber auch Nikodemus, der vormals bei der Nacht zu JEsu kommen war, und brachte Myrrhen und Aloen untereinander bei hundert Pfunden.
19:40 Da nahmen sie den Leichnam JEsu und banden ihn in leinene Tücher mit Spezereien, wie die Juden pflegen zu begraben.
19:41 Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget ward, ein Garten und im Garten ein neu Grab, in welches niemand je gelegt war.
19:42 Daselbst hin legten sie JEsum um des Rüsttages willen der Juden, dieweil das Grab nahe war.
20:1 An der Sabbate einem kommt Maria Magdalena früh, da es noch finster war, zum Grabe und siehet, daß der Stein vom Grabe hinweg war.
20:2 Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, welchen JEsus liebhatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den HErrn weggenommen aus dem Grabe, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
20:3 Da ging Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grabe.
20:4 Es liefen aber die zwei miteinander, und der andere Jünger lief zuvor, schneller denn Petrus, und kam am ersten zum Grabe,
20:5 gucket hinein und siehet die Leinen geleget; er ging aber nicht hinein.
20:6 Da kam Simon Petrus ihm nach und ging hinein in das Grab und siehet die Leinen geleget.
20:7 und das Schweißtuch, das JEsu um das Haupt gebunden war, nicht zu den Leinen geleget, sondern beiseits, eingewickelt, an einen besondern Ort.
20:8 Da ging auch der andere Jünger hinein, der am ersten zum Grabe kam, und sah und glaubete es.
20:9 Denn sie wußten die Schrift noch nicht, daß er von den Toten auferstehen müßte.
20:10 Da gingen die Jünger wieder zusammen.
20:11 Maria aber stund vor dem Grabe und weinete draußen. Als sie nun weinete, guckte sie in das Grab
20:12 und siehet zwei Engel in weißen Kleidern sitzen, einen zu den Häupten und den andern zu den Füßen, da sie den Leichnam JEsu hingelegt hatten.
20:13 Und dieselbigen sprachen zu ihr: Weib, was weinest du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen HErrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
20:14 Und als sie das sagte, wandte sie sich zurück und siehet JEsum stehen und weiß nicht, daß es JEsus ist.
20:15 Spricht JEsus zu ihr: Weib, was weinest du? Wen suchest du? Sie meinet, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo hast du ihn hingeleget? so will ich ihn holen.
20:16 Spricht JEsus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni, das heißt, Meister!
20:17 Spricht JEsus zu ihr: Rühre mich nicht an; denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem GOtt und zu eurem GOtt.
Das ist das Große, woraus sich auch die ganze Erlösung erklärt, daß sich der HErr als unsern Bruder ansieht, der, weil Er Mensch ist, kein gutes Gewissen hätte, wenn Er ohne Seine Mitmenschen, d. h. Brüder, hätte wollen, etwa bei der Verklärung, einem Elias gleich, geradezu in den Himmel fahren, ohne für Seine Brüder noch etwas zu tun, wie Er’s um Seines vollkommenen Gehorsams willen im Stande war. Dadurch, daß Er Fleisch und Blut gleichwie wir annahm, fühlt Er sich verpflichtet, wirklich verpflichtet, für uns zu sorgen, daß auch uns geholfen werde. Verdient ja doch wirklich Keiner den Namen Mensch, der nicht die Verpflichtung in sich fühlt, für alle seine Mitmenschen, so viel er vermag, und so viel sie dieses nach Leib und Seele bedürfen, zu tun. Das ist ein wichtiger Gedanke. Geht doch daraus hervor, daß auch wir gar keine Menschen sind, wenn wir kein Interesse an der Bekehrung und Rettung unserer Mitmenschen haben. Wir sind wie aus einem andern Geschlecht, und verleugnen unsere menschliche Abkunft, wenn es uns nicht innerstes Bedürfnis ist, für unsere Mitmenschen zu fühlen, wie für uns selber, gerade wie leibliche Brüder sich gegenseitig verleugnen, wenn sie sich, besonders in Nöten, nichts um einander bekümmern. Wie wunderbar einzig steht nicht da der Heiland vor unserm entarteten Geschlechte da, daß Er das volle Gefühl für Seine Mitmenschen, das sonst alle verloren hatten, behalten, Sein Menschtum in seiner edelsten Bedeutung genommen hat! Im Bewußtsein Seiner inneren Zusammengehörigkeit mit der Menschheit nennt Er sich stets des Menschen Sohn; und wie tief Er das meinte, zeigt das, daß Er gleich nach Seiner Auferstehung von Seinen Brüdern redete, die mit Ihm Einen Gott und Vater hätten! Seine Auferstehung hat sie Ihm nicht ferner, sondern näher gebracht; denn nun war es versiegelt, daß sie vom Vater als Kinder angenommen seien, und Er der Herzog ihrer Seligkeit sein dürfe. Halten wir uns denn auch unsererseits recht brüderlich zu Ihm und unter einander.
Zusatz: Der HErr stellt in Obigem ein gänzlich vergessenes Princip wieder her. Es ist, als sagte Er: „Weil Ich euer Einer bin, mußte und muß Ich alles für euch tun, was Ich im Stande bin, selbst mit Aufopferung Meines Leibes und Lebens.“ Von diesem Standpunkt aus ist Er unser Heiland und Seligmacher geworden; und wenn dieses Princip, daß wir uns alle als Brüder mit denselben Verpflichtungen gegen einander anzusehen hätten, unser eigenes geworden ist, dann sind wir Ihm recht. Es tut Not, daß wir uns das täglich vergegenwärtigen, weil wir uns gerne selbst gegen Nächste fremd stellen, womit wir nicht nur unser Christentum, sondern unser Menschtum verleugnen. Je mehr wir in diesem Sinne Christo ähnlich werden, desto rascher wird unsre ganze Bruderwelt, so weit sie unsere Bruderliebe annimmt, in den Schoß des Vaters zurückgeführt sein. Denn es hängt alles an dem, daß wir als wahre Menschen uns brüderlich aller annehmen lernen.
Dazu helfe uns der HErr durch Seinen heiligen Geist! (Christoph Blumhardt)
20:18 Maria Magdalena kommt und verkündiget den Jüngern: Ich habe den HErrn gesehen, und solches hat er zu mir gesagt.
20:19 Am Abend aber desselbigen Sabbats, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam JEsus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!
20:20 Und als er das sagte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den HErrn sahen.
20:21 Da sprach JEsus abermal zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
20:22 Und da er das sagte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den Heiligen Geist!
20:23 Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
20:24 Thomas aber, der Zwölfen einer, der da heißet Zwilling, war nicht bei ihnen, da JEsus kam.
20:25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den HErrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, will ich's nicht glauben.
20:26 Und über acht Tage waren abermal seine Jünger drinnen und Thomas mit ihnen. Kommt JEsus, da die Türen verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sei mit euch!
20:27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände; und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite; und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.
20:28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein HErr und mein GOtt!
20:29 Spricht JEsus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
20:30 Auch viel andere Zeichen tat JEsus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch.
20:31 Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, JEsus sei Christus, der Sohn GOttes, und daß ihr durch den Glauben das Leben habet in seinem Namen.
21:1 Danach offenbarte sich JEsus abermal den Jüngern an dem Meer bei Tiberias. Er offenbarte sich aber also.
21:2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der da heißet Zwilling, und Nathanael von Kana, Galiläa, und die Söhne des Zebedäus und andere zwei seiner Jünger.
21:3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will hin fischen gehen. Sie sprachen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und traten in das Schiff alsbald; und in derselbigen Nacht fingen sie nichts.
21:4 Da es aber jetzt Morgen ward, stund JEsus am Ufer; aber die Jünger wußten nicht, daß es JEsus war.
21:5 Spricht JEsus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
21:6 Er aber sprach zu ihnen: Werfet das Netz zur Rechten des Schiffs, so werdet ihr finden. Da warfen sie und konnten's nicht mehr ziehen vor der Menge der Fische.
21:7 Da spricht der Jünger, welchen JEsus liebhatte, zu Petrus: Es ist der HErr! Da Simon Petrus hörete, daß es der HErr war, gürtete er das Hemd um sich (denn er war nackend) und warf sich ins Meer.
„Es ist der HErr!“ Dieses Wort kommt insbesondere zweimal, aber mit verschiedener Bedeutung, vor. Einmal in den Büchern Samuels (1 Sam. 3, 18), da der HErr zum ersten Male dem Samuel erschien, Eli’s wegen, dem ein Gericht anzukündigen war. Eli merkt es und fragt am andern Morgen: „Was hat der HErr mit dir gesprochen?“ Samuel mußte sagen: „Er hat ein schweres Gericht angekündigt über dich, deine Kinder und dein ganzes Haus.“ Dann sagt Eli: „Es ist der HErr, Er tue, was Ihm wohlgefällt.“ Da sollte Eli die strafende Hand Gottes sehen, und an dem Gericht, das über ihn kam, es merken, daß es der HErr war. Seine Ergebung kann uns wieder freuen, wiewohl er, statt sich, so zu sagen, aufzugeben, mehr auf eine Besserung der Sachen und auf ein Aufheben des Gerichts durch Besserung, wie’s mit der Vorausverkündigung gemeint war, hätte hinarbeiten sollen. - In unsrer Stelle aber fischt Petrus mit Johannes und andern Jüngern nach der Auferstehung des HErrn. Plötzlich steht der Auferstandene am Ufer und heißt sie anders das Netz auswerfen. Sie tun’s, und mit welchem Segen! Dann sagt Einer zum Andern: „Es ist der HErr!“ Denn sie hatten Ihn vorher nicht erkannt. Da war’s eine Freude, eine Erquickung, die ihnen durch alle Adern floß! Wie Petrus es hört, wirft er sich in’s Wasser und eilt an’s Ufer. Aller Jammer ist vergessen; denn es ist der HErr, den sie jetzt sehen dürfen.
In Beidem kommt der HErr oft zu uns, wenigstens im Geiste oder unsichtbar: in der Züchtigung und Strafe, wie bei Eli, und in der Gnade und Freundlichkeit, wie bei den Jüngern. Auf vielfältige Weise giebt sich der HErr zu erkennen. Lernen wir’s nur merken, wo Er ist, und daß Er es ist, in allem, was uns widerfährt. Sagen lernen: „Es ist der HErr!“ ist eine wichtige Sache. Wir würden weniger murren, wenn’s traurig hergeht, und weniger übermütig werden, wenn uns etwas gelingt, auch weniger im Zweifel sein, wenn uns eine Weisung gegeben wird, sobald wir nüchternen Geistes sagen lernten: „Es ist der HErr!“ Erinnern wir uns auch an das, wie Laban beim Besuch Eliesers zu sagen sich gedrungen fühlte: „Das kommt vom HErrn“ (1. Mos. 24, 50.)!
Möchten wir diese Lection auf heute nicht so bald vergessen! Wir können alle Tage Veranlassung bekommen, zu sagen: „Es ist der HErr!“ indem Er straft, oder tröstet, oder hilft, oder innerlich anregt, oder durch äußere Umstände warnt und den Weg zeigt. Wenn wir nur es immer zu merken Sinn und Verstand hätten, wann es der HErr ist, der mit uns redet, und wann der eigene Geist oder gar der Feind uns irre führen will! (Christoph Blumhardt)
21:8 Die andern Jünger aber kamen auf dem Schiffe (denn sie waren nicht fern vom Lande, sondern bei zweihundert Ellen) und zogen das Netz mit den Fischen.
21:9 Als sie nun austraten auf das Land sahen sie Kohlen geleget und Fische dar auf und Brot.
21:10 Sprich JEsus zu ihnen: Bringet her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt.
21:11 Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz auf das Land voll großer Fische, hundert und dreiundfünfzig. Und wiewohl ihrer so viel waren, zerriß doch das Netz nicht.
21:12 Spricht JEsus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern durfte ihn fragen: Wer bist du? Denn sie wußten, daß es der HErr war.
21:13 Da kommt JEsus und nimmt das Brot und gibt's ihnen, desselbigengleichen auch die Fische.
21:14 Das ist nun das dritte Mal, daß JEsus offenbaret ward seinen Jüngern, nachdem er von den Toten auferstanden ist.
21:15 Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht JEsus zu Simon Petrus: Simon Johanna, hast du mich lieber, denn mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, HErr, du weißt, daß ich dich liebhabe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer!
21:16 Spricht er zum andernmal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, HErr, du weißt, daß ich dich liebhabe. Spricht er zu ihm: Weide meine Schafe!
21:17 Spricht er zum drittenmal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Petrus ward traurig, daß er zum drittenmal zu ihm sagte: Hast du mich lieb? und sprach zu ihm: HErr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich liebhabe. Spricht JEsus zu ihm: Weide meine Schafe.
Wer von uns mag denn etwa auch so sagen: „HErr Du weißest, daß ich Dich lieb habe?“ Wir wagen’s nicht; denn das Gefühl, wir hätten Ihn nicht lieb, will uns den Mund zu solcher Rede schließen. Wir sind aber doch, - um heute glimpflich zu reden - oft zu hart gegen uns selber, und zu unnachsichtig. Wir taxiren unsre innere Liebe zum Heiland gerne niedrig nach den allerdings unrechten Dingen, die bei uns noch vorliegen, - aber ach, wie oft wider unsern eigenen Willen! Es geht viel vor mit uns, in uns, um uns, durch uns, - wir wollen’s nicht so, und die in uns glimmende Liebe zum HErrn wünscht es anders. Haben wir deswegen den HErrn nicht lieb ? Wir dürfen es doch wohl merken, daß wir trotz aller Fehler und natürlichen Unarten den Heiland lieb haben, - wenn’s wahr ist nämlich. Petrus, der obiges Wort spricht, steht auch mit böse Gewissen da. Denn dreimal hatte er den HErrn verleugnet; -und doch beruft er sich auf das Wissen des HErrn, daß er Ihn lieb habe. Wir müssen daher nicht zu sehr an uns verzagen, wenn wir auch viel Torheit an uns erblicken, - wenn’s nur nicht Bosheit ist, - sofern wir einen Liebeszug zu unserm Heiland doch in uns entdecken. Der HErr weiß den; und der HErr wirft auch den Petrus nicht weg. Er erscheint diesem als Auferstandener, obwohl Petrus hätte denken können: „Ja, was wird denn der HErr zu mir kommen, der ichs Ihm so gemacht habe? Zu mir wird Er zuletzt kommen“. So hätte Petrus denken können; und doch war er der Erste der Jünger, der den HErrn gesehen hat. Der HErr ist ihm besonders erschienen, gleich in den ersten Morgenstunden.
Da sehen wir’s, wie wir auf den Heiland bauen dürfen, wenn nur unser Herz richtig steht. Er sieht auch das Seufzen und Sehnen unsres Herzens und bekennt sich freundlich zu uns. Er kann sich uns nicht entziehen, sondern hat Geduld mit uns und ist langmütig. Nun, so wollen wir’s denn glauben, und auch das wichtig nehmen, daß Er alle Dinge weiß, und ich weiß, daß wir Ihn wollen, und nichts als Ihn, Ihn also lieb haben. (Christoph Blumhardt)
21:18 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Da du jünger warest, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wo du hin wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst.
21:19 Das sagte er aber, zu deuten, mit welchem Tode er GOtt preisen würde. Da er aber das gesagt, spricht er zu ihm: Folge mir nach!
21:20 Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen welchen JEsus liebhatte, der auch an seiner Brust am Abendessen gelegen war und gesagt hatte: HErr, wer ist's, der dich verrät?
21:21 Da Petrus diesen sah, spricht er zu JEsu: HErr, was soll aber dieser?
21:22 JEsus spricht zu ihm: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was gehet es dich an? Folge du mir nach!
21:23 Da ging eine Rede aus unter den Brüdern: Dieser Jünger stirbt nicht. Und JEsus sprach nicht zu ihm: Er stirbet nicht, sondern: So ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was gehet es dich an?
21:24 Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeuget und hat dies geschrieben; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahrhaftig ist.
21:25 Es sind auch viel andere Dinge, die JEsus getan hat, welche, so sie sollten eins nach dem andern geschrieben werden, achte ich, die Welt würde die Bücher nicht begreifen, die zu beschreiben wären.